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Schadstoff-Ausstoß und Energieverbrauch: Senken sinnvoll - aber nicht im Alleingang

05.04.2007
Nur eine weltweite Zusammenarbeit ist bei der Lösung der globalen Klimaprobleme aus Sicht des Volkswirts Prof. Dr. Alfred Endres, FernUniversität in Hagen, erfolgversprechend. Eine Vorreiterrolle einzelner Staaten oder der Europäischen Union könnte zu einem verstärkten Verbrauch von Ressourcen zur Energiegewinnung bei den übrigen Staaten führen.

Nach dem CO2-Kompromiß von Brüssel sieht der Umweltökonom angesichts der aktuellen Sitzung des Weltklimarats (IPCC) der Vereinten Nationen erhebliche Probleme bei der Umsetzung der Beschlüsse von Anfang März. Wichtiger als das Versprechen der EU, 20 Prozent der Emissionen bis zum Jahre 2020 zu vermeiden, sei der Versuch, die USA und die Volksrepublik China mit ins Boot zu holen.

Grundsätzlich hält der Leiter des volkswirtschaftlichen Lehrgebiets Wirtschaftstheorie die Brüsseler Beschlüsse für bitter nötig, weil die Beschlüsse des Kyoto-Protokolls 2012 auslaufen: "Gut, dass man sich rechtzeitig gefragt hat: Was machen wir dann?" Die Antwort lautet: Die Europäische Union plant die Treibhaus-Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu senken. Und wenn die USA und China mitmachen, sogar um 30 Prozent. Eine solche "Konditionierung" ist für den renommierten FernUni-Volkswirtschaftler sinnvoll, um andere Staaten zur Zusammenarbeit zu bewegen.

Aber die Brüsseler Vereinbarungen lösen nicht das Trittbrettfahrer-Problem: Viele Staaten dürften überlegen, die teure Emissionsvermeidung mehr oder weniger zu sparen und einfach von den Umweltinvestitionen der anderen zu profitieren: "Ein Grundübel globaler Umweltprobleme", bedauert Prof. Dr. Alfred Endres.

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Für ihn ist auch nicht erkennbar, dass der Beschluss die Glaubwürdigkeit der EU nach außen stärkt und die Reputation sichert, mit der sie von anderen Staaten umweltpolitische Kooperation einfordern könnte: "Glaubwürdigkeit wird nicht durch Pläneschmieden hergestellt, sondern durch Handeln!" Und gerade dabei sieht er erheblichen Nachholbedarf der EU: "Die Chancen der EU, die 'alten' Kyoto-Beschlüsse zu erfüllen, stehen schlecht." Die Brüsseler Beschlüsse sind überdies bisher weniger konkret als das Kyoto Protokoll. Nach Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls hatten sich die EU-Staaten darauf geeinigt, wie die insgesamt übernommene Vermeidungslast auf die einzelnen Mitgliedsstaaten aufgeteilt werden sollte. Dabei hat sich Deutschland einen großen Teil auf die Schultern geladen. Bei den jüngsten Brüsseler Beschlüssen wurde dagegen bisher nur Einigung über die anvisierte Gesamtreduktion erzielt. Vor einer Einigung über die Lastenverteilung werden noch langwierige Verhandlungen nötig sein.

Richtig und wichtig sei der Versuch, große andere Länder einzubinden, aber weder die USA noch China lassen sich unter Druck setzen. Prof. Endres sieht zwei andere Möglichkeiten: "Es gibt viele Nichtregierungsorganisationen in den USA und auch einige Bundesstaaten (z.B. Kalifornien), die man einbinden könnte, um internen Druck zu erzeugen." Interessant könnte auch sein zu prüfen, ob man über das Haftungsrecht Unternehmen juristisch und finanziell belangen könnte, die zum Treibhauseffekt beitragen: "Hier käme es darauf an, rechtswissenschaftliche Expertise bereitzustellen. Außerdem käme es auf die Bereitschaft von Nichtregierungsorganisationen in aller Welt an, entsprechende Klagen einzureichen. Damit könnte eine Hebelwirkung auch dann entstehen, wenn die US-amerikanische Regierung sich dem Nach-Kyoto-Prozess weiterhin verweigern würde."

Letztendlich geht es darum, Verhaltensänderungen und Effizienzsteigerungen zu erreichen. Wichtigstes Mittel hierfür sind für den Volkswirtschaftler die Preise für Energie. "Die Energiepreise dürfen nicht sinken, wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen", mahnt er, "auch die externen Kosten müssen in die Preise einfließen." Ansätze hierfür sieht er bereits beim Handel mit Emissionsrechten und bei den Überlegungen zur Neugestaltung der Kfz-Steuer. Vorreiterrollen einzelner Staaten seien zwar vorbildhaft, brächten konkret aber nichts: "Das Problem ist global und ein Staat wie z. B. Deutschland zu klein."

Selbst Einsparungen eines großen Staatenverbundes beim Ressourcen-Verbrauch würden nur beschränkt wirksam. Grund hierfür ist der "Leakage-Effekt": Wenn die EU ihren Ressourcenverbrauch vermindern würde, würden die Energienachfrage und mit ihr die Gleichgewichtspreise auf den weltweiten Energiemärkten sinken: "Andere Staaten können sich infolge unserer Zurückhaltung mehr Energie leisten - das werden sie auch nutzen." Für Endres gibt es daher nur eine Lösung: "Mindestens so wichtig wie nationale Anstrengungen beim Sparen sind internationale Kooperationslösungen." Also der Versuch, die großen umweltverschmutzenden Staaten ins Boot zu holen.

"Und genau das ist für mich der entscheidende Aspekt der Brüsseler Beschlüsse", betont FernUni-Professor Alfred Endres.

Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Dr. Bianca Rundshagen und anderen Teammitgliedern hat er sich mit der Frage befasst, wie die Firmen durch den Einsatz umweltpolischer Instrumente dazu veranlasst werden können, Energie effizienter zu nutzen bzw. Emissionen möglichst kostengünstig zu vermeiden. Der Ressourcen sparende technische Fortschritt sei zwar erwünscht, wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung zum EU-Gipfel deutlich machte, "fällt aber nicht vom Himmel".

Initiiert werden kann er auf verschiedenen Wegen, etwa durch das Haftungsrecht, Auflagen, Abgaben oder handelbare Emissionsrechte. Diese umweltpolitischen Instrumente sind unterschiedlich wirkungsvoll und für das einzelne Unternehmen auch unterschiedlich interessant. Um volkswirtschaftliche Wünsche betriebswirtschaftlich attraktiv zu machen muss die Politik die Instrumente also geschickt auswählen und den Entscheidern in der Wirtschaft auch noch "schmackhaft" machen. Doch fehlen den Beteiligten wichtige Informationen - hier widerspricht die Praxis einfachen Theorien, in denen unterstellt wird, dass die Entscheidungsträger über vollständiges Wissen verfügen.

Gemeinsam mit Professor Dr. Alfred Endres hat Dr. Bianca Rundshagen daher ein Modell entwickelt, in dem dieses unsichere Wissen mathematisch erfasst und berücksichtigt wird. So konnte die Hagener Nachwuchswissenschaftlerin die Folgen der Informationsdefizite beim Vergleich der verschiedenen Instrumente berücksichtigen und Leistungsfähigkeitsprofile für sie entwickeln.

Dabei kam das Forschungsteam zu dem Ergebnis "Der Handel mit Emissionszertifikaten ist am ehesten geeignet, mit Informationsdefiziten fertig zu werden, wenn geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden." Damit leistet es einen weiteren Beitrag zum internationalen Ansehen von Endres' Lehrgebiet.

Susanne Bossemeyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fernuni-hagen.de/

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