Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kein Bier, kein Brot, keine Pommes: Klimawandel verändert unser Essen

10.04.2007
Forscher der Universität Hohenheim: "Treibhausgase verändern nicht nur das Wetter, sondern auch die Rohstoffe für unsere Lebensmittel"

Pommes werden giftig, Bier schäumt nicht mehr und Brot backen wird unmöglich - die Treibhausgase in der Luft verändern nicht nur das Klima, sondern auch unsere Lebensmittel, belegen Experimente der Universität Hohenheim. In High-Tech-Feldexperimenten haben Agrarbiologen Weizen, Gerste und Kartoffeln den Umweltbedingungen der Zukunft ausgesetzt. Fazit: Nicht nur die Erträge, auch die Zusammensetzungen der Pflanzen ändern sich - und das nicht unbedingt zum Guten.

Laut dröhnen die Maschinen aus dem Keller des Ökologiezentrums der Universität Hohenheim: Inmitten des Raumes steht Prof. Dr. Andreas Fangmeier vom Institut für Landschafts- und Pflanzenökologie und begutachtet verschiedene Pflanzen, die in den sechs Klimakammern zur Erntegröße herangezogen werden. "Das Besondere daran ist, dass wir in den Klimakammern das Klima und die CO2-Konzentration der Zukunft simulieren können, mit dem Ziel, die Qualität der Früchte zu prüfen", erklärt Prof. Dr. Fangmeier. In den Kammern sind Tomaten, Sau- und Sojabohnen, die einem mediterranen Klima augesetzt sind. Zusätzlich müssen in drei der sechs Kammern die Pflanzen mit einer erhöhten CO2-Konzentration zurechtkommen. Diese Konzentration entspricht einem Wert, der in 50 Jahren auf der Erde erwartet wird.

Gerste, Weizen und Kartoffeln haben die Hohenheimer Pflanzenökologen bereits in der Vergangenheit ähnlichen Experimenten unterzogen und die Qualität der Frucht analysiert. Das Ergebnis ist ernüchternd: "Durch den erhöhten CO2-Wert in der Luft wachsen die Pflanzen zwar besser und erbringen einen größeren Ertrag, jedoch weicht die Qualität der Nutzpflanzen vom Normalzustand ab", sagt Prof. Dr. Fangmeier. "Brot kann aufgrund der fehlenden Klebefähigkeit des Weizens nicht mehr gebacken werden, Bier kann weniger schäumen und Pommes Frites könnten sogar giftig für den Menschen sein." Und weil auch die Pflanzen für Tierfutter weniger Nährwert haben, müssen Landwirte größere Mengen verfüttern.

Schuld daran sind vor allem veränderte Proteinkonzentrationen in den Pflanzen. Denn unter erhöhtem CO2 benötigen die meisten Pflanzen weniger Proteine und damit weniger Stickstoff in den Blättern - und haben dann weniger Stickstoff zur Verfügung, den sie während der Reifung in die Früchte transportieren können. "Die künftige Luftzusammensetzung führt dazu, dass bestimmte Enzyme in der Pflanze effektiver arbeiten und die Pflanzen weniger Stickstoff aufnehmen. Auch andere Mikronährstoffe, die für unsere Ernährung wichtig sind, nimmt die Pflanze nur noch begrenzt auf, sagt Prof. Dr. Fangmeier. "In 50 bis 100 Jahren liefern die heutigen Sorten unter diesen veränderten klimatischen Bedingungen nicht mehr die Erntequalität, die wir brauchen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir in Zukunft neue oder veränderte Pflanzenarten zur Lebensmittelproduktion benötigen", sagt Prof. Dr. Fangmeier.

Neben den Klimakammern forscht Prof. Dr. Fangmeier auch an Rapspflanzen im Freiland. Die Pflanzen wachsen in sogenannten FACE-Systemen (Free Air Carbon Dioxide Enrichment) aus CO2-Begasungsringen mit je zwei Metern Durchmesser im Ackerboden. Das Besondere daran: Der Raps wächst unter realen Bedingungen, was das Wetter betrifft, aber unter erhöhter CO-Konzentration. "Der Raps ist, obwohl er vielseitig für den Menschen nutzbar ist, in der CO2-Forschung bis jetzt wenig beachtet worden. Er ist Lebensmittel- und Futterlieferant auf der einen und Biodiesel-Grundstoff auf der anderen Seite", meint Prof. Dr. Fangmeier. Nach der Ernte könne der Energiegehalt der Pflanze für die Dieselproduktion ebenso wie die Qualität als Futter- bzw. Nahrungspflanze für Tiere und Menschen getestet werden.

Institut für Landschafts- und Pflanzenökologie: www.uni-hohenheim.de/www320/german/homepage.html

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Andreas Fangmeier, Universität Hohenheim, Institut für Landschafts- und Pflanzenökologie, Fg. Pflanzenökologie und Ökotoxikologie,

Tel.: 0711 459-23533, E-Mail: afangm@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/www320/german/homepage.html

Weitere Berichte zu: Klimakammer Pflanze Pflanzenökologie Pommes Stickstoff Weizen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie