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Ringwadenfischerei gefährdet Babydelfine

27.03.2007
Delfin-Bestände im Ostpazifik erholen sich nicht

Trotz alternativer Fangmethoden in der Thunfischfischerei haben sich die Bestände von Flecken- und Spinnerdelphinen im östlichen Pazifik nicht erholt. Das ergibt eine Untersuchung der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und des Blue Ocean Institute, bei der die Wissenschafter ein Gebiet von 21 Mio. Quadratkilometern untersucht haben. Eine der Ursachen für die schlechte Regeneration der Delfinpopulation ist die Ringwaden-Methode, die gezielt bei der Thunfischjagd eingesetzt wird und Delfinbabys von ihren Müttern trennt.

Die Ringwaden-Methode gilt eigentlich als delfinschonend und gefährdet dennoch die Fortpflanzung der Meeressäuger. Im östlichen Pazifik jagen Delfine meist im selben Gebiet wie Gelbflossen-Thunfische nach kleineren Fischen und werden daher von den Fischern als Indikator für einen Thunfischschwarm betrachtet. Die Fangflotten treiben die Delfine mit Schnellbooten zusammen und fangen sie in den Netzen, die für das eigentliche Fangziel - den Thunfisch - bestimmt sind. Die Netze sind so gestaltet, dass nur die Delfine, nicht aber die Thunfische entkommen können. "Der Einsatz dieser Netze ist nur möglich, wenn die Tiere zuvor bis zur Erschöpfung gejagt wurden. Bei dieser Hetzjagd können Delfinmütter aber den Kontakt zu ihrem Nachwuchs verlieren," sagt Carl Safina vom Blue Ocean Institute. Die Wissenschafter konnten bei ihren Untersuchungen säugende Mütter aber keine Babydelfine in den Netzen der Fischer beobachten.

"Wenn sich die Mütter und die Babys nicht wieder finden, ist es wahrscheinlich, dass die Jungtiere sterben. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies zur bestehenden Bedrohung der ostpazifischen Delfine beiträgt", sagt Antje Helms, Meeresbiologin bei Greenpeace, im Gespräch mit pressetext. Daneben spielt für Helms die illegale Fischerei im Pazifik eine wichtige Rolle: "Nicht alle Fischereikonzerne können von sich behaupten, dass sie kontrollierte, delfinfreundliche Methoden einsetzen. Es kommt immer wieder zu enormen Beifängen. Neben ausgewachsenen Delfinen werden auch Meeresschildkröten und Seevögel getötet. Wir müssen von diesen Fangmethoden wegkommen, das hat nichts mit Nachhaltigkeit zu tun." Ein Umdenken ist nicht nur für den Erhalt des Delfinbestands wichtig, da mittlerweile auch die Thunfischpopulationen durch die Überfischung der Ozeane gefährdet sind. "Viele Menschen haben noch nicht das Bewusstsein dafür entwickelt, dass auch der Thunfisch bedroht ist. Dies sollte bedacht werden, wenn man im Supermarkt eine Dose delfinfreundlich gefangenen Thunfisch kauft", sagt Helms.

Wie delfinfreundlich selbst extra gekennzeichnete Thunfischprodukte wirklich sind, führt immer wieder zu Diskussionen. So garantiert beispielsweise das "Dolphin Safe International Monitoring Programme" des Earth Island Institute (EII) http://www.earthisland.org/ , dass Delfine im östlichen tropischen Pazifik während des Thunfischfangs nicht absichtlich gejagt, umkreist oder einfangen und damit nicht versehentlich verletzt oder getötet werden. Obwohl das EII-Label auf Thunfischprodukten in der Europäischen Union etabliert ist, können Konsumenten nicht immer auf die Aussagekräftigkeit der Kennzeichnungen vertrauen. Das EII-Label gilt nur für Thunfisch, der im östlichen tropischen Pazifik gefangen wurde und verliert seine Gültigkeit, sobald die Herkunft der Produkte nicht mehr eindeutig nachvollziehbar ist. "In der EU ist die Kennzeichnung der Thunfischprodukte leider sehr unübersichtlich und kompliziert. Ich kann deshalb nur empfehlen, generell auf Thunfischprodukte zu verzichten. Das schont die Delfine und den Thunfisch", sagt Helms.

Hannes Richter | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://swfsc.noaa.gov/
http://www.blueocean.org/
http://www.greenpeace.at/

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