Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Überweidung ist nicht die einzige Ursache für Verbuschung

12.04.2007
Ökologen der Universität Jena analysieren die Vegetationszyklen der Savanne

In der Natur stehen nicht nur große und kleine Tiere im Kampf ums Überleben, auch Gräser und Bäume konkurrieren miteinander. Dass es bei diesem Kampf zwischen David und Goliath keinen sicheren Sieger gibt und sich beide Naturformen sogar gegenseitig bedingen, haben jetzt Ökologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena am Beispiel der afrikanischen Savanne untersucht.

In einem dreijährigen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 150.000 Euro geförderten Forschungsprojekt hat das Team von Prof. Dr. Kerstin Wiegand den Wachstumszyklus in der Savanne bestimmen und am Computer simulieren können. Außerdem ergründeten sie die Ursache für die Verbuschung dieses Territoriums und klärten dabei ein Vorurteil auf.

Mehr als die Hälfte Afrikas besteht aus Savanne, von der es vielfältige Erscheinungsformen gibt. Hier leben Gräser und Bäume neben- und miteinander und bieten für viele Tiere die Nahrungsgrundlage. Kommt es dort zu einer Verbuschung, verhindert dies die Beweidung. Bisher wurde eine zunehmende Verbuschung vor allem mit Überweidung erklärt. "Überweidung ist häufig ein Problem", weiß Prof. Wiegand. "Sie hat einen Effekt", so die Juniorprofessorin für Ökologie/Biomathematik, "aber er wird oft überbewertet". Zumindest wenn man längere, jahrzehntelange Zeiträume betrachtet, fördere die Überweidung zwar die Verbuschung. "Aber in gleichem Masse gibt es dafür natürliche Ursachen", betont sie: "Verbuschung ist ein integraler Bestandteil von Savannen".

Dies konnten die Jenaer Ökologen gemeinsam mit ihrem südafrikanischen Kooperationspartner nun nachweisen. In der Savanne "besteht ein dynamisches Gleichgewicht" zwischen den holzigen und den krautigen Pflanzen, sagt Wiegand. Wobei die Bäume "lokale Klumpungen bilden", die sich später durch den Tod vieler Bäume von selber ausdünnen. Durch Felduntersuchungen und Luftbilder, die bis in die 1940er Jahre zurückreichen, konnten die Wissenschaftler erstmals Langzeitinformationen über "Muster und von Wachstum und Mortalität von Akazien" gewinnen. Dabei erhielten sie zwei unerwartete Resultate, wie Projektleiterin Wiegand betont: "Das Wachstum ist unabhängig vom Alter" - junge wie alte Bäume wachsen gleich gut. Wenn sie denn wachsen. Denn außerdem fanden die Ökologen heraus, dass die Sterblichkeit der Akazien bei mittlerem Alter am höchsten ist. Wenn der Baum die ,gefährliche Jugend' überstanden hat und noch bevor er altersschwach wird, verendet er. Die Ursachen dafür sind noch nicht geklärt. Die Ökologen waren froh, dass sie diesen Prozess überhaupt erstmals mit Langzeitdaten beweisen konnten.

Darüber hinaus gelang es den Jenaer Bioinformatikern, die ermittelten Daten auf den Computer zu übertragen und die "raumzeitliche Dynamik von Bäumen und Gräsern zu simulieren", freut sich Wiegand. Daraus konnte das Simulationsmodell SATCHMO entwickelt werden, mit dessen Hilfe es gelang, Verbuschungszyklen für die trockene Savanne zu berechnen. 33 Jahre, so das Ergebnis der Berechnungen, dauert der Verbuschungszyklus in einer von kleinen, dornigen Akazien, der Acacia mellifera, dominierten Savanne. Damit konnte die ökologische Theorie, dass in der Savanne lokale Klumpungen von Büschen bestehen, die sich später von selber ausdünnen, bestätigt und mit aktuellen Jenaer Daten unterfüttert werden.

In zukünftigen Projekten wollen die Ökologen der Universität Jena nun prüfen, ob ihre Ergebnisse auch auf feuchte Savannen übertragen werden können und ob SATCHMO dort ebenso korrekte Vorhersagen erlaubt. Außerdem wollen die Wissenschaftler versuchen, mit ihren Ergebnissen das Weidemanagement vor Ort zu verbessern, um die Ergebnisse der Viehwirtschaft und damit die Ernährung in Afrika zu verbessern.

Kontakt:
Prof. Dr. Kerstin Wiegand
Institut für Ökologie der Universität Jena
Dornburger Str. 159, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949451
E-Mail: kerstin.wiegand[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: SATCHMO Savanne Verbuschung Ökologen Überweidung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften

Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie