Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nanomaterialien - winzige Teilchen, große Wirkung?

19.07.2007
Öko-Institut empfiehlt: Chancen und Risiken der Nanotechnologien im Einzelfall abwägen / Aktuelles Positionspapier

Was haben kratzfeste Autolacke, antibakterielle Kleidung oder transparente Sonnencremes gemeinsam? Sie können Nanomaterialien enthalten, also Teilchen, die kleiner als 100 Nanometer sind. Schätzungsweise zwischen 50 bis 100 Millionen Euro werden heutzutage bereits mit Nanoprodukten auf dem Weltmarkt umgesetzt. Kurz- bis mittelfristig rechnen die Experten am Öko-Institut mit weiteren Neuentwicklungen in der Energietechnik, bei Lebensmitteln und in der Medizin. Die Nanotechnologien gelten als wichtigste Schlüsseltechnologien des 21. Jahr-hunderts. Grund genug, sich ausführlich mit den Nanoprodukten zu beschäftigen. "Wir benötigen dringend eine integrierte Betrachtung sowohl der Chancen als auch der Risiken dieser neuen Technologie", fordert Öko-Instituts-Experte Martin Möller. In einem neuen Arbeitspapier beziehen die WissenschaftlerInnen jetzt Position.

Wichtigstes Fazit: Die Chancen nanotechnologischer Produkte für den Umweltschutz und für die menschliche Gesundheit müssen systematisch identifiziert, konkretisiert und genutzt werden. Dabei sollte sich die Analyse nicht nur auf einzelne Produkte beschränken, sondern auch die Optimierung ganzer Produktsysteme einbeziehen. Beispielsweise eröffnen nanotechnologische Innovationen bei der Energie-Speichertechnik die Möglichkeit, Strom aus erneuerbaren Energien zwischenzuspeichern. "Auf diese Weise könnte das bestehende Energiesystem revolutioniert werden", sagt Martin Möller.

Gleichzeitig gilt es mögliche Risiken der Nanotechnologien stärker als bisher zu erforschen und dabei den ganzen Lebensweg zu berücksichtigen. Weitestgehend unbekannt sind beispielsweise die Risiken am Lebensweg-Ende eines Produktes. Wie verhalten sich Nanomaterialien in der Kläranlage, bei der Müllverbrennung oder beim Recycling? "Um Chancen und Risiken der Nanotechnologien gerecht zu werden, muss der derzeitige Regelungsrahmen, insbesondere beim europäischen Chemikalienrecht REACH entsprechend angepasst werden", verlangt Andreas Hermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsbereichs "Umweltrecht & Governance".

Nanomaterialien stellen aus technisch-naturwissenschaftlicher Sicht keine homogene Gruppe dar. Es handelt sich dabei um physikalisch und strukturell sehr unterschiedliche Stoffe. Auch ihre chemische Zusammensetzung sowie ihr Potenzial für chemische und biochemische Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Deswegen müssen die Produkte sehr individuell und vor allem differenziert betrachtet werden.

Aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung mit risikobehafteten Stoffen und neuen Technologien empfiehlt das Öko-Institut:

- Eine differenzierte Beurteilung der zahlreichen Innovationen und Technologieansätze, die unter dem Begriff der Nanotechnologien zusammengefasst werden.

- Die Abwägung der Chancen und Risiken nanotechnologischer Anwendungen sollte in einem transparenten Prozess erfolgen - fallbezogen und entwicklungsbegleitend.

- Eine Kennzeichnungspflicht für Produkte, die freie Nanopartikel enthalten, kann die Transparenz deutlich verbessern und den Verbrauchern beim Kauf die Wahlfreiheit ermöglichen. Sie setzt jedoch eine internationale Standardisierung voraus.

- Monitoringprogramme sowie ein Frühwarnsystem helfen dabei, rechtzeitig Risikoschwerpunkte zu erkennen.

- Es handelt sich dabei um eine Aufgabe, bei der Hersteller, Gesetzgeber, Wissenschaft und Verbraucher gleichermaßen gefordert sind.

In zahlreichen abgeschlossenen und laufenden Projekten befasst sich das Öko-Institut bereits heute mit den Chancen und Risiken der Nanotechnologien. Einige Beispiele:

Nanotechnologie im Bereich der Lebensmittel: Mehr unter
http://www.ta-swiss.ch/d/them_nano_nafo.html
Rechtsgutachten Nanotechnologien - ReNaTe: Mehr unter http://www.oeko.de/oekodoc/334/2006-022-de.pdf

CONANO - Ein stakeholderübergreifendes Bewertungsprofil vergleichender Nutzen-Risiko-Analysen von abbaubaren und nicht abbaubaren Nano-Delivery-Produkten sowie konventionellen Mikro-Delivery-Produkten.

Das Positionspapier des Öko-Instituts "Chancen der Nanotechnologie nutzen! Risiken rechtzeitig erkennen und vermeiden!" kann kostenlos heruntergeladen werden. Mehr unter http://www.oeko.de/oekodoc/472/2007-077-de.pdf

Ansprechpartner:
Martin Möller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg, Forschungsbereich "Produkte & Stoffströme", Telefon 0761/452 95-56, E-Mail: m.moeller(at)oeko.de
Andreas Hermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt, Forschungsbereich "Umweltrecht & Governance",

Telefon 06151/8191-28, E-Mail: a.hermann(at)oeko.de

Das Öko-Institut ist eine der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungseinrichtungen für eine nachhaltige Zukunft. Es ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

1977-2007
30 Jahre Öko-Institut - Nachhaltig in die Zukunft!
Jetzt mit neuer Internet-Präsenz - http://www.oeko.de.
Das Öko-Institut ist 2007 einer von 365 Orten im Land der Ideen: http://www.oeko.de/landderideen

Christiane Rathmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.oeko.de/landderideen
http://www.oeko.de/oekodoc/472/2007-077-de.pdf
http://www.ta-swiss.ch/d/them_nano_nafo.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics