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Gigantische Schneckenplage sucht Brasilien heim

22.10.2007
"Delikatessen" als Überträger von Krankheiten

Milliarden der großen afrikanischen Landschnecken erobern immer weitere Teile von Brasilien. Die Tiere, die einst als Delikatesse ins Land gebracht wurden, fühlen sich im tropischen Klima sehr wohl und haben sich zu einer wahren Landplage entwickelt, berichtet das Wissenschaftsmagazin National Geographic.

Bis zu 20 Zentimeter lang und 500 Gramm schwer werden die Schnecken, die mittlerweile in fast jedem Staat Brasiliens heimisch sind.

"Die Schnecken sind derzeit am Höhepunkt ihrer Invasion. Eine Ausrottung ist nun praktisch ausgeschlossen", attestiert die Molluskenexpertin Silvana Thiengo vom Oswaldo Cruz Institute, der brasilianischen nationalen Gesundheitsorganisation. "Die Regenzeit beginnt im November und damit beginnt auch die Saison, in der die Schnecken ihre Eier legen", erklärt die Wissenschaftlerin. Man rechne damit, dass sich die Situation weiter verstärke.

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Ursprünglich waren die in Ostafrika beheimateten Landschnecken Achatina als Substitut für die brasilianischen Gartenschnecken ins Land gebracht worden. Unklar ist, wann die ersten Schnecken importiert wurden. Bei einer Landwirtschaftsmesse in Südbrasilien 1988 wurde jedenfalls intensiv für die Schneckenzucht geworben und erklärt, wie man die Tiere am einfachsten züchtet.

Einen Vorteil boten die afrikanischen Schnecken im Vergleich zu ihren brasilianischen Verwandten außerdem. Sie wuchsen schneller, wurden größer, lieferten daher mehr Fleisch und waren vor allem resistenter gegen Krankheiten. Was ursprünglich als viel versprechend schien, war allerdings ein Schuss nach hinten: Schnecken gehören nicht zu den bevorzugten Gerichten in Brasilien. Zudem erwies sich die neu importierte Schnecke im Geschmack und in der Textur anders als ihre heimischen Artverwandten. Das Vorhaben scheiterte schließlich und viele der in Zucht gehaltenen Tiere wurden freigelassen.

"Es ist aus anderen Ländern wie etwa aus Indien bekannt, dass die Einfuhr dieser Schnecken zu einer genetischen Verarmung führt", erklärt die Schneckenexpertin Heike Kappes vom Zoologischen Institut der Universität zu Köln http://www.uni-koeln.de gegenüber pressetext. "In Hawaii fraßen die Afrikanischen Landschnecken ihre endemischen Verwandten einfach auf", so Kappes. Es wäre klug gewesen, wenn man sich vorher Gedanken gemacht hätte, wovon sich die Tiere eigentlich ernähren. Ähnlich katastrophale Schäden richtete die Landschnecke auch in Französisch Polynesien an: Auch hier verdrängte der Invasor, der sich massenhaft vermehrt hatte, die dort nativen Polynesischen Landschnecken der Gattung Partula.

Was den brasilianischen Gesundheitsbehörden allerdings Kopfzerbrechen bereitet, ist die Tatsache, dass die Landschnecken auch für den Menschen gefährliche Pathogene in sich tragen. So gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass die Schnecken ein Zwischenwirt für parasitäre Erkrankungen sind. Zwei Würmer dergleichen Gattung Angiostrongylus - einer verursacht Bauchschmerzen und innere Blutungen, der andere eine Art Meningitis - wurden sowohl in heimischen Schnecken als auch in den afrikanischen Landschnecken gefunden. Übertragen werden die Pathogene über die Schleimspur aber auch über Gemüse, die von den Schnecken zum Teil verspeist wurden. "Wenn die Tiere in Zucht gehalten werden, ist das kein Problem", meint Fabio Faraco vom brasilianischen Umweltinstitut. In freier Wildbahn sehe dies allerdings anders aus.

Thiengo hatte erst vor zwei Monaten im Fachmagazin Biological Invasion über die Schäden, die die Schnecken an der Umwelt anrichten, berichtet. So ist es zu einem deutlichen Anstieg von Ratten und Schlangen gekommen, die sich von den Mollusken ernähren. Wie erfolgreich der Bioinvasor ist, erläutert die Forscherin auch anhand der Reproduktionrate der Afrikanischen Schnecke, die bis zu 1.200 Eier im Jahr legt und bis zu zehn Jahre alt werden kann.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nationalgeographic.com
http://www.fiocruz.br
http://www.achatina.de

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