Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blei-Säurebatterien aus Ghana erfolgreich verwertet

11.03.2014

Der erste Container mit ausgedienten Blei-Säurebatterien aus Afrika ist in Deutschland angelandet. Die Batterien wurden in einer weltweit einzigartigen Kooperation in Ghana gesammelt und in Deutschland umweltgerecht verwertet. Fachleute haben die Batteriesäure neutralisiert und das Blei mit sehr hoher Recyclingquote zurückgewonnen.

Der Export fand im Rahmen des BMBF-Projektes „Globale Kreislaufführung strategischer Metalle: Best-of-two-Worlds Ansatz (Bo2W)“ statt, welches die Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa zum Recycling von Batterien, Altfahrzeugen und Elektronikschrott nachhaltig verbessern soll. Die Batterien wurden vom ghanaischen Recyclingunternehmen City Waste Recycling Ltd. eingesammelt, nach internationalen Standards verpackt und verschifft. Die Verwertung übernimmt Johnson Controls, ein weltweit führenden Hersteller und Recycler von Blei-Säurebatterien.

Sammlung in Afrika – Recycling in Europa

Johann-Friedrich Dempwolff, Geschäftsführer Johnson Controls Power Solutions EMEA, bestätigt, dass die versendeten Batterien den Vorgaben von Johnson Controls entsprechen: „In unserem Werk in Deutschland können wir bis zu 99 Prozent einer Altbatterie recyceln. Teil dieses Prozesses ist es sicherzustellen, dass die Batterien vollständig verschifft werden und die Säure nicht vorher in Ghana umweltschädlich in den Boden abgelassen wurde, so wie es bisher oft der Fall war“.

Mit dieser ersten Erfolgsmeldung setzen die Partner ein starkes Startsignal, dass in Afrika anfallende Blei-Säurebatterien einer ressourceneffizienten Verwertung zugeführt werden können. Jürgen Meinel, Geschäftsführer von City Waste Recycling Ltd.: „Wir sind sehr froh, dass wir mit dieser ersten Lieferung von gut 20 Tonnen beweisen konnten, dass eine umweltfreundliche Recyclingalternative für Ghana realisierbar ist.

Aufgrund fehlender Alternativen vor Ort ist der Export nach Deutschland die beste Lösung und es sollen in den nächsten Jahren noch viele weitere Container mit Bleibatterien folgen. Deren Aufkommen wächst stark in Ghana“.

Verwertung von Blei-Säurebatterien – ein Kernproblem in Afrika

Das unsachgemäße Recycling von Blei-Säurebatterien stellt ein wesentliches Umwelt- und Gesundheitsproblem in Ghana und ganz Afrika dar: Das Ablassen der Batteriesäure in die Umwelt, das Umschmelzen des Bleis an offenen Feuern oder in Recyclinganlagen, die nicht dem Stand der Technik entsprechen, sind in Afrika gängige Praxis und Alternativen bislang kaum entwickelt. 

John Pwamang, Direktor der Abteilung Chemikalienmanagement in der ghanaischen Umweltbehörde EPA kennt die Probleme seit langem und fügt hinzu: „Ghana entwickelt derzeit einen rechtlichen Rahmen für eine saubere Entsorgung von Altbatterien und E-Schrott und ist auch am Aufbau einer Recyclingindustrie interessiert. Internationale Kooperation zu Blei-Säurebatterien ist dabei höchst willkommen.“

Dafür arbeiten westafrikanische Unternehmen eng mit europäischen zusammen. Aufgrund fehlender umweltfreundlicher Recyclingkapazitäten hat der Partner in Ghana ausgedienten Starterbatterien von PKW und LKW gesammelt, ordnungsgemäß verpackt und per Container über See- und Landweg zur Anlage von Johnson Controls in Krautscheid verschickt. Dank modernster Recyclingtechnologie können dort Schadstoffemissionen vermieden und nahezu 100 Prozent des Bleis zurückgewonnen werden.

Umweltfreundliches Recycling ist Pflicht

Für Andreas Manhart, zuständig beim Öko-Institut für die Projektaktivitäten in Ghana ist „diese erste umweltgerecht verpackte, transportierte und recycelte Charge an Blei-Säurebatterien ein wichtiger Beweis, dass der „Best-of-Two World“ Ansatz in der Praxis realisiert werden kann. Der bestehende informelle Sektor in Ghana kann in die Sammlung als wirtschaftlicher Partner eingebunden werden; die Menschen werden dabei nicht wie bisher durch die Batteriesäure und das Blei selbst gefährdet“.

Projektleiter Matthias Buchert (Öko-Institut) betont, dass „durch die konstruktive Zusammenarbeit mit der EPA in Ghana, dieser erste Erfolg erzielt wurde. Sie hat alle Partner bei Exportgenehmigungen gut unterstützt und unsaubere Praktiken wie den Seetransport bereits geöffneter Blei-Säurebatterien unterbunden.“ Herr Pwamang (EPA) bestätigt diesen jüngsten regulatorischen Schritt und fügt an, dass „Ghana in Zukunft keinen Handel mit Altbatterien mehr genehmigen wird, der nicht höchsten internationalen Umweltstandards genügt. Damit soll sichergestellt werden, dass seriös und sauber arbeitende Unternehmen im Wettbewerb nicht gegen skrupellose Geschäftemacher unterliegen.“

Informationen zum Projekt „Best oft wo Worlds“

Gemeinsam mit Partnern aus der Industrie werden neue Recyclingstrukturen in Ghana und Ägypten aufgebaut und in Pilotvorhaben erprobt. Das Projekt soll lokale Wertschöpfung erzeugen, die Pilotvorhaben internationalen Sozial-, Gesundheits-und Sicherheitsstandards entsprechen sowie Arbeitsplätze vor Ort schaffen. Komponenten, die nicht effizient und umweltfreundlich in der Region verwertet werden können, werden zu spezialisierten High-Tech-Raffinerien in Europa exportiert. Entsprechend werden beide Länder besser mit den Recyclingstrukturen der Industrieländer verbunden. Das Projekt adressiert ausschließlich lokal anfallende Schrotte und grenzt sich damit deutlich vom illegalen Handel mit Giftmüll und Elektroschrott ab.

Die Projektpartner: Wissenschaft und Industrie

Das Konsortium, bestehend aus dem Öko-Institut, Johnson Controls, weiteren Industrieunternehmen sowie kompetenten Partnern in Ägypten und Ghana arbeitet an der lokalen Umsetzung. Diese Kooperation bündelt die Stärken aller Beteiligten: führende Kompetenz im Bereich Metallrecycling und -verarbeitung, Umweltforschung, Projektmanagement sowie eine starke lokale Präsenz. Das Projekt läuft von Juni 2012 bis Mai 2015 und wird vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des r3-Programms gefördert.

Weitere Informationen zum Projekt auf der Ressourcenfieber-Website
http://www.resourcefever.org/project/items/global_circular_economy_of_strategic_...

Ansprechpartner am Öko-Institut:

Dr. Matthias Buchert
Leiter des Institutsbereichs
Infrastruktur & Unternehmen
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-0
E-Mail: m.buchert(at)oeko.de

Andreas Manhart
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich
Produkte & Stoffströme
Telefon: +49 89 12590077
E-Mail: a.manhart(at)oeko.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Neues vom Öko-Institut auf Twitter: http://twitter.com/oekoinstitut
Interesse an eco@work, dem kostenlosen E-Paper des Öko-Instituts?
Abo unter http://www.oeko.de/newsletter_ein.php

Romy Klupsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Batterien Container EPA Ghana Handel Industrie Kooperation Recycling Verwertung Öko-Institut Ökologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Luftreiniger und Schmutzpumpe: der indische Monsun
15.06.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht 100 % Ökolandwirtschaft in Bhutan – ein realistisches Ziel?
15.06.2018 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

CD83-Protein ist essentiell für die Kontrolle von Autoimmunreaktionen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Dispensdruckkopf, Netzmodul und neuartiger Batteriespeicher

18.06.2018 | Messenachrichten

Brutpflege-Gen steuert Arbeitsteilung bei Ameisen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics