Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Korallenzerstörer: Cayman-Inseln verbieten Kreuzfahrtschiffe

10.05.2007
Ökologen kritisieren mangelnde Umweltbestimmungen für Ozeanriesen

Die Regierung der Cayman Inseln in der Karibik hat auf die Zerstörung der Korallenriffe in der Hafeneinfahrt ihrer Hauptstadt ungewöhnlich heftig reagiert: Sie haben großen Kreuzfahrtschiffen die Landung verboten.

"Kreuzfahrtschiffe sind die größten Schiffe, die regelmäßig unsere Inseln anlaufen. Mit den schweren Ankerketten richten sie große Schäden an den Riffen an", erklärte John Bothwell, Research Officer des Umweltamtes der britischen Inseln. Der Umweltexperte berichtet, dass ein solcher Ozeanriese an einem Tag fast einen halben Hektar Korallenriffe vernichten kann. Aber nicht allen Kreuzfahrtschiffen ist die Landung verboten worden: Jene, die ihre Position ohne Anker halten können, dürfen ihre Passagiere in Spotts Bay, etwa 16 Kilometer östlich der Hauptstadt Georgetown, von Bord lassen.

Die Regelung existiert bereits seit einiger Zeit, wurde aber wegen zahlreichen Verstößen von der Hafenbehörde erst vor kurzem erneut ausgesprochen. Die drei Cayman Inseln sind für ihre reiche Unterwasserwelt in aller Welt bekannt. Auf den Inseln gibt es rund 40 Tauchbasen und mehr als 200 Hotspots, an denen man die einzigartige Rifflandschaft mit einer atemberaubenden Vielzahl an Meerestieren bestaunen kann. Der Tauchtourismus gehört zu den lukrativsten Fremdenverkehrsattraktionen der 260 Quadratkilometer großen Inseln.

Kreuzfahrtschiffe stehen schon länger auf der Watchlist der Ökologen: Seit Jahren kritisiert die Umweltorganisation Oceana die Verschmutzung der Weltmeere durch Kreuzfahrtschiffe. Was Oceana dabei besonders im Magen liegt, ist die globale Zunahme der großen Schiffe. Erst vor zwei Jahren hatte die Umweltorganisation erhoben, dass ein Ozeanriese der Royal Caribbean täglich bis zu 9.600 Hektoliter "Grey Water" - das sind Abwässer aus Duschen, Wäschereien und Großküchen - ins Meer lässt. Gestattet ist das in einer Entfernung von vier Seemeilen vor der Küste. Oceana versucht die internationalen Gesetze auch auf Kreuzfahrtschiffe auszudehnen. Der Großreederei Royal Caribbean wurde vorgeworfen, moderne Abwasseranlagen auf lediglich drei ihrer 28 Schiffe installiert zu haben. (pressetext berichtete http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=040410002 ).

"Was sicherlich auch problematisch ist, ist die Verklappung von Kreuzfahrtschiffsmüll", meint die Greenpeace-Meeresbiologin Antje Helms im pressetext-Interview. "Laut International Maritime Organisation IMO fallen rund zwei Kilogramm Abfall pro Person und Tag auf großen Kreuzfahrtschiffen an." Einige der Schiffe haben ihre eigenen Abfallbeseitigungs-Einrichtungen, viele andere jedoch nicht. "Selbst wenn der Abfall an Land entsorgt wird, bedeutet dies vor allem für kleine Inselparadiese oft eine zusätzliche Belastung für Abfallbeseitigungsanlagen an Land.

Helms gibt zu bedenken, dass an Bord dieser Schiffe bis zu 3.000 Passagiere reisen. "Die Müllhalden kleinerer Inselstaaten werden mit diesen Mengen an Abfällen komplett überlastet", so Helms. Nicht alle Kreuzfahrthäfen haben das Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe, das so genannte MARPOL, unterzeichnet. "Durch die Nichtunterzeichnung sind die Länder nicht verpflichtet, Müllbeseitigungseinrichtungen anzubieten und können die Annahme von Abfällen der Kreuzfahrtschiffe verweigern. Durch diese Weigerung werden nach Meinung der IMO die Kreuzfahrtschiffe verleitet, den Müll weiter ins Meer zu entsorgen, ob nun legal oder nicht", so Helms abschließend zu pressetext.

"Nach Angaben der UNO stammen 16 Prozent aller Schwefelemissionen aus dem Mineralölverbrauch von Schiffen", meint der Sprecher der internationalen Stiftung für Seerecht http://www.iflos.org , Ludwig Rademacher. Die massiven Belastungen betreffen die Weltmeere, die Küsten und die Häfen. Aber nicht nur während der Fahrt machen die großen Traumschiffe die Umwelt kaputt, sondern auch dort, wo sie vor Anker liegen. Denn anstatt auf die Landstromversorgung zu setzen, die den Reedereien teuer kommt, lassen die weißen Riesen lieber die Schiffsmaschinen, die mit steuerfreiem Schweröl betrieben werden, laufen. Die Emissionsmessungen in Hafenstädten wie etwa Hamburg zeigen das klar.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.caymanislands.ky
http://www.oceana.org

Weitere Berichte zu: Kreuzfahrtschiffe Landung Umweltorganisation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften