Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaschutz: Windkraft braucht mehr Rückenwind

08.06.2007
Potentiale an Land und auf See lassen sich besser nutzen

Der Ausbau der klimafreundlichen Windenergienutzung an Land und auf See kann nur gelingen, falls sich die rechtlichen und organisatorischen Bedingungen deutlich verbessern - dies ergab das Forschungsprojekt "Umweltstrategie zur Windenergienutzung an Land und auf See" im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA).

Trotz weiterhin verfügbarer Potentiale gerät der Ausbau der Windenergie an Land ins Stocken. Auf See kommt die Windenergienutzung nur schleppend in Gang. Vor allem das so genannte Repowering - der Ersatz vieler Altanlagen durch wenige moderne Windräder mit höherer Leistung - kann seine Vorteile, die Umweltbelastung der Windenergienutzung insgesamt deutlich zu verringern, bislang nicht ausspielen. Auf See behindern wirtschaftliche Hemmnisse und ein komplexes Zulassungsverfahren den Ausbaubeginn. "Bund und Länder sind aufgefordert, die Hemmnisse an Land und auf See zu beseitigen, um mit Repowering und der Windenergienutzung auf See ernsthaft zu beginnen", sagte Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes.

Derzeit hat die Windenergie einen Anteil von circa fünf Prozent an der Stromerzeugung. Fachleute gehen davon aus, dass bei gleichzeitiger Steigerung der Effizienz der Stromerzeugung und -nutzung bis zum Jahr 2020 die Windenergie einen Anteil von über 14 Prozent, langfristig sogar von über 35 Prozent an der Stromerzeugung erreichen kann.

Für eine nachhaltige Entwicklung im Energiesektor muss neben der Energieeffizienz und dem Ausbau anderer Sparten der erneuerbaren Energien (zum Beispiel Biomasse) auch die Windenergienutzung weiter vorangetrieben werden. Neben ihren offensichtlichen Umweltvorteilen im Vergleich zur Atomkraft oder zu fossilen Energieträgern, trägt diese Energiequelle bereits merkbar zur Versorgungssicherheit bei, weil weniger Gas und Steinkohle importiert werden müssen. Seit Beginn der Neunziger Jahre sind die Stromgestehungskosten aus Windkraft um etwa 60 Prozent gesunken. Das UBA erwartet, dass die Windenergienutzung an Land bis zum Jahr 2020 keiner Förderung mehr bedarf, weil sie dann mit dem Strom aus konventionellen Kraftwerken am Markt konkurrieren kann.

Um den umweltverträglichen Ausbau der Windenergienutzung weiter zu beschleunigen, schlägt das UBA vor, die Zahl der oft verstreut stehenden, alten Anlagen im Zuge des so genannten Repowering zu reduzieren. Mit einer sorgfältigen Auswahl der neuen Standorte können frühere Fehlentwicklungen korrigiert werden. Dabei sind jeweils situationsbezogen die Entfernung der Windkraftanlagen von Wohngebäuden und sensiblen Naturräumen festzulegen. Die Kommunen können durch die Ausweisung geeigneter Gebiete hierzu beitragen. Zudem profitieren sie über die Gewerbesteuereinnahmen auch wirtschaftlich von dieser nachhaltigen Technik. Nicht sinnvoll erscheinen dagegen pauschale Abstands- und Höhenbegrenzungen, die das Repowering und damit die Beseitigung früherer Fehler verhindern. Jeder Fall muss vielmehr nach den jeweiligen Bedingungen vor Ort beurteilt werden.

Die Windenergienutzung auf See leidet neben den nach wie vor bestehenden wirtschaftlichen Hemmnissen auch unter den komplexen Genehmigungserfordernissen: Für die Genehmigung einer Kabeltrasse sind je nach Bundesland fünf bis sieben Genehmigungen bei den Ländern und beim Bund einzuholen. Hinzu kommen die nur begrenzt verfügbaren, möglichen Kabeltrassen. Dies lässt eine Bündelung einzelner Windparkanbindungen an das Stromnetz sinnvoll erscheinen, wie dies derzeit für einige Projekte rund um das geplante Offshore-Testfeld in der Nordsee vor Borkum bereits durchgeführt wird. Um die Genehmigungen zu beschleunigen, sollte eine Bündelung der Zulassung des Windparks und seiner Kabeltrassen bis zum Netzeinspeisungspunkt in einem Verfahren erfolgen, bei dem alle Fragen und betroffenen Behörden berücksichtigt werden.

In den nächsten Monaten müssen in diesen Themenfeldern entscheidende Schritte zur Beseitigung der Hemmnisse unternommen werden, um den seit 2003 stagnierenden Ausbau der Windenergienutzung in Deutschland wieder voranzubringen.

Den Forschungsbericht zur Entwicklung einer Umweltstrategie für die Windenergienutzung an Land und auf See steht im Internet http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3241.pdf.

Eine Kurzfassung mit Ergebnissen und Handlungsempfehlungen ist in deutscher http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-k/3242.pdf und in englischer Sprache erhältlich http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-k/3243.pdf.

Martin Ittershagen | idw
Weitere Informationen:
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-k/3243.pdf
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-k/3242.pdf
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3241.pdf

Weitere Berichte zu: Repowering Stromerzeugung Windenergie Windenergienutzung Windkraft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Closing the Sustainability Circle: Protection of Food with Biobased Materials

21.07.2017 | Event News

»We are bringing Additive Manufacturing to SMEs«

19.07.2017 | Event News

The technology with a feel for feelings

12.07.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten