Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel verschärft die Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa massiv

11.04.2007
KORREKTUR: Uni Kassel-Experte falsch zitiert
Durch einen Übersetzungsfehler ist Prof. Joseph Alcamo in der PM 31/07 vom 11. April falsch zitiert. Prof. Alcamo ist nicht der Meinung, dass der Bericht für politische Entscheidungsträger das Bedrohungspotenzial verschleiere und auf niedrigerem Niveau verfasst sei.

Vor einer Verschärfung der Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa warnt der Mitautor des UN-Klimaberichts zu den Folgen des Klimawandels, Prof. Dr. Joseph Alcamo, Direktor des "Center for Environmental Systems Research" von der Universität Kassel.

"Die Anzeichen des Klimawandels sind auch in Europa mittlerweile deutlich sichtbar", so Prof. Alcamo. Der Weltklima-Rat hat am 6. April in Brüssel den zweiten Teil des UN-Klimaberichts vorgestellt, der die drohenden Folgen der Erderwärmung in verschiedenen Weltregionen darstellt.

Vor einer Verschärfung der Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa warnt der Mitautor des UN-Klimaberichts zu den Folgen des Klimawandels, Prof. Dr. Joseph Alcamo, Direktor des "Center for Environmental Systems Research" von der Universität Kassel. "Die Anzeichen des Klimawandels sind auch in Europa mittlerweile deutlich sichtbar", so Prof. Alcamo. Der Weltklima-Rat hat am 6. April in Brüssel den zweiten Teil des UN-Klimaberichts vorgestellt, der die drohenden Folgen der Erderwärmung in verschiedenen Weltregionen darstellt. Prof. Alcamo ist einer der Hauptautoren des Kapitels zu den Folgen des Klimawandels in Europa und leitete ein Team von 22 Wissenschaftlern aus 16 Ländern. In dem insgesamt 1400-seitigen Expertenbericht wurde erstmals umfassend untersucht wie sich eine Änderung des Klimas auf Pflanzen, Tiere, den Meeresspiegel, Hochwässer, Trockenheiten und den Menschen auswirkt. Während sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Klimawandel bisher auf die zukünftigen Auswirkungen fokussiert habe, zeige der jetzt erarbeitete Bericht, dass bereits heute Auswirkungen des Klimawandels zu beobachten sind. "Die Zukunft hat bereits begonnen", so Prof. Alcamo, "Europa wird nicht von den Folgen des Klimawandels verschont bleiben!"

Die "Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger" verschleiert das wahre Bedrohungspotenzial

Lediglich die Spitze des Eisbergs der drängenden Fakten zum Klimawandel seien in der jetzt in Brüssel beschlossenen "Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger" enthalten, so Prof. Alcamo, der in der vergangenen Woche in Brüssel mit mehr als 100 Delegationen aus der ganzen Welt über die schließlich verabschiedete "Summary for Policymakers" debattierte.

Das rund 15-seitige Dokument ist aus dem gut 1400-seitigen Expertenbericht der IPCC - der zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen der Vereinten Nationen, engl. "Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)" - entstanden und stellt nach Prof. Alcamos Ansicht einen politischen Kompromiss auf niedrigem Niveau dar. Der eigentliche Bericht gebe das aktuell treffendste Bild über die Auswirkungen des Klimawandels in der gesamten Welt und in Europa wieder. Der Umweltexperte aus Kassel ist bereits seit 13 Jahren einer der Autoren der IPCC Berichte.

Die Zukunft hat schon begonnen - auch Europa ist betroffen

Zwar schienen die meisten der beobachtbaren Veränderungen unspektakulär - etwa das Abschmelzen der Gletscher in den Alpen, die in höhere Regionen verschobene Baumgrenze in den Bergregionen Europas sowie Veränderungen in der Ausbreitung einiger Tier- und Pflanzenarten. Einige der Auswirkungen sind sehr viel unmittelbarer, wie etwa die Hitzewelle des Jahres 2003, die in Europa für 35.000 Todesopfer verantwortlich war und die der UN-Klimabericht als "ohne historisches Vorbild" bezeichnet. Dem Bericht zufolge wird ohne eine Verlangsamung des Klimawandels Mitteleuropa letztlich die gleiche Zahl heißer Tage erwarten können, wie es sie bereits jetzt in Südeuropa gibt. Todesursachen in Folge der Hitzewellen werden sich somit wahrscheinlich in Süd- und Mitteleuropa erhöhen. Prof. Alcamo warnt, dass die Auswirkungen des Klimawandels zudem die Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa verschärfen werden. Dem Bericht der IPCC zufolge wird der Klimawandel in Nordeuropa zwar das Wachstum des Waldes fördern, in Südeuropa aber gleichzeitig durch große Waldbrände Waldflächen vernichten. Dementsprechend wird die Getreideproduktion im Norden des Kontinents steigen, während sie im Süden generell abnehmen wird. Die hohen Temperaturen werden auch zu einem Wandel im sommerlichen Tourismusgeschäft führen, hin in den Norden. Südeuropa, ohnehin für Dürren anfällig, sei einer noch gesteigerten Gefahr von Dürren, Hitzewellen und Waldbränden ausgesetzt. Innerhalb der nächsten 70 Jahre könnte die jährlich verfügbare Menge Wasser im Süden um ein Drittel abnehmen, im Norden hingegen um ein Fünftel zunehmen. Aber auch Nordeuropa wird zunehmend von den negativen Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein - etwa durch die Zunahme von Winterüberschwemmungen durch Schneeschmelze, die zunehmende Zahl gefährdeter Pflanzen- und Tierarten und generell ein höheres Risiko des Auftretens von Waldkrankheiten. Letztlich, so der Bericht, werden auch in Nordeuropa die negativen Auswirkungen des klimatischen Wandels die positiven überwiegen.

Deutschland und der Rest Mitteleuropas wird ebenfalls von diesen negativen Folgen betroffen sein, zu denen steigende Zahlen von Überschwemmungen im Inland und an der Küste gehören sowie trockenere Sommer und ein erhöhter Druck auf die Wasserressourcen. Ganz Europa sieht sich einem erhöhtem Auftreten von Überschwemmungen durch Schneeschmelze und einer wachsenden Anzahl gefährdeter Pflanzen- und Tierarten gegenüber. Bis 2080 könnten zwischen einem Viertel bis zur Hälfte aller europäischen Pflanzenarten bedroht, stark gefährdet oder am Rande des Aussterbens stehen, verursacht durch klimabedingten durch Stress.

Prof. Alcamo: Nicht in Panik verfallen, sondern überlegt handeln

Der Bericht rufe nicht zur Panik auf, wie Prof. Alcamo weiter ausführt. Er zeige aber, dass es Zeit sei für ernsthafte Anstrengungen, sich dem Klimawandel in allen Aspekten des täglichen Lebens anzupassen. "Jedesmal, wenn eine neue Brücke oder eine neue Straße gebaut wird, ein Bürogebäude errichtet oder die Bebauung eines Küstenstreifens geplant wird, müssen die Auswirkungen es Klimawandels (mit) einkalkuliert werden", fordert der Umweltexperte aus Kassel.

Kohledioxid-Reduktion würde mehr Zeit zum Handeln schaffen

Aus den Expertenergebnissen folgt erneut die Forderung nach einer drastischen Reduktion von Treibhausgasemissionen. "Wir müssen den Klimawandel soweit wie möglich verlangsamen, indem wir drastisch den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibgasen senken. Je weniger CO2 wir in die Atmosphäre freisetzen, desto mehr Zeit haben wir, uns an die unvermeidlich steigenden Temperaturen und das feuchtere oder trockenere Klima anzupassen", führt Prof. Alcamo aus. Wie der IPCC-Bericht deutlich aufzeigt, werden es die ärmeren nicht-europäischen Staaten sein, welche nicht wie Europa über die Kapazitäten zur Anpassung an den Klimawandel verfügen, die am stärksten von häufiger auftretenden Küstenüberschwemmungen, Hitzewellen und anderen negativen Folgen des Klimawandels betroffen sein werden. "Ich glaube," so Prof. Alcamo "dass Europa als einer der Hauptverursacher von CO2 eine moralische Verpflichtung hat, den bedrohten ärmeren Ländern zu helfen, indem die europäischen Treibhausgasemissionen verringert werden und dadurch der Klimawandel verlangsamt wird. Zusätzlich müssen wir die Technologien und Finanzmittel bereitstellen, um den ärmeren Ländern zu helfen, sich an den Klimawandel anzupassen, der unvermeidlich ist."

Info
Universität
Prof. Dr. Joseph Alcamo
Center for Environmental Systems Research
tel. +49 170 855 9755/ +49 561 60 24 94
fax (0561) 804 7216

Ingrid Hildebrand | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Berichte zu: Hitzewelle IPCC Klimawandel Südeuropa UN-Klimabericht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften