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Korallenriffe verschwinden schneller als Regenwälder

09.08.2007
Rund 1.500 Quadratkilometer Riffe gehen jährlich verloren

Korallenriffe im Indischen und Pazifischen Ozean sterben schneller als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommen Forscher der University of North Carolina. In den vergangenen zwei Dekaden sind die Riffe im Indo-Pazifik um jährlich ein bis zwei Prozent zurückgegangen. Das entspricht in etwa einer Fläche von 1.550 Quadratkilometern. Damit sterben die Riffe doppelt so schnell wie die tropischen Regenwälder, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin PloS ONE.

Bereits in den späten 1960er Jahren hat das Korallensterben nach den jüngsten Forschungsergebnissen begonnen. Das sei um einiges früher als Forscher dies bisher angenommen haben. "Vor 20 oder 30 Jahren waren Riffe mit vielen Korallen sehr häufig", so die Meeresbiologin Elizabeth Selig, die gemeinsam mit John Bruno die Studie durchgeführt hat. Heute gebe es hingegen nur noch sehr wenige Riffe im Indo-Pazifik, die man als unberührt und ursprünglich bezeichnen könne.

Die nun vorliegende Studie ist die erste regional durchgeführte Langzeituntersuchung über den Gesundheitszustand der Indo-Pazifischen Korallenriffe. In diesen beiden Ozeanen leben 75 Prozent der weltweit vorkommenden Korallen - und gemeinsam mit ihnen die größte Zahl von Fischarten. Mehr als 6.000 Unterwasser-Untersuchungen, die zwischen 1968 und 2004 in zehn verschiedenen Subregionen durchgeführt wurden, haben die Wissenschaftler ausgewertet.

Jede Untersuchung der beiden Wissenschaftler hat den Steinkorallen-Anteil am Meeresboden genau gemessen. Die Steinkorallendichte ist ein Indikatorwert für den Gesundheitszustand eines Riffs. "Steinkorallen sind die Basis für das Leben am Riff", meint der Meeresbiologe Bruno. Das entspreche etwa der Zählung der Baumkronen im Regenwald. Derzeit beträgt der Steinkorallen-Anteil der Indo-Pazifischen Riffe etwa 22 Prozent. Diese Zahl sei wesentlich niedriger als ursprünglich erwartet, sei aber in den verschiedenen Regionen ziemlich einheitlich.

"Wir waren erstaunt, dass trotz der verschiedenen Bedingungen der Prozentsatz an Steinkorallen auch über sehr große Flächen hinweg konstant war", so Selig. Dies dürfte auf ähnliche Stressfaktoren zurückzuführen sein. Dazu gehört etwa die Erwärmung des Wassers und damit verbunden die gefürchtete Korallenbleiche. "Es ist aber auch möglich, dass kleinere Bedrohungen wie etwa destruktive Fischereimethoden und erhöhte Einbringung von Sedimenten zur Abnahme der Korallendichte in der gesamten Region führen", meint Bruno.

Korallenriffe werden von den Ökologen häufig als Regenwälder der Ozeane bezeichnet. Das liegt daran, dass sie einerseits eine besonders große Biodiversität aufweisen und andererseits ebenso wie die Urwälder von menschlichen Aktivitäten bedroht sind. Erschwerend hinzu komme auch noch, dass die Datenerhebung schwieriger ist. "Verglichen mit den Ökosystemen an Land hatten wir bisher eine verhältnismäßig kurze Zeit, um Korallenriffe zu studieren", so Selig.

"Das große Korallensterben können wir seit einigen Jahrzehnten beobachten", meint auch der Wiener Meeresbiologe Jörg Ott von der Universität Wien http://www.univie.ac.at/marine-biology im pressetext-Interview. "Waren es vor einigen Jahren noch Korallen-Deckungsgrade von 50 bis 60, teilweise sogar 100 Prozent, sind es heute maximal 30 Prozent." Das Erschreckende dabei sei allerdings, dass wichtige große Korallen, wie etwa die Acroporas zum Teil völlig zerstört sind. "Den schwersten Einschnitt gab es 1989 während eines starken El-Nino-Jahres. Damals kam es weltweit zur bisher schlimmsten Korallenbleiche", erklärt Ott. "Wenn die dünne Haut der Korallenstöcke weg ist, siedeln sofort andere Lebewesen in den Korallenstöcken und sorgen für weitere massive Zerstörungen, bei denen der Kalk abgebaut wird." Der Riffabbau gehe wesentlich schneller vor sich als der Riffaufbau. Problematisch sei der Zustand, wenn die kritische Temperaturmarke permanent überschritten wird.

"Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass die Korallenriffe Strukturen sind, die die Küsten schützen", meint der Meeresbiologe. Das gelte insbesondere für jene Regionen, in denen tropische Wirbelstürme auftreten. "Das Korallensterben ist eine der Auswirkungen des Klimawandels", so Ott. Wie dramatisch sich auch nur geringe Temperaturanstiege auswirken, schildert der Meeresbiologe am Beispiel von Meeresströmungen. "Geringe Erwärmungen verhindern die Wasserzirkulation. Dadurch verändern sich Bedingungen, die seit Jahrhunderten gleich waren."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.unc.edu
http://www.plosone.org

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