Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Besserer Umweltschutz durch freien Zugriff auf Daten

03.04.2013
Umweltschutz, Gesundheitsvorsorge, Warnung vor giftigen Stoffen: Das sind grundsätzliche Bedürfnisse aller Menschen.

Doch gerade die bisherige Veröffentlichungspraxis von Daten und Forschungsergebnissen behindert den notwendigen Wissensaustausch. Denn oft stehen die Studien nur in kostenpflichtigen Zeitschriften, die aufgrund begrenzter Budgets nur sehr wenige Universitäten vollständig abonniert haben.

Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften Landau an der Universität Koblenz-Landau fordern jetzt daher gemeinsam mit Kollegen vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ, der Universität Wageningen und der Swedish University of Agricultural Sciences in einem Fachartikel freien Zugang zu aktuellen Daten. Dies würde nicht nur schneller zu neuen Erkenntnissen führen, sondern auch zu effizienteren Warnungen der Bürger vor Gefahren.

„Die Wissenschaft lebt von der Verbreitung und Diskussion neuer Ergebnisse, doch die Praxis sieht anders aus: Die Rohdaten sind selten verfügbar und neue Artikel erscheinen meist nur in kostenpflichtigen Fachzeitschriften“, sagt Juniorprofessor Ralf B. Schäfer, einer der Autoren. „Aufgrund von Preissteigerungen der Verlage und Budgetkürzungen bei Universitäten können sich diese immer weniger Hochschulen leisten. In der Folge fehlen Forschungsgruppen oft aktuelle Erkenntnisse ähnlicher Projekte, wodurch sie gleiche Problemstellungen ein zweites Mal lösen müssen. Daraus folgt nicht nur eine Verschwendung öffentlicher Gelder, sondern beispielsweise auch eine Verzögerung der Forschung zum Umwelt- und Gewässerschutz.“

Beispiele für offenen Wissenstransfer

Ein freier Zugang auf neueste Daten würde die Forschung deutlich schneller voranbringen. Forschungsgruppen könnten auf ähnliche Ergebnisse zurückgreifen und häufig bereits einen oder gar zwei Schritte überspringen. Zwar zahle die DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) bereits zum Teil für deutsche Bildungseinrichtungen den Zugang zu Zeitschriften. Insgesamt ist das Publizieren in frei zugänglichen Zeitschriften jedoch kaum verbreitet. Zum Teil dürfen zu den Ergebnissen die zugehörigen Daten nicht veröffentlicht werden, etwa Daten von Behörden. Ein positives Beispiel ist hier die Stadt Hamburg, die vor kurzem ein Open Data Portal mit zahlreichen Verwaltungsdaten zum kostenlosen Herunterladen gestartet hat.

„Wir am Institut für Umweltwissenschaften Landau stellen, wenn möglich, regelmäßig frei zugängliche Artikel auf den Online-Seiten der jeweiligen Zeitschrift sowie offenen Internetangeboten zur Verfügung“, so Professor Andreas Lorke, Leiter des Instituts für Umweltwissenschaften Landau.

Zugang für Bürger hierzulande nur schwer möglich

Noch schwieriger ist es für Bürger, aktuelle Daten in den Bereichen Umwelt- und Gewässerschutz oder Gesundheit zu erhalten. In Deutschland sind diese nur selten frei zugänglich, wie einige Klimadaten vom DWD (Deutscher Wetterdienst), Gewässerdaten von einzelnen Bundesländern oder Vorkommensdaten zu Lebewesen über GBIF (Global Biodiversity Information Facility). Die meisten Informationen müssen einzeln angefragt und zum Teil bezahlt werden.

„In Deutschland wäre ein zentrales Internetportal für alle sicherheitspolitisch oder datenschutzrechtlich unbedenklichen Daten wünschenswert“, ergänzt Ralf Schäfer. „Schließlich wird die Erhebung und Forschung meist aus öffentlichen Geldern bezahlt und der Bürger hat somit ein Anrecht, die Ergebnisse auf einfache Weise einzusehen.“

Wie in den USA und Australien garantiert in Deutschland das Umweltinformationsgesetz, dass jeder Bürger innerhalb von ein bis zwei Monaten die angeforderten Daten erhält. In der Praxis hängt die Einhaltung dieser Fristen jedoch häufig von der Personalausstattung und dem Engagement der Behördenmitarbeiter ab, so dass Wartefristen bis zu einem Jahr möglich sind und die Identifikation des zuständigen Sacharbeiters schwierig sein kann. Demgegenüber können in den USA die meisten Monitoring-Daten zur Umwelt online frei heruntergeladen werden. In Deutschland hängt das vom jeweiligen Bundesland ab. Der freie Zugang ist aber nicht nur aus allgemeinem Interesse heraus wünschenswert, sondern auch aus konkreten gesundheitlichen Gründen: So sind etwa Informationen über giftige Substanzen in der Umwelt oder Gewässern sowie belastete Nahrungsmittel einfacher zu erfahren. Und im Falle eines Falles können entsprechende Warnungen auch über soziale Medien oder durch zentrale Stellen verbreitet werden. Vor allem in Entwicklungsländern sind entsprechende Smartphone-Apps oder SMS-Services für den Katastrophenschutz bereits im Einsatz.

Projekt in El Salvador mit freier Software

Die Universität Koblenz-Landau arbeitet zum Beispiel mit dem Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen UN-OOSA (United Nations Office for Outer Space Affairs) bei einem Projekt in El Salvador zusammen. Der Einsatz freier Software (Open Source) hilft dabei, Ursachen für die hohe Rate von chronischer Niereninsuffizienz unter Arbeitern in Zuckerrohr- und Bananenplantagen, die hier die Todesursache Nummer eins ist, zu identifizieren und Gegenmaßnahmen zu implementieren. Nachdem Übergewicht und Diabetes ausgeschlossen werden konnten, sehen einige Wissenschaftler den starken Einsatz von Pestiziden, denen die Arbeiter ohne entsprechenden Schutz ausgesetzt sind, als möglichen Auslöser. Aber auch Hitzestress oder Wassermangel werden diskutiert. Im Rahmen des Projekts soll Satellitentechnik beispielsweise zeigen, wie der Zustand des Zuckerrohrs, die Beschaffenheit des Geländes oder die Fließrichtung des Wassers ist – wichtige Faktoren für die gezielte Dosierung von Pestiziden. In Zukunft können Smartphone-Apps Risikogebiete wie Sümpfe mit Krankheitserregern oder den Einsatz von Pestiziden anzeigen.

Artikel „Progress in Ecotoxicology through Data Sharing”

Der Artikel „Progress in Ecotoxicology through Data Sharing“, Ralf B. Schäfer, Mirco Bundschuh, Andreas Focks, Peter Carsten von der Ohe, ist in der Ausgabe April 2013 der Fachzeitschrift “Environmental Toxicology & Chemistry” erschienen (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/etc.v32.4/issuetoc).

Kurzprofil Institut für Umweltwissenschaften Landau
Das Institut für Umweltwissenschaften Landau betreibt grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung, in deren Fokus die vielfältigen Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt stehen. Das Institut vereint die Expertisen von neun interdisziplinären Arbeitsgruppen und damit aktuelle Forschung vom Molekül über Ökosysteme bis zur menschlichen Gesellschaft. Das Institut für Umweltwissenschaften Landau wurde 2004 an der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau gegründet. Weitere Informationen: http://www.umwelt.uni-landau.de

Kontakt:

Universität Koblenz-Landau
Jun.-Prof. Dr. Ralf B. Schäfer
Fortstraße 7
76829 Landau
Tel.: (06341) 280-536
E-Mail: schaefer-ralf@uni-landau.de

Pressekontakt:

Universität Koblenz-Landau
Präsidialamt Mainz
Bernd Hegen
Referatsleiter Öffentlichkeitsarbeit
Rhabanusstraße 3
55118 Mainz
Tel.: (06131) 37460-34
E-Mail: hegen@uni-koblenz-landau.de

Fink & Fuchs Public Relations AG
Ralf Klingsöhr
Paul-Heyse-Str. 29
80336 München
Tel.: (089) 589787-12
E-Mail: ralf.klingsoehr@ffpr.de

Bernd Hegen | idw
Weitere Informationen:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/etc.v32.4/issuetoc
http://www.umwelt.uni-landau.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Mit der Filtermembran auf den Weltmarkt
12.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie