Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leipziger Umweltforscher erkunden Altlasten in Rumänien

29.08.2007
Mit schwerer Erkundungstechnik im Gepäck machen sich Anfang September Geowissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung - UFZ auf den langen Weg nach Ploiesti in Rumänien.

Dort findet am 6. und 7. September ein Altlastensymposium statt. Rund 100 Teilnehmer - Mitarbeiter aus nationalen, regionalen und lokalen Umweltbehörden und für Altlasten zuständigen Ämtern Rumäniens werden erwartet. Es ist die dritte Veranstaltung zum Thema Altlastenmanagement, die im Rahmen einer engen Zusammenarbeit zwischen Sachsen-Anhalt (Umweltministerium und Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF) des Landes Sachsen-Anhalt) und Rumänien stattfindet.

Schwerpunkte sind Sanierungsverfahren und Sanierungsmanagement in den Bereichen Raffinerien, Bergbau, Chemieanlagen, Erdölförderung und Tanklager. Das Besondere an diesem Symposium wird eine Messkampagne sein. Die Teilnehmer können sich vor Ort von den Erfahrungen und dem Know-how der deutschen Partner in Sachen Erkundung und Beobachtung von Altlasten überzeugen, denn die UFZ-Wissenschaftler werden diese beiden Tage nutzen und damit beginnen, den weitestgehend unbekannten Untergrund des von Altlasten gesättigten Industriegebietes in Ploiesti zu erforschen.

Ploie?ti ist eine Großstadt in Rumänien mit ungefähr 250.000 Einwohnern im administrativen Stadtgebiet und ungefähr 300.000 Einwohnern im städtischen Ballungsgebiet. Die Stadt liegt am südlichen Fuße der Karpaten und ungefähr 60 Kilometer nördlich der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Ploiesti ist seit den 1930er Jahren Zentrum der rumänischen Erdölförderung und -industrie. Im Zweiten Weltkrieg wurde der strategisch wichtige Standort stark bombardiert. Die Kriegsschäden sind vergleichbar mit denen von Leuna und Buna in Sachsen-Anhalt, die Situation heute mit der von Leuna und Buna Anfang der 1990er Jahre: Große Mengen organischer Schadstoffe wie Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) und so genannte BTEX (Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole) belasten den Boden und das Grundwasser. Inzwischen sind die Altlasten aber auch zutage getreten: Ölteppiche in Kellern und Garagen; Fußgängerunterführungen mussten gesperrt werden. Und es besteht potenzielle Gefahr für das Trinkwasser, das aus dem Grundwasser vor Ort gewonnen wird.

Was bislang fehlt, sind Kenntnisse über das gesamte Ausmaß der Belastungen in Boden und Grundwasser sowie Erfahrungen und Managementpläne für den Umgang mit diesen Altlasten.

Diese Expertise bieten nun UFZ, LAF und das sachsen-anhaltische Umweltministerium. Die Altlastenthematik beschäftigt das UFZ seit seiner Gründung im Jahre 1991. Forschungsprojekte und Pilotanlagen an den Standorten Bitterfeld, Zeitz und Leuna haben das UFZ seitdem zu einem Experten und zuverlässigen Partner von LAF und Umweltministerium gemacht, wenn es um die Erkundung, Bewertung und Beobachtung von Altlasten geht oder die Frage, ob und mit welcher Methode bzw. Technologie am besten saniert werden sollte. Am UFZ wurden zahlreiche Sanierungskonzepte entwickelt und optimiert, die auf mikrobiologischen und physikalisch-chemischen Abbauprozessen beruhen. Doch ehe überhaupt saniert werden kann, ist es notwendig zu wissen, wo die Schadstoffquellen sind und wie sie sich im Untergrund ausbreiten - sprich, den Untergrund genau zu kennen. Hier können die innovativen Erkundungstechnologien des UFZ zum Einsatz kommen, die die Wissenschaftler bei ihrer Erkundungskampagne in Ploiesti demonstrieren werden. "Durch geschickte Kombination unserer so genannten Direct-Push-Technologie mit geophysikalischen Erkundungsmethoden und chemischer Analytik können wir den Untergrund wesentlich schneller, detaillierter und preiswerter als mit herkömmlicher Erkundungstechnik erkunden", erklärt Dr. Peter Dietrich, Leiter des UFZ-Departments Monitoring- und Erkundungstechnologien. Direct Push bedeutet, dass ein Sondiergestänge in den Untergrund gedrückt wird. Die geophysikalischen Messungen beruhen auf seismischen, magnetischen und elektromagnetischen Messungen.

Im Rahmen eines zweijährigen EU-Partnerschaftsprojektes zwischen Deutschland und Rumänien zum Aufbau der Verwaltungsstrukturen ("Twinning") in den Bereichen "Lärmschutz" und "Flüchtige Organische Stoffe" ist als Langzeitberater und Experte Klaus Rehda vor Ort. Rheda ist Referatsleiter "Bodenschutz und Altlasten" des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt. Das Twinning-Projekt wird vom Bundesumweltministerium koordiniert und von der Europäischen Union komplett finanziert. Über die Themen des Twinning-Projektes hinaus hat Klaus Rehda auch umfassende Kontakte zwischen Sachsen-Anhalt und Rumänien im Bereich "Altlastensanierung in Boden und Grundwasser" aufgebaut. "Aus den Erfahrungen der Sanierung von Altlastenstandorten in Sachsen-Anhalt weiß ich, dass es möglich ist, solche Umweltsünden und Gefahren für Mensch und Umwelt in den Griff zu bekommen und zu beseitigen. Das motiviert mich, hier vor Ort etwas zu tun - auch wenn es viel Zeit, Ausdauer und viel Überzeugungskraft kostet."

Weiterhin bietet Sachsen-Anhalt auch auf den Gebieten Abfallbeseitigung und -verwertung, Abwasserbeseitigung, Hochwasserschutz und erneuerbare Energien seine umfassenden Erfahrungen an.

http://www.ufz.de/index.php?de=14914

Weitere fachliche Informationen:

Prof. Holger Weiß
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)/ Leiter Department Grundwassersanierung
Telefon: 0341/235-2060
http://www.ufz.de/index.php?de=1623
Dr. Peter Dietrich
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)/ Leiter Department Monitoring- und Umwelttechnologien
Telefon: 0341/235-3980
http://www.ufz.de/index.php?de=6551
Klaus Rehda
Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt
Zurzeit in Bukarest, Rumänien
RTA PHARE Project RO 2004/IB/EN/08
Regional Environmental Protection Agency
Aleea Lacul Morii nr. 1, Sector 6,
Telefon: +40-214306676
E-mail: rehda@gmx.de
oder über:
Doris Böhme / Tilo Arnhold
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)/ Pressestelle
Telefon: 0341-235-2278
E-mail: presse@ufz.de
Links:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
http://www.ufz.de/
http://www.ufz.de/data/UFZ_XII_FT2_Grundwasser4350.pdf
Landesanstalt für Altlastenfreistellung in Sachsen-Anhalt (LAF)
http://www.sachsen-anhalt.de/LPSA/index.php?id=2492/
Ploie?ti
http://de.wikipedia.org/wiki/Ploie%C5%9Fti
http://www.ploiesti.ro/
Twinning
http://www.bmu.de/europa_und_umwelt/twinning-programm/doc/2245.php
Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ wurde 1991 gegründet und beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle/S. und Magdeburg rund 800 Mitarbeiter. Es erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften, insbesondere dicht besiedelten städtischen und industriellen Ballungsräumen sowie naturnahen Landschaften. Die Wissenschaftler des UFZ entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Die Landesanstalt für Altlastenfreistellung in Sachsen-Anhalt (LAF) mit Sitz in Magdeburg wurde 2000 gegründet und hat 30 Mitarbeiter. Sie unterstützt Investoren bei der Flächenentwicklung, indem sie diese von den Kosten der Altlastensanierung freistellt. Die LAF betreut sieben ökologische Großprojekte und weitere 450 Projektstandorte, von denen aktuell 120 bearbeitet werden. Die LAF ist für die Entwicklung, Begutachtung und Durchführung von Sanierungskonzepten sowie die Refinanzierung und die übergreifende Finanzplanung der Altlastensanierung zuständig. Die LAF ist außerdem insbesondere bei den Großprojekten als Ordnungsbehörde verantwortlich für den Bodenschutz.

Tilo Arnhold | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/
http://www.ufz.de/index.php?de=14914

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise