Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nur Hering und Makrele dürfen noch auf den Tisch

21.02.2002


Greenpeace-Einkaufsratgeber belegt katastrophale Situation der Fischbestände.

Angesichts der dramatischen Überfischung der Meere ist zur Zeit bei Seefischen nur der Kauf von Heringen und Makrelen akzeptabel. Das ist das erschreckende Fazit eines von Greenpeace herausgegebenen Einkaufsratgebers. Die Liste "Fisch & Facts" informiert über die aktuellen Bestände der 35 wichtigsten Speisefische und Meeresfrüchte aus aller Welt sowie über zerstörerische Fang- oder Zuchtmethoden. Neben Hering und Makrele sind noch der Verzehr von Karpfen und Tieren aus Bio-Aquakulturen unproblematisch.

Bei den meisten Fischarten ist die Situation ökologisch "kritisch" bis "katastrophal". Vor allem die Befischung der beliebten Arten mit magerem Fleisch wie Alaska-Pollack, aus dem z.B. Fischstäbchen hergestellt werden, zerstört das Ökosystem bestimmter Meeresregionen. In Europas Meeren werden besonders die wertvollen so genannten Grundfische wie Kabeljau, Seehecht, Schellfisch, Scholle und Seezunge viel zu oft aus dem Wasser gezogen. Zwar können auch Heringe und Makrelen überfischt werden, aber im Vergleich schneiden diese Arten im Moment als "akzeptabel" ab. Ostsee-Heringe sind allerdings mit Schadstoffen belastet.

Auch Fisch aus der Zucht, sogenannten Aquakulturen, ist oft keine Alternative, weil etwa für das Futter für Lachse und Forellen die Meere ebenso rücksichtslos geplündert werden. Fisch aus Bio-Aquakulturen ist zu empfehlen, aber erst selten im Handel. Die Betriebe richten sich nach strengen Auflagen (z.B. durch Naturland) und werden regelmäßig auf ihre nachhaltige Bewirtschaftung überprüft. Die Zucht von Karpfen ist ebenfalls relativ unbedenklich.

Der Fisch-Einkaufsratgeber liegt dem neuen "Greenpeace-Magazin" bei, das Ende der Woche erscheint. Die Tabelle soll regelmäßig überarbeitet werden. Sie stützt sich auf aktuelle Angaben u.a. der Bundesforschungsanstalt für Fischerei und der Welternährungsorganisation FAO.

"Wir haben hier die Quittung für die verfehlte Fischerei-Politik der letzten Jahrzehnte. Die Plünderung der Meere wird nicht gestoppt, die EU versagt", sagt Thomas Henningsen, Greenpeace-Meeresexperte. Die EU-Kommission und das deutsche Verbraucherministerium drängen zwar inzwischen auf eine nachhaltige Fischerei und stehen damit im Einklang mit den Greenpeace-Forderungen. Dazu gehören etwa die Verkleinerung der Fangflotten, die Einrichtung von Schutzgebieten und die Verringerung der Beifänge. Unter Beifang versteht man die unerwünschten Tiere im Netz, die tot oder halbtot wieder über Bord geworfen werden.

Aber nach Meinung von Greenpeace konnten sich die EU-Kommission und die deutsche Delegation gegenüber dem Fischereirat der EU nicht durchsetzen. Der setzte für 2002 Fangmengen fest, die zum weiteren Niedergang der europäischen Fischerei führen werden. Greenpeace kritisiert zudem, dass die EU das Problem der Überfischung der eigenen Meere nicht löst, sondern verschleppt. Neue Fischereiabkommen sollen europäischen Fischern den Zugang in die Gewässer auch von Entwicklungsländern sichern. Dort sind die Kontrollen meist noch schlechter als in Europa.

Astrid Haas | ots
Weitere Informationen:
http://www.greenpeace-magazin.de/

Weitere Berichte zu: Bio-Aquakulturen Fischerei Makrele Zucht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Enzian oder Spitzwegerich – wer gewinnt in den Alpen, wenn es wärmer wird?
04.11.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie