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109 Millionen Euro Fördergelder der DBU flossen nach Bayern

21.08.2007
691 umweltschonende Ideen unterstützt – München, Benediktbeuern und Freising vorn

Für eine „neue Balance zwischen den Wünschen des Einzelnen und dem, was die Erde aushält“, hatte sich unlängst Bundespräsident Horst Köhler ausgesprochen. Im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Berlin forderte das Staatsoberhaupt vor allem, in den Industrieländern „entschlossen gegenzusteuern“, um etwa die Folgen des Klimawandels möglichst erträglich zu gestalten, aber auch die Chancen deutscher Umwelttechnik als Exportschlager zu sichern und zu erhöhen.

Ein Credo, das sich die DBU seit ihrer Gründung 1991 auf die Fahnen geschrieben hat. Über 6.600 Projekte wurden seither mit einem Finanzvolumen von fast 1,2 Milliarden Euro gefördert. Bayern profitierte davon mit 691 Projekten und 109 Millionen Euro. DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde: „Bayern legt – im positivsten Sinne –geradezu preußischen Fleiß an den Tag, wenn es um innovative und umweltschonende Ideen geht.“ Als besonders ideenreich in Bayern erwiesen sich bisher München (23,1 Millionen Euro, 113 Projekte), Benediktbeuern (6,4; 13) und Freising (5,5; 32).

Die "Juwelen der Donau" - die Auwälder - sind bedroht
Wer von den Auwäldern der Donau erzählt, kann ins Schwärmen geraten: Sie seien der Dschungel Europas, mit ihrer Artenvielfalt die heimischen „Regenwälder“ oder auch eine „Arche Noah“ für Hunderte von bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Die Auwälder können auch den Menschen schützen: Bei Hochwasser saugen sie sich voll wie Schwämme. Nur sich selbst schützen können sie nicht: Die „Juwelen der Donau“ sind bedroht. „Es gibt in Deutschland nur noch wenige große zusammenhängende Auwälder. Die wenigen entlang der Donau sind also besonders wertvoll“, so Brickwedde. Deshalb fördert die Stiftung ein Projekt des Bayerischen Landesbunds für Vogelschutz (LBV) mit rund 90.000 Euro.

Nähe Regensburg: Der Rainer-Wald soll gesichert und erweitert werden

Der „Rainer-Wald“ in der Nähe von Regensburg zeichnet sich dadurch aus, dass mit rund 65 Prozent ein besonders hoher natürlicher Auwald-Anteil erhalten werden konnte. „Hier wachsen noch immer die Bäume wild nebeneinander, die typisch für einen Auwald sind“, so Brickwedde. „Eine aus Naturschutz-Sicht hochwertige Fläche, die Teil unseres Nationalen Naturerbes ist.“ Insgesamt drei Jahre lang läuft das Projekt des LBV mit dem Ziel, den „Rainer-Wald“ zu sichern und weitere Flächen in Auwald umzuwandeln. Dabei werden alle Akteursgruppen mit einbezogen: Waldbesitzer, Forst- und Naturschutzverwaltung sowie Politiker und Gemeinden. „Der Donau wird ein Stück ihres ursprünglichen Lebensraums wieder zurückgegeben“, so Brickwedde.

Benediktbeuern: Jugendlichen die Natur wieder schmackhaft machen

Den Lebensraum Natur nehmen einige Jugendliche heutzutage kaum noch wahr. „Dass Computer und Fernsehen bei einigen Jugendlichen die reale Welt nahezu völlig ersetzen, ist kritisch zu sehen“, so Pater Karl Geißinger vom Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern (ZUK). Gerade in Familien aus sozial schwachen Schichten und gerade bei Jungen sei dieser Trend festzustellen. Jetzt will das ZUK den Jugendlichen das echte Leben und die Natur wieder schmackhaft machen. Das Projekt, das unter anderem Umweltbildner, Sozialpädagogen und Jugendpsychologen an einen Tisch bringt, wird von der DBU mit 50.000 Euro gefördert.

Naturerfahrungswochen für sozial auffällige und straffällig gewordene Jugendliche

„Es soll mehrere Naturerfahrungswochen geben – jeweils für verschiedene Altersklassen“, erklärt Geißinger. Spezielle Wochen solle es außerdem für Jugendliche geben, die sozial auffällig oder sogar straffällig geworden sind. „Die Jugendlichen sollen in ihrer Lebenswirklichkeit abgeholt werden. Das heißt aber nicht, dass wir versuchen sollten, uns zwanghaft jugendlich anzubiedern.“ Vielmehr gehe es darum, Angebote zu schaffen, die Anreize und Herausforderungen böten. Wenn das Selbstvertrauen der jungen Leute gestärkt werde, könnten sie auch lernen, sich selbst und ihre Umwelt ganz anders wahrzunehmen. Das sei der erste Schritt, wenn man später erreichen wolle, dass sich Einstellung und Verhalten in Richtung Nachhaltigkeit verändern.

Penzberg: Bergwachtstation wird umweltgerecht ver- und entsorgt
Einen nachhaltigen Ansatz verfolgt auch die DBU-Förderinitiative zur umweltgerechten Ver- und Entsorgung von Berg- und Schutzhütten. Mit insgesamt rund drei Millionen Euro hilft die DBU dabei, dass die Nutzung der Hütten die Umwelt nicht belastet. Beispiel Bergwachtbereitschaft Penzberg: Sie versorgt ihre Diensthütte am Rabenkopf zwischen Benediktbeuern und Kochel auf 1.300 Metern Höhe umweltgerecht mit Wasser und Energie und kann zugleich Abwasser schonend entsorgen. Hierfür arbeitet die Bergwachtbereitschaft, deren Hütte rund 500 Übernachtungen im Jahr verzeichnet, mit wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen. Die DBU förderte die Planung und Umsetzung des Projekts mit 100.000 Euro. Im jüngsten Schritt wurde eine neue Photovoltaikanlage (PV-Anlage) installiert und der sogenannte Rottetunnel erweitert, in dem fäkale Abfälle biologisch zersetzt werden.

Diensthütte mittlerweile auch Ort der Umweltbildung und Vorbild für andere Berghütten

Messungen hatten ergeben, dass die Temperatur im Inneren des Rottetunnels bei der derzeitigen Energieversorgung in den kalten Monaten nicht durchgängig bei mindestens zehn Grad gehalten werden kann, um den notwendigen biologischen Prozess zu ermöglichen. Das wird jetzt durch elektrische Heizelemente erreicht, die im Tunnelboden eingebaut sind. Für den Betrieb dieser Spezial-Heizung wird im Rahmen des Projektes ein neues Energiesystem mit einer leistungsstärkeren PV-Anlage installiert.

Die am Rabenkopf modellhaft umgesetzten Maßnahmen sollen auch auf andere Hütten übertragen werden können. Die Bergwacht Penzberg informiert die Besucher dazu regelmäßig über das Gesamtprojekt. "Die Diensthütte ist mittlerweile nicht nur Sitz der Bergwachtbereitschaft und Ausbildungsstätte, sondern zunehmend auch zum Ort der Umweltbildung geworden", freut sich Brickwedde über die erweiterte Funktion des Demonstrationszentrums. Es gebe von der Rabenkopf-Hütte aus unter anderem Naturschutzstreifen und Wanderungen mit der Bergwacht.

Ökologie und Ökonomie gehören zusammen
"Diese umwelt- und ressourcenschonenden Projekte sind nur einige von vielen, die zeigen, dass sich Ökologie und Ökonomie nicht ausschließen", betont Brickwedde. Die Stiftung freue sich, wenn sie auch in Zukunft viele derartig hervorragende Projektideen vorgeschlagen bekomme. Denn die stärkten nicht nur der gebeutelten Umwelt den Rücken, sondern auch dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Die DBU fördere deshalb seit Jahren die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gebe Anreiz für ökologische Innovationen in diesen Betrieben. Brickwedde: „Die Umweltstiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produktionsverfahren auf einem vorbeugenden und integrierten Umweltschutz. Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt.“ Gleichzeitig unterstütze sie Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen oder privaten Stellen. Sie fördere Naturschutzvorhaben, die Lebensräume wildlebender Arten schützten sowie einer natürlichen, standortspezifischen Vielfalt und einer nachhaltigen Nutzung von Arten und Ökosystemen dienten.

Größte Umweltstiftung der Welt

Die DBU ist eine der größten Stiftungen Deutschlands, in Sachen Umwelt die größte der Welt. Die Stiftung vergibt jährlich den mit 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis, der zugleich der höchstdotierte Umweltpreis Europas ist.

| DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

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