Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltgift verändert Verhalten von Fischen

24.10.2007
Geringe Werte reichen um Schwarmverhalten zu stören

Eines der häufigsten Umweltgifte, das so genannte Nonylphenol, steht im Verdacht das soziale Verhalten von Fischen empfindlich zu stören. Bereits geringe Konzentrationen der Substanz reichen aus, um die chemischen Duftnoten von Fischen aus dem Gleichgewicht zu bringen, berichten die Ökologen um Ashley Ward von der University of Sydney und Suzanne Currie in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B.

Die chemische Substanz "raubt" den Fischen offensichtlich den Sinn in einem Schwarm nahe zusammenzubleiben, in dem sie individuelle Duftnoten übertünchen. Dadurch schwimmen die Fische in größeren Abständen zueinander und können so auch schneller zur Beute von Fressfeinden werden. "Der Verlust des 'kohäsiven' Verhaltens ist ein gewaltiger Nachteil für die Tiere, da es eine defensive Strategie gegen Feinde darstellt", erklärt Ward. Das erschreckende an der Untersuchung war, dass bereits geringe - bei weitem nicht letale - Dosen der chemischen Substanz für dieses Verhalten ausreichen.

Das haben die Forscher in Versuchen in Aquarien nachgewiesen. Nur 0,5 Mikrogramm pro Liter Wasser haben bereits ausgereicht, um die Bildung so genannter Fischschulen bei Gestreiften Killifischen (Fundulus diaphanus diaphanus) zu verändern. Die chemische Substanz stört den Geruchssinn der Fische nicht, denn Nahrung fanden sie dennoch recht schnell. Offensichtlich veränderte die Substanz aber den Eigengeruch der Tiere. Und das habe fatale Auswirkungen auf das Sozialverhalten. "Denn jeder einzelne Fisch entwickelt ein individuelles chemisches Profil", so Ward. "Sie bevorzugen Partner, die ähnliche Gerüche aufweisen." Die Forscher vermuten zudem, dass Fische chemische Signale über ihren sozialen Status, den Reproduktionsstatus und das genetische Make-up übertragen.

... mehr zu:
»Nonylphenol »Umweltgift

"Nonylphenole werden hauptsächlich als Kunstharze - so genannte Nonylphenol-Formaldehydharze), als Tenside in Wasch- und Putzmitteln, in der Textilindustrie als Weichmacher, in der Lederindustrie aber auch in Farben, Lacken und Pestiziden verwendet", so der Chemieexperte Herwig Schuster von Greenpeace-Österreich gegenüber pressetext. "Wir haben die Substanz auch in Babyspielzeug gefunden", erklärt der Fachmann. "Das bekannte Hauptproblem ist die hormonelle Wirksamkeit von Nonylphenolen. Zwei Studien belegen außerdem, dass Nonylphenol im Tierversuch die Reifung von Spermien beeinträchtigt und auch die Gehirnentwicklung." Die chemische Substanz wird auch häufig in Muttermilch und Lebensmitteln nachgewiesen und ist daher besonders problematisch.

"Nonylphenole gehören zu den so genannten POPs - das sind persistente, also langlebige organische Schadstoffe. Folglich akkumulieren sie auch in der Umwelt", erklärt Schuster. Das Umweltbundesamt Wien http://hat schon 1998 eine Studie zu Nonylphenolen erstellt http://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/BE121.pdf . "Politisch passiert ist wenig bis nichts, daher sind Nonylphenole oft auch ein Musterbeispiel für das Versagen der alten EU-Chemikalienpolitik und ein Grund, wieso es die EU-Chemikalienverordnung REACH gab", so Schuster. (pressetext berichtete http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=061016025 )

Die Wissenschaftler um Ward wissen inzwischen, dass auch andere Umweltgifte wie etwa Schwermetalle den Geruchssinn von Fischen empfindlich stören können. "In verunreinigten Gewässern können verschiedene Chemikalien wie etwa Nonyphenole oder Schwermetalle gemeinsam auftreten. Das hat fatale Auswirkungen auf die Tiere." Dann können sie von Artgenossen nicht mehr wahrgenommen werden und selbst auch nicht mehr riechen. "Es gibt bereits seit einiger Zeit den Verdacht, dass auch nicht letale Dosen von chemischen Substanzen dramatisch auf die Fitness von aquatischen Lebewesen wirken", meint Bob Wong, Verhaltensforscher und Ökologe der Monash University http://www.monash.edu.au in Victoria/Australien. Chemische Signale haben unter Wasser manchmal eine wesentlich größere Bedeutung als visuelle.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.bio.usyd.edu.au
http://www.greenpeace.at
http://www.umweltbundesamt.at

Weitere Berichte zu: Nonylphenol Umweltgift

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften