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Positivtrend: Artenvielfalt in NRW steigt

18.04.2007
Es begann 1985 mit einem Pilotprojekt: 40 Landwirte in der Eifel verpflichteten sich, Wiesen, Weiden, Magerrasen und Heiden nach Naturschutzkriterien zu bewirtschaften, und erhielten dafür eine angemessene Entschädigung.

Heute ist der so genannte "Vertragsnaturschutz" auf mehr als 25.000 Hektar in Nordrhein-Westfalen gängige Praxis. Wissenschaftler der Universität Bonnbescheinigen dem Ansatz nun einen außergewöhnlichen Erfolg: Auf den Vertragsnaturschutz-Flächen ist die Populationsgröße vieler Rote-Liste-Arten der Pflanzenwelt in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen, nicht selten um das zehn- bis hundertfache. Auch die Artenvielfalt hat deutlich zugenommen.

Umweltminister Eckard Uhlenberg sieht aufgrund dieser Befunde den Vertragsnaturschutz weiterhin auf einem guten Weg. "Der Vertragsnaturschutz in NRW wird auch in Zukunft eine der maßgeblichen Säulen des Naturschutzes bleiben, um unsere heimische Artenvielfalt zu erhalten und zu entwickeln."

Die Geschichte vom "Hängenden Menschen" ist eine Erfolgsstory: Nur 67 Exemplare dieser Orchidee mit dem ungewöhnlichen Namen blühten in den 1970er Jahren auf dem Hühlesberg bei Bad Münstereifel-Iversheim. Heute sind es 2.500 - Tendenz steigend. "Diese beeindruckende Zunahme ist kein Einzelfall, sondern in ähnlicher Form auf fast allen von uns untersuchten Flächen nachweisbar", betont der Bonner Geobotaniker Professor Dr. Wolfgang Schumacher.

Schon Ende der 1970er Jahre gab es in Nordrhein-Westfalen Bestrebungen, landwirtschaftliche Nutzung und Biotoppflege miteinander zu koppeln. In einem dreijährigen Pilotprojekt wurde von der Abteilung Geobotanik und Naturschutz im Auftrag des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums ab 1985 getestet, ob sich diese Idee in die Praxis umsetzen ließ - und wenn ja, zu welchen Kosten. Mit rund 40 Landwirten wurden daraufhin Verträge über die Renaturierung und naturschutzgemäße Nutzung von Wiesen, Weiden, Magerrasen und Heiden abgeschlossen. Gerade einmal 200 Hektar umfassten die Vertragsnaturschutzflächen in der Eifel damals. Heute sind es rund 3.600 Hektar. Inzwischen gibt es in den Kreisen Euskirchen, Düren und Aachen mehr als 500 Landwirte, die erfolgreich Vertragsnaturschutz betreiben, teilweise seit mehreren Jahrzehnten. In ganz NRW nehmen ca. 5200 Landwirte auf mehr als 25.000 Hektar am Vertragsnaturschutz teil.

Spektakulärer Erfolg

Von Beginn an wurden die Auswirkungen der Maßnahmen mit Förderung durch das nordrhein-westfälische Umweltministerium wissenschaftlich kontrolliert, vor allem durch die Bonner Landwirtschaftliche Fakultät. Für das jetzt abgeschlossene Forschungsprojekt haben die Forscher rund 150 Bonner Examens-, Diplom- und Doktorarbeiten aus den letzten 30 Jahren ausgewertet. Diese historischen Daten haben sie mit aktuellen Erhebungen von mehr als 100 Gebieten in der Eifel verglichen. "Eine derart günstige Datenbasis dürfte im Bundesgebiet wohl einmalig sein", sagt Schumacher nicht ohne Stolz.

Die Ergebnisse übertreffen alle Erwartungen: Der schleichende Verlust von Pflanzenarten konnte nicht nur aufgehalten werden - in der Eifel hat sich der bisherige Trend sogar gedreht: Die meisten Rote-Liste-Arten zeigen starke, teilweise sogar exponentielle Zunahmen ihrer Populationen. Auch die Artenvielfalt auf den Wiesen und Weiden hat sich stabilisiert und teilweise sogar um das zwei- bis dreifache zugenommen. Ähnliches gilt zum Beispiel für Teile des Siegerlands und des Hochsauerlands, wo Vertragsnaturschutz ebenfalls seit mehr als zehn Jahren praktiziert wird. Professor Schumacher: "Diese Regionen dürften zu den wenigen Kulturlandschaften in Deutschland gehören, in denen eine Trendwende gelungen ist."

Möglich wurde die Erfolgsstory unter anderem auch durch die Bereitschaft des Landes, der Kreise, Gemeinden und der NRW-Stiftung, ihre Flächen zu renaturieren und zu günstigen Preisen zu verpachten. Ebenso wichtig war aber auch die finanzielle Förderung des Vertragsnaturschutzes durch das Land NRW und die Europäische Union. "Das Prinzip 'Naturschutz durch Nutzung' lässt sich aber nur durchhalten, wenn das, was dort wächst, auch im Betrieb verwertet wird", betont Schumacher. "Diese Integration des Naturschutzes in den landwirtschaftlichen Betrieb ist wesentlicher Bestandteil des Konzepts."

"Mit dem Vertragsnaturschutz", so Umweltminister Eckard Uhlenberg, "leistet das Land NRW einen bedeutenden Beitrag im Rahmen des europäischen 'Count down 2010-Prozesses', nämlich den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 zu stoppen."

Kontakt:
Professor Dr. Wolfgang Schumacher
Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz
der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-2836
E-Mail: geobotanik@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://www1.uni-bonn.de/pressDB/jsp/pressemitteilungsdetails.jsp?detailjahr=2007&detail=119

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