Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gutachten: Klimaschutz betrifft auch die internationale Sicherheit

06.06.2007
Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat heute der Bundesregierung sein neues Hauptgutachten "Sicherheitsrisiko Klimawandel" übergeben. Damit legt der WBGU eine umfangreiche Risikoanalyse der möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die internationale Sicherheit vor.

Schon in 15 bis 30 Jahren, so der WBGU, kann sich ein ungebremster Klimawandel negativ auf die internationale Sicherheit auswirken. Zunehmender Wassermangel, Ernterückgänge und Extremereignisse können zu erheblichen sozialen und politischen Umwälzungen führen. Dies würde heute bereits bestehende Bedrohungen der internationalen Sicherheit weiter verstärken, so durch schwache Staaten, Verteilungskonflikte und Migration. Auch eine klimabedingte Schwächung der Weltwirtschaft könnte die internationale Sicherheit gefährden.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul unterstrich vor allem die Folgen des Klimawandels für die Menschen in den ärmsten Entwicklungsländern: "Es sind vor allem die Menschen in Afrika und den ärmsten Regionen Asiens, die am stärksten unter dem Klimawandel zu leiden haben. Dabei haben sie diesen am wenigsten zu verantworten. Wir werden den Menschen in den Entwicklungsländern beistehen und dürfen nicht warten bis es 200 Millionen Umweltflüchtlinge gibt. Wir werden mit allem Nachdruck Klimaschutzmaßnahmen voranbringen und helfen, die schrecklichen Folgen des Klimawandels für die Menschen zu verhindern. Wenn das nicht gelingt, werden Millionen Menschen vor allem in die Regionen Afrikas und Asiens fliehen, in denen es noch fruchtbares Land und Wasser gibt. Welche Größenordnung zukünftige Verteilungskämpfe annehmen könnten, ist heute noch gar nicht absehbar", so die Ministerin. Eine Reihe von Empfehlungen des WBGU werde vom Bundesentwicklungsministerium aber bereits umgesetzt, etwa bei den erneuerbaren Energien oder beim Schutz des Tropenwaldes. Deutschland fördert derzeit Energieprojekte in 45 Ländern im Umfang von rund 1,6 Milliarden Euro. "Erneuerbare Energien sind der Schlüssel für eine nachhaltige und zukunftssichere Entwicklung, für den Klimaschutz und für Frieden und Sicherheit. In der Vergangenheit sind Kriege um den Zugang zu Öl geführt worden. Kriege um den Zugang zur Sonne kann und wird es aber niemals geben", erklärte Wieczorek-Zeul.

"Ein ungebremster Klimawandel kann noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts Konflikte verschärfen und so die internationale Sicherheit gefährden", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium Michael Müller. "Das zeigt deutlich: Klimaschutz ist längst keine Teildisziplin der Umweltpolitik mehr. Denn der Klimawandel wird die Bedingung in allen politischen Bereichen verändern. Der WBGU macht das in seinem Gutachten für die Sicherheits- und Außenpolitik sehr deutlich. Ein ambitionierter Klimaschutz ist also auch ein Beitrag für die internationale Sicherheit. Das bestärkt die Bundesregierung, weiter in und mit Europa die Vorreiterrolle im internationalen Klimaschutz zu übernehmen, auch auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm. In den nächsten Wochen und Monaten ist entschiedenes Handeln wichtig, um bei der nächsten UN-Klimakonferenz in Bali umfassende Verhandlungen zum internationalen Klimaschutzregime nach 2012 anzustoßen."

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, erklärte bei der Entgegennahme des Gutachtens: "Umwelt- und Klimapolitik sind heute elementarer Teil der Sicherheitspolitik. Dazu gehört auch unsere Energieaußenpolitik, denn die Frage der Energieversorgung ist ebenso eine sicherheitspolitische Zukunftsfrage. Wir haben als Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union die Initiative ergriffen und ehrgeizige Klimaziele beschlossen. Jetzt müssen auch die G8 und die großen Schwellenländer in Heiligendamm und auf Bali gemeinsam zusätzlich Verantwortung übernehmen."

Michael Thielen, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), hob das große technologische Potenzial der deutschen Industrie hervor: "Mit dem Startschuss für eine Hightech-Strategie für den Klimaschutz hat Bundesforschungsministerin Annette Schavan den Grundstein gelegt für neue Partnerschaften zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Diese Partnerschaften sollen helfen, den Klimawandel abzumildern." Das BMBF habe für die Forschung zum Klimawandel für die nächsten drei Jahre 255 Millionen Euro bereit gestellt. Dieses Geld solle für drei Ziele eingesetzt werden: Erstens ein noch tieferes Verständnis des Klimawandels, zweitens Strategien zur Abmilderung des Klimawandels und drittens Technologien, die helfen sollen, mit dem zum Teil nicht mehr vermeidbaren Klimawandel besser umgehen zu können. "Wir unterstützen die Verhandlungen für ein neues Klimaregime, indem wir vom Klimawandel betroffenen Regionen helfen, sich besser auf den Klimawandel einstellen zu können", so Thielen.

| BMBF Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/press/

Weitere Berichte zu: Entwicklungsland Klimaschutz Klimawandel WBGU

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser
27.04.2017 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Plastik – nicht nur Müll
26.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie