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Inventur im Auwald - Die Renaturierung eines der größten Auwald-Gebiete Europas wird von KU begleitet

04.04.2007
Wo sich die Donau noch im 19. Jahrhundert zwischen Neuburg und Ingolstadt durch die Landschaft schlängelte, erhielt sie im Lauf der Zeit einen von Menschenhand korrigierten Verlauf.

In einem der größten zusammenhängenden Auwald-Gebiete Europas soll unter wissenschaftlicher Begleitung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) aus Kultur- wieder Naturlandschaft werden. Neben Raum für Flora und Fauna soll so auch ein Puffer für Hochwasser entstehen.

"Mehr als 100 Projekte der vergangenen Jahre zeigen es: Auen mit überschwemmbaren Flächen verringern die Hochwassergefahr", sagt Professor Bernd Cyffka. Die Dynamisierung der Donau-Auen zwischen Neuburg und Ingolstadt bildet derzeit sein Hauptforschungsgebiet. Cyffka ist sowohl Stiftungsprofessor für Angewandte Physische Geographie an der KU als auch Leiter des 2005 gegründeten Neuburger Aueninstituts. Dieses soll zu einem Zentrum der Auenforschung in Deutschland ausgebaut werden, auch um den Austausch rund um das Thema "Auen" zu fördern.

So trafen sich nun über 100 Fachleute von Behörden, Hochschulen und Kommunen in Neuburg zur dritten bayerischen Auenkonferenz des Landesamtes für Umwelt. Auf der Tagesordnung standen ein halbes Dutzend Praxisbeispiele, wie etwa die Renaturierung von Auen an der Isar zwischen Freising und Moosburg. Dort wurden Deiche, die bislang nah am Fluss verliefen, zurückverlegt und so 1000 Hektar Aue wiederhergestellt. Zwischen Neuburg und Ingolstadt wählt man für mehr als die doppelte Fläche einen anderen Weg: Zum einen wird parallel zum aktuellen Flussverlauf ein Umgehungsgewässer entstehen, das zum Teil in Altarmen der Donau verläuft. Zum anderen wird über eine zweite Ausleitung mehrmals jährlich der Auwald gezielt geflutet werden, um einen naturnahen Zustand zu erreichen.

Cyffka sieht seine Aufgabe und die des Aueninstituts in der Moderierung dieses Prozesses. Denn gleichzeitig gilt es, sowohl die europäische Wasserrahmenrichtlinie zu berücksichtigen als auch den Schutz des europäischen Naturerbes zu gewährleisten. Das bayerische Auenprogramm will diese beiden Aspekte miteinander vereinen, indem intakte Auen wirksamen Schutz vor Hochwasser bieten und gleichzeitig der besonders gefährdete "Lebensraum Aue" geschützt bzw. wiederhergestellt wird. Professor Cyffka schätzt, dass die erste Flutung Ende 2008 möglich sein kann.

Bis dahin gilt es, eine Inventur im Auwald durchzuführen. Das so genannte Monitoring bildet eine Hauptaufgabe in der wissenschaftlichen Begleitung dieses Großprojekts. Welche Flora und Fauna sind vorhanden, bevor der Auwald geflutet wird, welche Arten siedeln sich danach an? Wie ist der Boden beschaffen? Wo versickert das Wasser? Cyffkas Schwerpunkt bildet derzeit die Erfassung des Ist-Zustandes der Vegetation. Als Kooperationspartner des Aueninstituts erfassen Wissenschaftler der TU München ergänzend dazu die Verbreitung von Kleintieren und Vögeln im Untersuchungsgebiet.

Nach der Flutung der Aue gilt es für Cyffka und seine Mitarbeiter, unter anderem den Verlauf des Wassers, die fluviale Morphologie zu beobachten: "Niemand weiß genau, wie viel Wasser auf rund acht Kilometern Länge versickern wird. Das Projekt ist auch ein großer Freilandversuch, der aus wissenschaftlicher Sicht sehr spannend ist." Die Veränderungen durch die Flutung der Aue sollen detailliert festgehalten werden, um als Basis für vergleichbare Projekte zur Verfügung zu stehen.

Constantin Schulte Strathaus | idw
Weitere Informationen:
http://www.aueninstitut-neuburg.de

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