Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirksamer Klimaschutz kostet weniger als UN-Fachleute bisher annahmen

08.05.2007
Dritter Teil des Weltklimaberichts der Vereinten Nationen (UN) zeigt Möglichkeiten auf, den Klimawandel deutlich zu begrenzen

Das Umweltbundesamt (UBA) geht davon aus, dass wirksamer Klimaschutz in Deutschland weniger kostet als bisher im UN-Bericht geschätzt. Voraussetzung ist, dass nun schnell, auf allen Ebenen und in allen Bereichen entschlossen gehandelt wird, um die globale Temperaturerhöhung bis Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, das heißt den Treibhausgasausstoß schnell und drastisch zu reduzieren. "Das UBA rechnet sogar damit, dass mit dem konsequenten Ausbau effizienter Energiespartechnik und erneuerbarer Energien die Kosten noch deutlich geringer sein werden, als vom Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimafragen der UN (IPCC) global angenommen", kommentierte Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes in Dessau den gestern veröffentlichten dritten Teil des UN-Klimaberichts.

Das UBA entwickelte ein "40 Prozent-Szenario", mit dem sich 40 Prozent der deutschen CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 senken ließen, so dass der deutsche Beitrag zum Zwei-Grad-Ziel mit Kosten in Höhe von 0,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts gewährleistet wäre. Um dieses Ziel global zu erreichen, berechnet IPCC jedoch die Kosten um ein bis zwei Prozent des Weltsozialproduktes.

Zudem kommt das UBA-Szenario ohne die Nutzung der Kernenergie aus. Im Gegensatz dazu enthält der UN-Bericht eine Erhöhung des Anteils der Kernenergie von 16 auf 18 Prozent. "Ich finde es weder sachgerecht noch akzeptabel, denn das entspräche einer Steigerung der Zahl der Kernreaktoren in der Welt um etwa 60 Prozent", so Troge.

Der Bericht der Arbeitsgruppe III des IPCC zeigt, mit welchen kostensparenden Maßnahmen sich die Klimaerwärmung auf einen Anstieg um zwei bis drei Grad Celsius begrenzen lässt. Die wichtigsten Maßnahmen des UN-Berichts betreffen die Energieversorgung und die Gebäudedämmung. Bei der Energieversorgung setzen die Forscher auf eine deutlich höhere Effizienz bei Umwandlung und Nutzung der Energie, zum Beispiel durch die Kraft-Wärme-Kopplung. Die erneuerbaren Energien könnten bis zum Jahr 2030 bereits 30 bis 35 Prozent der globalen Stromerzeugung ausmachen und ließen sich danach noch weiter ausbauen.

In Deutschland könnte die verstärkte Nutzung des Erdgases statt der Kohle ("fuel switch") übergangsweise helfen, die Kohlendioxid-Emissionen erheblich zu vermindern. Zusätzlich gilt es, im Gebäudebereich die Wärmedämmung in großem Umfang zu verbessern und effizientere Kühlsysteme einzuführen. Dabei lassen sich noch große wirtschaftliche Potenziale erschließen.

Für möglichst geringe Gesamtkosten im Klimaschutz ist es besonders wichtig, in allen klimarelevanten Sektoren die richtigen Anreize zu setzen: Neben der Energieversorgung und dem Gebäudebereich betrifft dies die Unternehmen, den Verkehrssektor sowie die Land-, Forst- und Abfallwirtschaft. Ohne diese Maßnahmen würden die weltweiten Treibhausgasemissionen wie bisher weiter ansteigen. Eine globale Erwärmung um bis zu sechs Grad Celsius wäre dann nicht auszuschließen, so der IPCC. Dabei käme es zu schwerwiegenden Folgen für die menschliche Gesundheit, Ökosysteme und die Weltwirtschaft, dies zeigten bereits der im April veröffentlichte zweite UN-Bericht und der "Stern"-Report aus Großbritannien (2006).

Die neue Studie "Klimaschutz in Deutschland: 40%-Senkung der CO2-Emissionen bis 2020 gegenüber 1990" finden sie unter http://www.umweltbundesamt.de/energie
Weitere Informationen erhalten Sie unter http://www.umweltbundesamt.de/klimaschutz/index.htm und

http://osiris.uba.de/gisudienste/Kompass/

Martin Ittershagen | idw
Weitere Informationen:
http://www.umweltbundesamt.de/energie
http://www.umweltbundesamt.de/klimaschutz/index.htm
http://osiris.uba.de/gisudienste/Kompass/

Weitere Berichte zu: Energieversorgung IPCC Klimaschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten

06.12.2016 | Medizintechnik