Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel, Biodiversitätswandel: Linnés verarmte Erben

04.05.2007
Während bundespolitisch motivierte Klimagipfel die Klimaforschung Deutschlands mit der Umwelttechnologie verbinden will findet eine andere Debatte kaum gesellschaftliches Gehör: Wer soll in Zukunft die (etwa auch durch veränderte klimatische Bedingungen)veränderte biologische Vielfalt an Arten für einzelne Regionen bestimmen können, wenn die Experten dafür nicht mehr ausgebildet werden? Linné's Erben, die Taxonomen und Systematiker, werden auch von geowissenschaftlichen Klimaforschern gebraucht - die Lehrstühle jedoch abgewickelt.

In einer von vielen Fachgesellschaften und großen Naturschutzverbänden getragenen "Initiative Taxonomie" fordern die Unterzeichner die Politiker in Bund und Ländern auf, sich wieder stärker der Forschungsförderung von taxonomischen und systematischen Lehrgebieten zu widmen, die in Deutschland am Aussterben sind.

Die aktuelle Ausgabe von GEO (5/07) interviewte dazu den Projektkoordinator, hier Auszüge:

"Linnés verarmte Erben

Biologen feiern in diesem Jahr den 300. Geburtstag des berühmten Naturforschers Carl von Linné. Er begründete das Ordnungssystem für Tiere und Pflanzen. Heute allerdings stecke die taxonomische Forschung in Deutschland in einer Krise, meint Georg Kääb, Geschäftsführer des Verbands deutscher Biologen.

GEO: Herr Dr. Kääb, was gibt es heute noch für Taxonomen zu tun?

Kääb: Das romantische Bild vom Artenforscher, der mit dem Schmetterlingsnetz über die Wiese zieht, hält sich beständig - hat jedoch mit der heutigen Arbeit nur noch wenig zu tun. Dabei ist die Fähigkeit Tiere, Pflanzen und andere Arten zweifelsfrei erkennen und gegebenenfalls neue entdecken zu können nicht nur für den Umweltschutz (etwa im Zuge der Veränderungen der Artenvielfalt durch den Klimawandel) von Bedeutung, sondern auch für die Nutzung biologischer Substanzen. Jährlich werden fast 1000 neue Naturstoffe aus Lebewesen der Meere entdeckt, die von der Krebsmedizin bis zur Entwicklung von Waschmitteln von wirtschaftlicher Relevanz sein können. Dabei können sehr nah verwandte Arten ein sehr unterschiedliches Substanzspektrum liefern - man muss sie also unterscheiden können. Dafür brauchen wir dringend Nachwuchswissenschaftler. Solche versuchen wir in der "Nationalen Ausbildungsinitiative Taxonomie" zu fördern.
(...)
Was ist das Problem?
Bei der Vergabe von Fördergeldern bleibt die Forschung über die Grundlagen der Artenvielfalt regelmäßig unberücksichtigt. Mittlerweile wirkt sich dies auf die biologische Ausbildung soweit aus, dass Lehrstühle dort fehlen, wo es um eine ganzheitliche Forschung und Lehre der Artenvielfalt geht. Taxonomen betrachten nämlich nicht nur einzelne Exemplare oder Bestandteile von Organismen, sondern zusätzlich die spezifische Verbreitung und Anforderung einer Art an das umgebende Ökosystem. Ohne die Verknüpfung all dieser Informationen wäre auch das Erkennen einer neuen Art unmöglich. Selbst das AIDS-Virus musste ja erst einmal als ein "neuer" Organismus erkannt und beschrieben werden.

Was muss Ihrer Ansicht nach geschehen?

Wir brauchen eine nachhaltige Förderung der taxonomischen Grundlagenforschung in allen Bundesländern. Hierzu müssen sich entweder alle Länder gemeinsam oder auch zusammen mit dem Bund darauf verständigen, dass die Taxonomie als eine

nationale Aufgabe angesehen und entsprechend gefördert wird. Wir schlagen dazu in einer von vielen Organisationen unterstützten Initiative einen Wettbewerb um "Stiftungsprofessuren" vor, um das Verschwinden des Expertenwissens an den Hochschulen zu verhindern. Es kann nicht sein, dass Deutschland als Ausrichter des "Weltgipfels für Biologische Vielfalt 2008" kaum noch Forscher hat, die Arten zweifelsfrei unterscheiden können. "

Mittlerweile haben sich auch über 400 Professoren und Wissenschaftler als Unterstützer der "Initiative Taxonomie" in eine Liste eingetragen, die unter:

http://www.taxonomie-initiative.de zu finden ist.

Jede weitere Unterstützung gerade aus der Klimaforschungs-Community und den Medien ist natürlich willkommen.

Ansprechpartner, Initiatoren und viel weiteres Hintergrundmaterial ist auf der angegebenen Website zu finden.

Dr. Georg Kääb | idw
Weitere Informationen:
http://www.taxonomie-initiative.de

Weitere Berichte zu: Artenvielfalt Klimawandel Taxonomen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index
21.08.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen