Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit der Salat nicht so schwer im Magen liegt: Schadstoffe im Boden festsetzen

14.05.2007

Was Schwermetalle unschädlich macht
RUBIN Geowissenschaften: Schadstoffe im Boden festsetzen

Das eigene Gemüse aus dem Kleingarten hat im Ruhrgebiet Tradition - und es trägt schwer an den Altlasten der Region. Die Blei- und Cadmiumbelastung verschiedener Gemüse aus Kleingartenanlagen in Duisburg und Wuppertal überschritt die gesetzlichen Höchstwerte teils erheblich, fanden Bodenökologen um Prof. Dr. Bernd Marschner heraus.

Da die belasteten Flächen in der Regel viel zu groß sind, um durch Abtragung saniert zu werden, suchten die Forscher nach Alternativen, um die Schadstoffe unschädlich zu machen. Sie testeten verschiedene Zusatzstoffe, die helfen können, die Schwermetalle im Boden festzusetzen. Ihr Fazit: Mit dem richtigen Zusatzstoff lässt sich die Belastung von Pflanzen auf Jahre hinaus deutlich senken. Über ihre Studie berichten die Forscher in RUBIN Geowissenschaften, der aktuellen Sonderausgabe des Wissenschaftsmagazins der Ruhr-Universität Bochum.

30 Substanzen im Test, sechs im Feldversuch

Die Forscher testeten Bodenproben und verschiedene Gemüse aus je zwei Kleingartenanlagen in Wuppertal und Duisburg auf ihren Schadstoffgehalt. Die Wuppertaler Gärten waren durch eine darunter gelegene Abfalldeponie, die Duisburger durch Staub aus der Schwerindustrie belastet. In beiden Städten stellten die Wissenschaftler Überschreitung der gesetzlichen Höchstwerte für Cadmium und Blei fest. Um diese Schadstoffe im Boden festzusetzen, so dass sie sowohl bei direkter Aufnahme von Erde z. B. durch Kinder als auch für Pflanzen weniger verfügbar werden, testeten die Forscher zunächst im Labor rund 30 Substanzen. Die sechs besten qualifizierten sich für einen dreijährigen Feldversuch im Kleingarten: Wasserwerksschlamm, Zeolith, Tonmehl, Phosphat mit Kalk, TMT, ein für die Rauchgaswäsche eingesetztes Trinatriumsalz, und Metasorb, ein im Handel erhältliches Produkt, das ursprünglich bei der Kohlenrestverwertung anfiel.

Wasserwerkschlamm reduziert Schadstoffgehalt der Pflanzen

Alle Zusätze wurden ca. 30 Zentimeter tief in den Boden eingearbeitet, der dann mit verschiedenen Gemüsen bepflanzt wurde. Nach der Ernte bereiteten die Forscher das Gemüse küchenfertig und auf und prüften wiederum die Schwermetallgehalte. Dabei zeigte sich, dass sich durch die Zusätze die Menge der pflanzenverfügbaren Schwermetalle um bis zu 50 Prozent reduzieren ließ - allerdings betraf das zum Teil nur ein bestimmtes Schwermetall. Zeolith etwa verursachte sogar eine zusätzliche Schadstoffmobilisierung, vor allem bei Blei. Gute Erfolge für Cadmium und Blei erzielte Wasserwerksschlamm, der bei der Trinkwasseraufbereitung beim Kontakt von stark eisenhaltigem Grundwasser mit Sauerstoff anfällt, allein, aber auch in Kombination mit Phosphor. Die pflanzenverfügbaren Cadmiumgehalte sanken um bis zu 40 Prozent. Phosphor in Verbindung mit Metasorb reduzierte den verfügbaren Zinkgehalt des Bodens zwar um 60 Prozent, verursachte aber eine zusätzlich Mobilisierung von Arsen um bis zu 120 Prozent. Wichtig ist es daher, den Zusatz zur Verbesserung der Bodenqualität genau auf die örtliche Schadstoffbelastung abzustimmen, ziehen die Forscher Bilanz. Optimal angepasste Zusätze seien sowohl für Kleingärtner, aber auch für die Landwirtschaft interessant.

Themen in RUBIN Geowissenschaften

Klimawandel in der Erdgeschichte: Kreidezeit war Treibhauswelt; Damit der Salat nicht so schwer im Magen liegt: Schadstoffe im Boden festsetzen; Qualitätstourismus auf Mallorca: "Ballermann" war besser; Von hohen Löslichkeiten in tiefer Erde: Des Wassers steinerne Fracht; Erdbebenschäden in über zehn Kilometer Tiefe: Gesteine mit Erinnerungsvermögen; Oberfläche bestimmt Kristalleigenschaft: Gesichtsverlust und Stachelaufbau; Stadtstruktur und Wasserqualität: Chinas Megacities geht das Wasser aus. RUBIN Geowissenschaften ist für 5 Euro im Dekanat der Fakultät für Geowissenschaften erhältlich und steht im Internet unter: http://www.rub.de/rubin.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Bernd Marschner, Geographisches Institut, Bodenkunde und Bodenökologie, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22108, E-Mail: bernd.marschner@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin

Weitere Berichte zu: Blei Gemüse Geowissenschaft Magen RUBIN Salat Schadstoff Schwermetall Zusätze

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie