Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Mini-Sendern Flug-Marathon der Wiesenweihen sicherer gemacht

18.05.2007
Flugrouten des Greifvogels Schlüssel für wirksamen Schutz – DBU gab 60.000 Euro

Greifvögel wie die Wiesenweihe sind von majestätischer Erscheinung. Trotzdem sind sie durch Zerstörung ihres Lebensraums, Jagd, Umweltgifte oder Windräder im Bestand stark bedroht. Damit der Zugvogel auch außerhalb Europas geschützt werden kann, wurden jetzt mithilfe eines Miniatur-Satellitensenders ihre Flugrouten ausgekundschaftet. „Nur wenn wir wissen, welche Gebiete die Tiere überfliegen, können wir gezielt untersuchen, ob sie dort durch den Menschen gefährdet sind,“ erklärt Dr. Michael Exo von der Vogelwarte Helgoland. Und konkretisiert: „Im Niger konnte beispielsweise eine Kampagne die Einheimischen überzeugen, die Vögel nicht mehr zu jagen.“ Das Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ und der Niederländischen Stiftung Wiesenweihe wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 60.000 Euro gefördert.

Mit "Rucksack" über Meer und Wüste

Im August 2006 startete das Projekt: Zum ersten Mal konnten sechs Tiere mit Satellitensendern ausgerüstet werden. Die nur zwölf Gramm schweren Miniatursender wurden wie ein Rucksack auf den Vögeln angebracht und sendeten regelmäßig Positionsdaten zu einem Satelliten. Erstmals konnten der Herbst- und der Frühjahrszug verfolgt werden. „Die Weihen zogen über Spanien nach Westafrika, verbrachten den Winter im Senegal und Mali, und kehrten über denselben Weg in ihre Brutgebiete zurück,“ beschreibt Exo. Die Tiere überwanden dabei Hindernisse wie die Sahara und das Mittelmeer.

Acht Monate fern der europäischen Heimat

Bisher hatten nur Vermutungen über die Routen und die Lage der Winterquartiere angestellt werden können, so dass unklar war, welchen Risiken die in Europa bedrohten und geschützten Greifvögel auf ihrem Zug ausgesetzt sind. „Diese Information ist für den Schutz umso wichtiger, weil die Vögel acht Monate des Jahres auf dem Zug beziehungsweise in den Winterquartieren verbringen,“ so Exo.

Gefährliche Reise: Es drohen Jagd, Gift und Windanlagen

Im Niger wurden die Tiere nach seinen Angaben von den Einheimischen aus Angst um ihre Haushühner gejagt, bis Vertreter der Stiftung Wiesenweihe zusammen mit der örtlichen Umweltbehörde dort eine Aufklärungskampagne starteten. „Die Weihen fressen gar keine Hühner, sondern ernähren sich in Afrika hauptsächlich von Heuschrecken. Das haben wir dort erfolgreich vermitteln können,“ freut sich Exo. Aber die Weihen seien auch durch den Einsatz von Giften in vielen Gegenden Afrikas bedroht. Exo: „Eigentlich sollen damit die Malaria übertragenden Mücken bekämpft werden, aber es wird auch gegen Heuschrecken eingesetzt.“ Das Problem: Während die Wiesenweihen in Europa hauptsächlich Kleinsäuger und Ackervögel fressen, nehmen sie über die Heuschrecken als Hauptnahrungsquelle in Afrika das Gift in ihre Körper auf. Aber nicht nur Jagd und Gifte seien für die Weihen bedrohlich: Die Flugrouten der Tiere sollten auch bei der Planung von Windkraftanlagen berücksichtigt werden, die den Tieren gefährlich werden könnten.

Rekordhalter Rudi: 1.200 Kilometer an einem Tag

Diese Woche seien vier der Vögel in ihre Brutgebiete zurückgekehrt. Männchen „Rudi“ habe auf dem Zug ins Winterquartier einen Flugrekord für Greifvögel aufgestellt und in knapp 24 Stunden gut 1.200 Kilometer zurückgelegt. Die zurückgekehrten Vögel seien inzwischen detailliert beobachtet worden. Exos Fazit: „Sie sind offensichtlich bei guter Gesundheit und zum Teil auch schon verpaart. In den nächsten Wochen dürften sie mit der Brut beginnen.“

Analyse der Rastplätze soll Schutz weiter verbessern

Das sei nicht selbstverständlich, denn die Route sei durchaus eine Strapaze: die Reise quer durch Europa, über den Golf von Biskaya, die Pyrenäen, das Mittelmeer, das Atlasgebirge sowie durch Hunderte von Kilometern Wüste hätten die nur rund 350 Gramm wiegenden Vögel gut überstanden. „Die genaue Lage und Struktur der Rastplätze wird nun in den kommenden Monaten detailliert analysiert, um dann weiter entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten zu können,“ erklärt Exo.

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt (AZ 24672):
Dr. K.-M. Exo, Institut für Vogelforschung, Wilhelmshaven, Telefon: 04421-96890, Telefax: 04421-968955

Franz-Georg Elpers | DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

Weitere Berichte zu: Exo Gift Greifvögel Heuschrecken Jagd Weihen Wiesenweihe Winterquartier

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie