Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Besserer Schutz für Fledermäuse

08.07.2011
Windenergieanlagen gelten als ökologisch besonders verträglicher Weg, Energie zu gewinnen. Doch gerade im Binnenland können die Anlagen zur tödlichen Gefahr für Fledermäuse werden, wenn die kleinen Säuger mit den Flügeln der Windräder kollidieren.

Ökologen, Statis­tiker und Ingenieure aus Deutschland und der Schweiz haben jetzt in einem Verbundprojekt der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Hannover erforscht, wie sich das Risiko für Fledermäuse – die bundesweit zu den gefährdeten Tierarten gehören – reduzieren lässt. Das Projekt wurde vom Bundesumweltministerium gefördert.

„Zahlreiche Studien in Nordamerika und Europa zeigen, dass viele Anlagen eine Gefahr für Fledermäuse darstellen können“, erklärt Biologe Dr. Oliver Behr von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), „wobei das Risiko je nach Standort stark variiert. Es existieren sowohl unproblematische Standorte als auch einzelne Anlagen, an denen mehrere Dutzend Tiere pro Jahr getötet werden.“

Für ihre Untersuchung haben die Forscher 66 zufällig ausgewählte Windenergieanlagen in fünf Naturräumen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen näher betrachtet. Zunächst haben die Wissenschaftler ermittelt, wann und wie häufig sich die Fledertiere im Umfeld der Windräder aufhalten. Dazu brachten die Forscher akustische Detektoren im Rotorbereich an, die die Ultraschallrufe vorbeifliegender Fledermäuse aufzeichnen. Außerdem wurde der Bereich um den Fuß des Turmes nach verunglückten Tieren abgesucht. Aus diesen Ergebnissen konnten die Experten nun ableiten, welchen Einfluss z. B. die Turmhöhe von Windrädern auf das Risiko für Fledermäuse hat und ob an bestimmten Standorten – zum Beispiel nahe am Wald – besonders viele der Kleinsäuger verunglücken.

„Die meisten Tiere starben in den Monaten Juli und August – den Monaten, in denen die Fledermäuse an Windenergieanlagen besonders aktiv sind“, berichtet Dr. Oliver Behr. Die Forscher konnten außerdem zeigen, dass im ersten Viertel der Nacht besonders viele der kleinen Säuger unterwegs sind. Einen sehr starken Effekt auf die Aktivität der Tiere hat die Windgeschwindigkeit: Je mehr Wind weht, desto weniger Fledermäuse sind unterwegs.

„Unsere Ergebnisse erlauben es, das Konfliktpotenzial zwischen Windenergieanlagen und Fledermausvorkommen differenzierter zu analysieren und vor allem, den weiteren Ausbau der Windenergie mit dem Fledermausschutz zu vereinbaren“, sagt Behr. Wird festgestellt, dass in einem Windpark Fledermäuse gefährdet sind, können künftig Kollisionen durch eine an den Standort angepasste fledermausfreundliche Steuerung der Windräder vermieden werden. Die Anlagen werden dann zu den Zeiten außer Betrieb genommen, wenn besonders viele Fledermäuse umherflattern. Da die Tiere vor allem bei niedrigen Windgeschwindigkeiten unterwegs sind, erfolgen Abschaltungen zu Zeiten, in denen ohnehin wenig Energie erzeugt wird. Auf diese Weise können die Betreiber die Gefahr für die Fledermäusen reduzieren und zugleich den Ertragsverlust so gering wie möglich halten.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in Buchform veröffentlicht:
Robert Brinkmann, Oliver Behr, Ivo Niermann & Michael Reich (Hrsg.): „Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen“, Cuvillier Verlag, Göttingen 2011, ISBN 978-3-86955-753-3, ISSN 2190-7161

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 29.000 Studierenden, 590 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel „familiengerechte Hochschule“.

Weitere Informationen für die Medien:

Dr. Pascale Anja Dannenberg
Tel.: 09131/85-70210
anja.dannenberg@zuv.uni-erlangen.de

Dr. Pascale Anja Dannenberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Berichte zu: Fledermaus Säuger Windenergieanlagen Windgeschwindigkeit Windrad

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften