Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Saubere Lösung aus Bremerhaven

18.07.2007
ttz Bremerhaven initiiert Einrichtung von nachhaltigen Sanitäranlagen in Dritte-Welt-Ländern
Das "stille Örtchen" ist für über 2,6 Milliarden Menschen weltweit keine Selbstverständlichkeit. Rund zwei Drittel der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu Trinkwasser oder sanitären Anlagen. Die Folge sind mangelnde Hygiene, ein erhöhtes Gesundheitsrisiko und damit verbunden eine hohe Sterblichkeitsrate, insbesondere unter Kindern. Im EU-Projekt NETSSAF und weiteren Aktivitäten bringen Abwasserexperten des ttz Bremerhaven ihr Wissen ein, um in Westafrika und anderorts flächendeckend Abhilfe zu schaffen. Die Einrichtung nachhaltiger Sanitäranlagen schafft aber nicht nur verbesserte Hygienestandards. Sie hilft auch in Europa dabei, Wasser und Energie zu sparen.

Bremerhaven, Juli 2007. Im Projekt NETSSAF (Network for the development of sustainable approaches for large scale implementation of sanitation in Africa) steht die Verbesserung der Kooperation zwischen Experten für Abwassertechnik und Verantwortlichen in den Zielländern im Mittelpunkt. "Wir wollen nicht nur die Lebens- und Hygienebedingungen verbessern. Es geht außerdem darum, Exkremente als wertvolle Ressource zu betrachten und diese zum Beispiel als Dünger einzusetzen", erläutert Leonellha Barreto vom ttz Bremerhaven. Gemeinsam mit Mirko Hänel leitet sie das zweieinhalbjährige Koordinationsprojekt. Besonders wertvoll als Dünger ist der Urin, welcher in den ökologischen Toiletten separiert wird. Die Wasserersparnis der nachhaltigen Sanitäranlagen ist enorm. In besonders wasserarmen Regionen werden fast ausschließlich Trockentoiletten eingesetzt.

Im Projekt NETSSAF geht es darum, die Verantwortlichen in Afrika und Asien auf kommunaler und nationaler Ebene zu informieren und entsprechendes Know-how zur kosteneffizienten und lokal angepassten Einrichtung von Sanitäranlagen weiterzugeben. "Der Bedarf ist enorm, derzeit müssen noch 40 Prozent der Weltbevölkerung ohne Toiletten auskommen. Gemeinsam mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und weiteren Institutionen arbeiten wir in verschiedenen Projekten daran, die so genannten Millennium Ziele der Vereinten Nationen (UN) zu erreichen. Diese beinhalten unter anderem, die Anzahl der Menschen, die weltweit keinen Zugang zu Toiletten haben, bis 2010 zu halbieren", erläutert Hänel.

... mehr zu:
»Faso »GTZ »NETSSAF »Sanitäranlagen »Toiletten

Das Ziel dieser Koordinierungsmaßnahme ist der Aufbau einer länder- und fachübergreifenden Interessengruppe von subsaharischen und europäischen Experten für die nachhaltige Entwicklung von Sanitäranlagen. Die Projektpartner wollen so die internationale Zusammenarbeit zwischen Forschungsinstitutionen, Verbänden und Universitäten einerseits sowie Gesellschafts- und Regierungsinteressengruppen andererseits fördern. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den westafrikanischen Ländern.

Ergebnisse von NETSSAF werden eine beständige Plattform für Experten und Forschung im Sanitärsektor und ein Sachverständigennetzwerk sein. Diese dienen dazu, Forschung und Anwendung zu koordinieren. So entsteht eine Vielfalt an innovativen, leicht anwendbaren und wiederholbaren Ansätzen für eine nachhaltige Sanitärentwicklung. Preiswerte Technologien und ein auf der Kommune basierendes Management ermöglichen eine leichte Umsetzung vor Ort, bei der die regionalen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Das Hauptergebnis wird die Entwicklung einer Anleitung sein, die als Software Verantwortliche bei der Planung und Umsetzung großangelegter Hygienekonzepte unterstützt.

Erst kürzlich trafen sich die Partner von NETSSAF zur Projekthalbzeit in Mali, um sich über die nächsten Schritte im Projekt auszutauschen. In 2008 wird die "International Conference on Sustainable Sanitation in Africa" krönender Abschluss sein. Auf dieser Konferenz in Burkina Faso werden im September die Projektergebnisse präsentiert. Experten aus Forschung und Praxis diskutieren dort gemeinsam über Hygienekonzepte und deren Entwicklung.

Im nächsten Jahr geht es dann aber nicht nur für die Projektpartner in die heiße Phase: Unter dem Motto "Water for Life" haben die Vereinten Nationen weltweit das "International Year of Sanitation 2008" ausgerufen. Politisch Verantwortliche sollen auf die Problematik mangelnder Hygiene und ihre Folgen aufmerksam gemacht werden. Gemeinsam mit weiteren internationalen Organisationen wollen sich Vertreter der UN dafür einsetzen mit der Einrichtung sanitärer Anlagen Leben zu retten und soziale sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Entwicklungsländern zu verbessern. Der Appell richtet sich aber auch an europäische Länder. Insbesondere in südeuropäischen Ländern, wie zum Beispiel Spanien, ist eine nachhaltige Nutzung von Trinkwasser in allen Bereichen erforderlich. Die Einrichtung wassersparender Sanitäranlagen ist hierbei besonders wichtig. Auch in Deutschland existieren bereits Pilotprojekte. In diesen von der GTZ initiierten ökologischen Siedlungen sind Komposttoiletten ein zentraler Bestandteil.

Das Projekt NETSSAF wird mit rund1,5 Millionen Euro von der europäischen Kommission gefördert. Es startete im Juni 2006 und läuft bis November 2008. Neben dem ttz Bremerhaven als Koordinator sind folgende Partner an dem Projekt beteiligt: Technische Universität Hamburg-Harburg (Deutschland); CREPA (Burkina Faso), BOATA (Mali); International Water Association (Großbritannien); SLU (Schweden); EAWAG (Schweiz); KNUST University(Ghana); Stockholm Environment Institute (Schweden) und GTZ (Deutschland).

Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie, Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement.

Pressekontakt am ttz Bremerhaven:
Anke Janssen,
ttz Bremerhaven, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel.: 0471 / 4832-121/-124
FAX: 0471 / 4832-129
E-Mail: ajanssen@ttz-bremehaven.de

Anke Janssen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de
http://www.gtz.de/ecosan
http://www.netssaf.net

Weitere Berichte zu: Faso GTZ NETSSAF Sanitäranlagen Toiletten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie