Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biomassenkartierung für hungrige Elefanten

16.12.2008
Jenaer Geographen in das Wissenschaftsteam des Kruger-Nationalparks aufgenommen

Die Aufnahme erinnert an eine Höhenkarte wie sie Wanderer und Bergsteiger nutzen. Die verschiedenen Rot- und Brauntöne, vermischt mit weißen und schwarzen Markierungen geben aber keinesfalls Aufschluss über Höhenmeter, sondern kennzeichnen die unterschiedliche Biomasse der afrikanischen Busch-, Baum- und Steppensavannen. Weiße Linien durchziehen die Karte wie kleine Adern: "Das sind Flüsse", erklärt Prof. Dr. Christiane Schmullius von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und folgt einem Flussverlauf auf einer der hoch- aufgelösten Radaraufnahmen vom Kruger-Nationalpark in Südafrika. "Der Nationalpark befindet sich in einem semiariden Gebiet, also der Übergangszone zwischen Tropen und Wüstenbereichen, wo es sowohl reichlich Niederschlag als auch große Trockenheit gibt", begründet die Jenaer Geographin, warum gerade entlang der Flüsse hohe Bäume wachsen.

Ein Projektvorschlag der Arbeitsgruppe um Prof. Schmullius wurde als Beitrag zu dem wissenschaftlich angesehenen "Kruger Scientific Services" angenommen. Anlass der ersten Zusammenarbeit zwischen den Jenaer Geographen und dem südafrikanischen Wissenschaftsteam des Nationalparks ist der dort beheimatete Afrikanische Elefant, vielmehr dessen explosionsartiger Anstieg der Population. Auf dem rund 20.000 Quadratmeter großen Nationalpark leben etwa 13.000 Elefanten. Die Dickhäuter leben rein vegetarisch und nehmen täglich etwa 300 Kilogramm Laub und andere Pflanzen zu sich, was in Teilen des Parks zu einem regelrechten Kahlschlag führen kann.

"Im Kruger-Nationalpark gibt es bisher kein Kartenmaterial, das flächendeckend Aufschluss über die Menge der Biomasse und damit des noch verbleibenden Futtervorrats in der Savannenvegetation gibt", berichtet die Lehrstuhlinhaberin für Fernerkundung der Universität Jena weiter. In Zusammenarbeit mit Partnern der Technischen Universität Wien und der University of Calgary wollen die Jenaer Geographen in dem Projekt "SARvanna - SAR-Mapping of Savanna Vegetation Structure" die Biomasse der Gebiete im Nationalpark bestimmen. "Die Kartierung von Savannen ist sehr schwierig", erklärt die Projektleiterin. "Buschwerk und Bäume wachsen so dicht, dass das Gelände nur von der Luft zugänglich ist." Optische Daten helfen hier nicht weiter, denn sie liefern lediglich foto-ähnliche Abbildungen der Erdoberfläche. "Wir müssen Radarbilder einsetzen, um tief in die Vegetation einzudringen und über die rückgestreute Radarintensität, Parameter der Biomasse zu erhalten." Gelingt den Jenaer Geographen in den kommenden zwei Jahren das Vorhaben, wären sie die ersten, die die Biomasse in der Savanne aus dem All bestimmen können.

Vorerst wertet die Arbeitsgruppe Radaraufnahmen der Mission SIR-C/X-SAR aus dem Jahre 1994 aus. "Diese Archivdaten bilden die beste wissenschaftliche Grundlage für den Entwurf eines zukünftigen Monitoringsystems." Aktuelle Daten, die der europäische und der japanische Satellit Envisat ASAR bzw. ALOS PALSAR liefern, werden die Geographen zusätzlich sammeln und auswerten. Die Daten erlauben den Wissenschaftlern, umfangreiche Radar-Parameter für verschiedene Ausprägungen der Savannenvegetation festzulegen. "Unterschiedliche Wellenlängen und Polarisationen, die auf der Radarabbildung als Falschfarbenbild zusammengestellt wurden, geben Aufschluss über die verschiedenen Wuchsformen", so die Geographin. So deuten weiße Flächen auf dem Radarbild auf eine erhöhte Biomasse hin, was einer hohen Dichte an Busch- oder Baumwerk entspricht. "Bei der Bildinterpretation helfen uns Auffälligkeiten wie künstlich geschaffene Brandschutzschneisen oder abgebrannte Gebiete", beschreibt Prof. Schmullius.

Für die Afrikanischen Elefanten könnte das Kartierungs-Projekt ungemütlich werden. "Wir hoffen, in zwei Jahren ein Konzept für ein Beobachtungssystem der Vegetation zu erstellen, das Auskunft darüber gibt, wo die Elefanten wie viel Futterreserven noch zur Verfügung haben bzw. wo sie bereits die Biomassenvorkommen weggefressen haben. Die Konsequenzen, die die Verantwortlichen im Kruger-Nationalpark ggf. ziehen müssen," so Prof. Schmullius "werden die Elefanten dann an der eigenen Dickhaut zu spüren bekommen."

Kontakt:
Prof. Dr. Christiane Schmullius
Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Grietgasse 6, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 948881
E-Mail: c.schmullius[at]uni-jena.de

Katrin Czerwinka | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Bestände des invasiven Kalikokrebses reduzieren und heimische Arten schützen
24.04.2018 | Pädagogische Hochschule Karlsruhe

nachricht Plastik stimuliert Bakterien im Meer
17.04.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics