Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BfN, DFWR und ANW stellen Gutachten zum Wald-Wild-Konflikt vor

05.05.2010
- Schalenwilddichten in weiten Teilen der Wälder immer noch viel zu hoch
- Risiken und Schäden werden unterschätzt
- Notwendiger Waldumbau wird behindert

Überhöhte Schalenwildbestände führen in weiten Teilen der deutschen Wälder zu massiven Problemen; die eingetretenen Schäden sind nicht nur ökologisch bedenklich, sondern haben auch eine erhebliche ökonomische und damit finanzielle Dimension. Durch Wildverbiss werden die Anlage und der notwendige Umbau in naturnahe Mischwälder großflächig behindert.

Dies sind wesentliche Ergebnisse eines aktuellen Gutachtens zum Wald-Wild-Konflikt, das heute in Berlin vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), dem Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) und der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) der Presse vorgestellt wurde. Das Gutachten setzt sich auch kritisch mit den gesetzlichen Grundlagen auseinander, die in entscheidenden Punkten ergänzungsbedürftig sind. So werden die Einführung von verbindlich einzuhaltenden Mindestabschlussplänen unter Einbeziehung forstlicher Verjüngungsgutachten und eine Überarbeitung der Jagdzeiten einzelner Schalenwildarten unter Berücksichtigung wildbiologischer Erkenntnisse gefordert. Eine deutliche Reduktion, insbesondere der Rehwildbestände, ist dringend erforderlich.

„Wild gehört selbstverständlich zum Ökosystem Wald, aber die Befunde des Gutachtens sind angesichts des Ausmaßes der Schäden äußerst bedenklich. Die II. Bundeswaldinventur von 2004 hat ergeben, dass knapp ein Fünftel aller Bäumchen verbissen sind, in den alten Bundesländern hat dabei die absolute Zahl der verbissenen Pflanzen sogar um 30 % zugenommen. Das sind Größenordnungen, die die Biodiversität der Wälder, ihre Kohlenstoffspeicher- und Schutzfunktion gefährden sowie den Erfolg des infolge des Klimawandels besonders dringlichen Umbaus zu naturnahen Mischwäldern in Frage stellen“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel. Der von Naturschutz- und Forstseite geforderte und auch mit Millionenbeträgen geförderte Aufbau naturnaher Laubmischwälder werde so großflächig behindert und durch Verbiss oftmals unmöglich gemacht.

„Damit werden nicht nur erhebliche vom Staat bzw. von privaten Waldbesitzern getätigte Investitionen buchstäblich in den Waldboden gesetzt. Diese Situation ist auch für die Erreichung der gesellschaftlichen Ziele, u.a. zur Biodiversität und zum Klimaschutz untragbar und bedarf einer baldigen Lösung“, ergänzte BfN-Präsidentin Jessel.

Bei hohen Wilddichten werden Verjüngungspflanzen der meisten Baumarten unabhängig von den jeweiligen Waldstrukturen sehr stark verbissen. Damit werden alle anderen Umweltfaktoren überlagert, die Einfluss auf die Entwicklung der Waldverjüngung haben. Eine langfristig naturnahe Bewirtschaftung stabiler Wälder kann nur bei niedrigen und entsprechend angepassten Schalenwilddichten erreicht werden.

Der Präsident des DFWR, Georg Schirmbeck, MdB, wies auf die ökonomischen Auswirkungen von starkem Schalenwildverbiss hin: „Die tatsächlichen Konsequenzen der Schalenwildschäden für die Waldbesitzer und insbesondere für die kommenden Generationen von Waldbesitzern erscheinen bei konventionellen Schadensbewertungen nicht, weil die ökologischen, insbesondere aber die ökonomischen Nachteile einer Entmischung nicht berücksichtigt werden. Mit dem Verlust von Mischbaumarten durch Wildverbiss entsteht ein an Baumarten ärmerer Wald, der das ökonomische Risiko für den Waldbesitzer deutlich erhöht“, erläuterte Schirmbeck.

Wald dient nicht nur der Holzproduktion, sondern erfüllt auch Aufgaben als Erholungsraum, für die Biodiversität, den Hochwasser- oder Trinkwasserschutz. Will die Gesellschaft diese wichtigen Funktionen langfristig erhalten, müssen naturnahe Mischwälder aufgebaut werden. Dies gelingt aufgrund zu hoher Wilddichten nur selten. Die unnötigen Kosten von mindestens 3.000 Euro pro Hektar für Zäune, die heute jährlich auf rund 30.000 Hektar anfallen, summieren sich auf einen Jahresbetrag von mindestens 90 Millionen Euro. Dieses ökonomische Desaster können sich die Waldbesitzer und die Gesellschaft nicht mehr leisten. “Um dem gemeinsamen Ziel aber in Zukunft näher zu kommen, muss der Jäger mehr als heute verantwortungsvoller Partner der Waldbesitzer und der Forstwirtschaft werden", sagte Hans von der Goltz, Bundesvorsitzender der ANW.

Wege, um möglichst gemeinsam mit den Jägern Lösungen zu finden, sieht das Gutachten auch in einer Überarbeitung der einschlägigen rechtlichen Bestimmungen. Hierzu gehören insbesondere die Einschränkung von Wildfütterungen auf Notzeiten, der Verzicht auf die Anrechnung von Unfallwild auf die Abschusspläne sowie die Einführung effektiverer Jagdmethoden und die Anpassung der Jagdzeiten. BfN, DFWR und ANW sehen in ihren gemeinsamen Aktivitäten auch ein politisches Signal, den vielen Lippenbekenntnissen zur Lösung der Problematik endlich Taten folgen zu lassen. Der Grundsatz „Wald vor Wild“ muss dringend auf der Fläche umgesetzt werden“, erklärten die drei Organisationen abschließend, “alles andere ist ökonomisch wie ökologisch unverantwortlich.“

Weitere Informationen:
DFWR, Geschäftsführer Dr. Carsten Leßner
Tel. 030/319 04-560, Mobil 0172/172 81 85

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Plastik stimuliert Bakterien im Meer
17.04.2018 | Universität Wien

nachricht Wälder beeinflussen den globalen Quecksilber-Kreislauf maßgeblich
13.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics