Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Energieabgase in einer Urlaubshochburg

18.06.2007
Studierende der TU Berlin untersuchen Pläne, bei Lubmin in Mecklenburg/Vorpommern ein Steinkohlekraftwerk zu errichten

Da dem Blauen Planeten der Untergang vorausgesagt wird, sollte der Mensch auf der Erde so weiter werkeln wie bisher, mutet es ein bisschen bizarr an, wenn ein Kernkraftwerk durch ein Steinkohlekraftwerk ersetzt werden soll. In Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern jedoch gibt es genau diesen Plan: Dort soll an der Stelle des ehemaligen Kernkraftwerkes ein Energiestandort mit einem Steinkohlekraftwerk sowie einem weiteren Gas- und Dampfkraftwerk errichtet werden.

Angehende Landschaftsplaner der TU Berlin haben unter Leitung von Prof. Dr. Peter-Diedrich Hansen Vorhaben unter ökologischen Gesichtspunkten bewertet wie etwa ökologische Ausgleichsmaßnahmen. Ihr Fazit: Der Bau eines Steinkohlekraftwerkes in diesem Gebiet ist höchst brisant. Das Kernkraftwerksgelände liegt nicht nur in unmittelbarer Nähe von Landschaftsschutzgebieten wie dem Greifswalder Bodden mit höchster Schutzkategorie, von den Emissionen des Kraftwerks wären auch zwei Haupturlaubsgebiete Deutschlands betroffen - die Inseln Rügen und Usedom. Im Umkreis von 100 Kilometern wäre der Schadstoffausstoß noch spürbar. "Bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern entstehen Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid und Stickoxide, die zur Bildung des sauren Regens beitragen. Findet die Verbrennung nicht vollständig statt, werden weiterhin Kohlenmonoxide, unverbrannte Kohlenwasserstoffe und Rußpartikel emittiert. Bei festen Brennstoffen können darüber hinaus erhebliche Mengen an Staub auftreten. Diese Emissionen und noch eine Vielzahl anderer schädigen nicht nur die Umwelt, sondern sind auch für den Menschen direkt gesundheitsschädigend", heißt es im Abschlussbericht.

Viele Millionen Euros sind zur Förderung der Region in den naturnahen Tourismus geflossen

Natürlich haben die Studierenden bei ihrer Untersuchung berücksichtigt, wie wichtig eine solche millionenschwere Investition in dieser von Arbeitslosigkeit und Abwanderung gebeutelten Region wäre und machten deshalb Alternativvorschläge: Um Lubmin als Energie- und Industriestandort zukünftig zu entwickeln, sollten Unternehmen angesiedelt werden, die mit umweltverträglichen und insbesondere landschaftsschutzgebietsverträglichen Kreislauftechnologien produzieren: leichte Industrien, Büroparks und Schulungszentren. Außerdem könnte der Block IV des ehemaligen Atommeilers als touristische Attraktion erhalten werden, da es sich hier um einen betriebsbereiten Reaktor handelt, der auf Beschluss der Bundesregierung Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr ans Netz gegangen ist.

Als strukturbildende Maßnahme sind nach der Wende Millionen Euros an Steuer- und För-dermitteln in die Region geflossen, um dort den naturnahen Tourismus zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund beurteilen die Studierenden die Pläne, ein Steinkohlekraftwerk in Lubmin zu errichten, als kontraproduktiv. Abschließend schreiben sie deshalb: "Ein zu kurzfristig gedachtes, wenig nachhaltiges Handeln kann unter Umständen mehr schaden als nützen."

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Peter-Diedrich Hansen, Institut für Ökologie, Fachgebiet Ökotoxikologie, Franklinstr. 29, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-21586, Fax: 314-21675, E-Mail: pd.hansen@tu-berlin.de

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/medieninformationen/

Weitere Berichte zu: Energieabgase Steinkohlekraftwerk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten