Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grundschleppnetz-Fischerei im Pazifik verboten

08.05.2007
Zerstörung der tiefen Riffe soll eingeschränkt werden

Ein Viertel der Weltmeere soll vor jenen Fischereiflotten verschont werden, die mit Grundschleppnetzen die Meeresböden durchpflügen. Das Abkommen der Regional Fisheries Management Organization (RFMO) wird am 30. September in Kraft treten und das Gebiet vom Äquator bis zur Antarktis zwischen Australien und der Westküste Südamerikas schützen. Experten hatten wiederholt vor den Umweltgefahren der Grundschleppnetzfischerei gewarnt, berichtet die Deep Sea Conservation Coalition - eine Allianz der wichtigsten Umweltgruppen.

Die Hochsee in der Region Südpazifik - also jene Gewässer, die außerhalb der Jurisdiktion von Staaten stehen - gehört zu den letzten und auch größten unberührten Tiefseeregionen der Welt. Besonders für Neuseeland, jenem Staat, der vor allem in dieser Region für 90 Prozent der Tiefseefischerei verantwortlich ist, bedeutet dieses Verbot eine massive Einschränkung. Die neuseeländische Delegation sieht damit eigentlich das Ende der Grundschleppnetz-Fischerei.

Die Entscheidung über ein Ende der Grundschleppnetz-Fischerei wird von den meisten Umweltgruppen und Ökologen begrüßt. Obwohl die Vereinbarung erst mit 30. September in Kraft tritt, werde bis dahin versucht diese zerstörerische Fischereimethode zu verhindern. Das wurde auch in einer Resolution der UN-Generalversammlung im Jahr 2006 festgelegt. Matthew Gianni von der Deep Sea Conserve Coalition sieht in der Vereinbarung einen wesentlichen Schritt zur Erhaltung der Biodiversität in den Weltmeeren. Es sei aber auch höchste Zeit, dieses Verbot auf andere Weltmeere auszudehnen.

"Nachdem die Fischerei in den flachen Gewässern fast überall am Rande des Abgrunds schwimmt, greifen die neuen, noch schnelleren Fangflotten in die unbekannten Tiefen der Weltmeere", erklärte der Ozean-Ökologe der Harvard University, Callum Roberts. "40 Prozent aller Fischereigründe befinden sich bereits in der Tiefsee, also tiefer als der Kontinentalschelf", so der Wissenschaftler. "Die neuen Technologien sind so effektiv, dass sie nicht nur ernten, sondern im wahrsten Sinn des Wortes abbauen."

Untersuchungen in den vergangenen Jahren haben deutlich gezeigt, dass diese Art des Fischfangs die letzten Bastionen der Tiefsee komplett zerstört. Riffe, die 5.000 Jahre zum Wachsen gebraucht haben, werden innerhalb weniger Minuten vollständig vernichtet. Zudem haben Kontrollen ergeben, dass gerade bei dieser zerstörerischen Methode die Menge des nicht verwertbaren Beifangs bis zu 50 Prozent beträgt. "Fischen mit Grundschleppnetzen ist so, als würde man mit einem Bulldozer in einen Teich fahren, um die Fische zu fangen", so der Fischereiexperte Elliot Norse, Präsident des Marine Conservation Biology Institute in Bellevue/Washington. Die Methode sei tödlich effizient. Mit den Grundschleppnetzen wird der Ozeanboden in ein bis zwei Kilometern Tiefe quasi umgepflügt, da schwere Stahlgewichte über den Grund des Meeresbodens gezogen werden.

Die Forscher kritisieren diese Methode auch deshalb, weil die Reproduktionszyklen in der Tiefsee wesentlich länger dauern. "Die Tiefsee ist immer noch ein weitgehend unbekanntes Terrain für uns", meint Georg Kääb, Geschäftsführer vom Verband Deutscher Biologen und biowissenschaftlicher Fachgesellschaften, im pressetext-Interview. Meeresbiologe Jörg Ott vom Biozentrum der Universität Wien stimmen dem im pressetext-Gespräch zu: "Wenn man Lebewesen aus der Tiefsee hervorholt, ist eigentlich jeder Handgriff eine große Überraschung." Es gebe noch sehr große Gebiete im Bereich der Ozeanographie, die immer noch unbeschriebene Blätter sind. Die Tiefsee gehöre definitiv dazu.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.savethehighseas.org
http://www.mcbi.org
http://www.univie.ac.at/marine-biology

Weitere Berichte zu: Grundschleppnetzen Tiefsee Umweltgruppen Weltmeer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften