Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaschutz durch Pflugverzicht

14.05.2007
Fazit der Tagung "Der Beitrag der Land- und Forstwirtschaft zur Minderung von Treibhausgasemissionen" an der Universität Hohenheim: Durch kostengünstige Maßnahmen könnte die Landwirtschaft in Baden-Württemberg bis zu 10 Prozent der CO2-Emissionen vermindern.

Weit über eine Mio. Tonnen CO2 ließen sich jährlich in baden-württembergischen Ackerkrumen speichern. Die Lösung: Bauern sollten auf den Pflug verzichten. Das Speicherpotenzial der Böden könnte etwa ein Zehntel der jährlichen CO2-Reduktion aufnehmen. Genau die CO2-Menge, die sich Baden-Württemberg in seinem Umweltplan bis zum Jahr 2010 als Reduktionsziel gesetzt hat. Für Landwirte entstehen für diese Maßnahme unterm Strich kaum zusätzliche Kosten. Das ist eines der Abschlussergebnisse der Fachtagung auf der rund 70 Experten an der Universität Hohenheim über nachhaltige und kostengünstige Maßnahmen zum Klimaschutz im Ackerbau diskutierten.

Im Land könnte durch Pflugverzicht ein Hektar Ackerland der Atmosphäre jährlich rund 1,2 Tonnen CO2 entziehen. Dies entspricht dem mittleren CO2-Ausstoß eines Neuwagens auf rund 7300 km. Gleichzeitig müsse kein Bäcker darum bangen, kein Korn mehr für Brot zu bekommen: "Der Pflug lässt sich inzwischen problemlos durch Direktsämaschinen ersetzen, die die Samen ohne Ackerfurchen in die Pflanzenreste aus dem Vorjahr einsäen", sagt Prof. Dr. Karl Stahr vom Institut für Bodenkunde und Standortslehre der Universität Hohenheim

Wandeln die Landwirte ihr Ackerland in Grünland um, ließen sich sogar bis zu 4,9 Tonnen CO2 jährlich je Hektar Landfläche speichern. Eine ähnliche Leistung könnte ein Moor wie das Langenauer Ried bei Ulm erbringen, wenn man es wieder einstaut.

... mehr zu:
»CO2 »Klimaschutz »Pflugverzicht

"Es sind einfache, schnelle Maßnahmen, durch die wir vor allem Zeit gewinnen, bis technische Lösungen greifen", sagt Prof. Dr. Stahr. Gleichzeit leistet der Pflugverzicht oder die Anlage von Grünland auch erheblich Positives in den Bereichen Bodenschutz, Hochwasserschutz, Grundwasserschutz und Energieeinsparung. Rund 100 Jahre lang könnten Böden so zum Klimaschutz beitragen. Dann sei ihre natürliche Speicherkapazität allerdings erschöpft.

Zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Biochemie Jena und der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg hat die Hohenheimer Arbeitsgruppe gezielte Untersuchungen auf einzelnen Feldern bis hin zur globalen Entwicklung der Kohlenstoffspeicherung in Böden durchgeführt. "Weltweit ist in Böden mehr als dreimal soviel Kohlenstoff gespeichert wie in der Atmosphäre, sagt Prof. Dr. Stahr. Global gesehen geben die Böden derzeit jedoch CO2 an die Atmosphäre ab, was an der produktivitätssteigernden Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten liegt. "Durch den Pflugverzicht können wir diesen Trend zum Positiven umkehren."

Weitere Möglichkeiten des Klimaschutzes identifizierten die Hohenheimer Forschungsarbeiten der Arbeitsgruppe von Herr Prof. Dr. Zeddies vom Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre der Universität Hohenheim in der Nutzung landwirtschaftlicher Ressourcen zur Produktion von Strom, Wärme und Treibstoffen aus Biomasse. Auf bisher stillgelegten Flächen von etwa 40 000 ha und auf bis zu 200 000 ha Ackerfläche, auf denen die Landwirte bisher Getreide angebaut haben, könnte man zur Produktion von Biogas, Biodiesel und Bioethanol nutzen. Zukünftig könnte von diesen Flächen auch das Stroh in der Wärmenutzung oder zur Herstellung von synthetischem Kraftstoff fossile Brennstoffe ersetzen. Bei zusätzlicher Nutzung dieser Möglichkeiten könnte die Landwirtschaft in Baden-Württemberg mit bis zu 6 Mio. t, das sind fast 10 Prozent der Gesamtemissionen, zur Minderung der CO2-Emissionen beitragen.

Baden-Württemberg, als eines der waldreichsten Länder Deutschlands, hat in den letzten Jahrzehnten durch die Art des Waldbaus jährlich etwa 5 Mio. t CO2 in der Waldbiomasse akkumuliert und durch Nutzung der Holzprodukte an Stelle von Stahl und anderen fossilen Energien vermieden. Herr Dr. Hartebrodt von der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg hat Maßnahmen aufgezeigt, die positiven Beiträge des Waldes zum Klimaschutz noch zu erhöhen.

Tagungsergebnisse: http://www.uni-hohenheim.de/soils/ibs/cosebo/ibscprojekt/ibs_cprojekt/index.html

Projektergebnisse: http://www.uni-hohenheim.de/soils/ibs/cosebo/ibscprojekt/ibs_cprojekt/

Kontaktadresse (nicht zur Veröffentlichung):
Prof. Dr. Karl Stahr & Dr. Norbert Billen, Universität Hohenheim,
Institut für Bodenkunde und Standortslehre,
Tel.: 0711 459-23980 E-Mail: kstahr@uni-hohenheim.de
Prof. Dr. Jürgen Zeddies & Dr. Elisabeth Angenendt, Universität Hohenheim,
Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre,
Tel.: 0711 459-22566, E-Mai: i410b@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/soils/ibs/cosebo/ibscprojekt/ibs_cprojekt/
http://www.uni-hohenheim.de/soils/ibs/cosebo/ibscprojekt/ibs_cprojekt/index.html

Weitere Berichte zu: CO2 Klimaschutz Pflugverzicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics