Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie oft eine Flut kommt und wie lange sie bleibt

22.02.2007
Schwebfliegen, Heuschrecken oder Muscheln geben dem Biologen Prof. Dr. Frank Dziock wichtige Hinweise über den Zustand von Flusslandschaften

Frank Dziock hat zu Heuschrecken ein gänzlich anderes Verhältnis als Deutschlands Vizekanzler Franz Müntefering. Für den Politiker sind sie nichts als Verderben bringende Ungeheuer, für den Biologen Dziock dagegen ausgesprochen wichtige Tierchen, an denen sich wunderbar Veränderungen in Ökosystemen beobachten lassen. Frank Dziocks Forschungsgebiet ist die Biodiversitätsdynamik terrestrischer Ökosysteme. Der Juniorprofessor beschäftigt sich also mit den Veränderungen der Artenvielfalt und der Vielfalt biologischer Lebensgemeinschaften von Ökosystemen auf dem Land.

Aktuell bereitet Frank Dziock zusammen mit dem Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ ein Projekt vor, in dem untersucht werden soll, wie sich das Ökosystem Auenlandschaft bei Roßlau an der Elbe in Sachsen-Anhalt nach Deichschlitzungen verändert. Dafür stellt Dziock Heuschrecken nach. "Im Sommer 2006 wurde bei Roßlau die erste Deichschlitzung an der Elbe überhaupt vorgenommen. Damit soll der Elbe wieder mehr Raum gegeben werden, um sich besonders in Zeiten des Hochwassers ausbreiten zu können. Vor der Deichschlitzung haben wir die Heuschrecken sowohl auf den Flächen erfasst, die schon immer überschwemmt wurden und die bisher nicht überschwemmt wur-den, weil sie der Deich schützte. Jetzt werden wir untersuchen, welche Veränderungen sich auf den Flächen ergeben, die zu den Überschwemmungsgebieten hinzugekommen sind. Durch den Vergleich der Areale wird man erforschen können, welche dynamischen Veränderungen sich durch solche menschlichen Eingriffe in der Biodiversität vollziehen", erklärt Frank Dziock.

Bioindikation - ein Mittel zur Prognose

Dieses Vorhaben fußt auf einem Projekt des UFZ, an dem Dziock vor seiner Zeit an der TU Berlin mitarbeitete und in dessen Ergebnis ein bisher einmaliges Bioindikationssystem für Auenlandschaften erstellt wurde. Dieses Bioindikationssystem trifft unter anderem Aussagen darüber, wie lange und in welchen Abständen die Auenlandschaft der Elbe überflutet ist. "Über vier Jahre wurden nach der großen Elbeflut 2002 60 Flächen untersucht. Unsere Parameter waren die Überschwemmungsdauer in Wochen für eine Fläche und der Grundwasserflurabstand, also der Abstand von der Bodenkante bis zum Grundwasser. Diese Parameter wurden den auf der Fläche vorkommenden Arten zugeordnet. So haben wir zum Beispiel auf einer Fläche, die durchschnittlich 12,3 Wochen überflutet ist, eine bestimmte Laufkäferart ausgemacht. Vom Vorkommen dieser Laufkäferart kann nun bei einem unbekannten Flurstück darauf geschlossen werden, dass sie durchschnittlich zwölf Wochen überschwemmt ist. Neben den Bioindikatoren wie Käfer wurde dieses gleiche Verfahren auch auf die Bioindikatoren Schwebfliegen, Muscheln und bestimmte Pflanzen angewandt, so dass auf Grundlage unserer Daten aus dem Vorkommen einer Art oder einer Artenkombination auf ganz bestimmte Umweltbedingungen geschlossen werden kann", erläutert Frank Dziock.

Die Bioindikation versetzt Wissenschaftler wie Dziock in die Lage, prognostizieren zu können, wie sich ein Ökosystem durch Eingriffe verändern wird. "Wir kennen jetzt den Zusammenhang zwischen Hydrologie und Artenvorkommen und werden im Folgenden hoffentlich auch untersuchen können, ob unsere Prognosen stimmen." Bioindikation und Prognose, die Wirkung von Extremereignissen und Klimawandel auf die Biodiversität markieren denn auch die zwei Pfeiler seiner Forschungen.

Neben seiner Berufung als Juniorprofessor war Frank Dziock noch ein anderer Erfolg beschieden. 2004 entdeckte der 37-Jährige eine bisher unbekannte Schwebfliegenart. Er gab ihr den Namen Brachyopa silviae - Silvias Baumsaftschwebfliege. Eine Liebesbekundung für seine Frau.

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/presse/pi/2007/grafik/pi42.jpg

Weitere Berichte zu: Auenlandschaft Elbe Heuschrecken Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise