Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kieler Forscher sehen Küsten durch Meeresspiegelanstieg bedroht

02.02.2007
Die heute (2.2.) in Paris veröffentlichte Zusammenfassung des 4. Klimaberichts des Umweltrates der Vereinten Nationen unterstreicht die zunehmende Veränderung des Weltklimas.

Beobachtungen der letzten Jahre zeigen insbesondere einen stärkeren Anstieg des Meeresspiegels, aber auch eine dramatische Beschleunigung der Erderwärmung. Die Temperaturzunahme der letzten 50 Jahre ist doppelt so hoch wie in den letzten 100 Jahren. Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel haben die bedeutende Rolle des Ozeans im Weltklimageschehen für den UNO-Bericht herausgearbeitet. Dazu gehören neue Erkenntnisse über den Ausmaß des Meeresspiegelanstiegs, das Verhalten des Golfstroms wie auch Änderungen in der Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre.

Norddeutschland, Winter 2100. Küstenbewohner der Nordsee sehen dem nächsten Wintersturm mit mulmigem Gefühl entgegen. Auch die mittlerweile erhöhten Deiche bieten keinen sicheren Schutz vor der zu erwartenden schweren Sturmflut. Nordseeinseln wie Sylt befürchten weitere massive Landverluste. Was sich Anfang des Jahrhunderts schon abzeichnete, ist jetzt grauer Alltag. Die Winter sind fast immer mild, regenreich und stürmisch, der Meeresspiegel ist im Durchschnitt fast einen Meter höher als noch vor 100 Jahren. Mit teuer erkauften Küstenschutzmaßnahmen ist es gelungen, größere Landverluste zu vermeiden, anderswo in der Welt mussten dagegen tiefer gelegene Gebiete und flache Eilande evakuiert werden. Solche Szenarien sind Interpretationen dessen, was die nackten Zahlen des 4. Klimaberichtes der Vereinten Nationen aussagen.

Die heute vorgestellten Ergebnisse stellen die umfangreichste wissenschaftliche Analyse des aktuellen Kenntnisstands dar. "Was wir jetzt feststellen müssen ist, dass es keinen Zweifel mehr an dem vom Menschen verursachten Klimawandel gibt", so Prof. Jürgen Willebrand vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), Hauptautor des Kapitels zum Verhalten der Ozeane und des Meeresspiegels . Der von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene "Intergovernmental Panel on Climate Change" (IPCC) stellt unter anderem fest, dass der Meeresspiegel seit 1993 durchschnittlich um 3 mm pro Jahr gestiegen ist. Davon ist mehr als die Hälfte durch die Erwärmung der Ozeane und die daraus folgende Ausdehnung des Meerwassers verursacht worden. "Für die letzten zehn Jahre haben wir ein sehr gutes Bild davon, welche Faktoren eine maßgebliche Rolle in der Veränderung des Meeresspiegels spielen. Das Abschmelzen der Gebirgsgletscher trägt ein Viertel dazu bei, während das Abschmelzen der polaren Eisschilde für weitere 15% verantwortlich ist", beschreibt Prof. Willebrand die Ergebnisse der umfangreichen Studie. Beruhigend für Nordeuropäer ist die Feststellung, dass der Golfstrom bisher stabil geblieben ist.

Der neue Klimabericht stellt fest: Es ist sehr wahrscheinlich, dass vom Menschen ausgestoßene Treibhausgase (hauptsächlich Kohlendioxid) den Grossteil der Erwärmung der letzten 50 Jahre verursacht haben. Weiterhin ist es äußerst unwahrscheinlich, dass die Erwärmung des Ozeans und der unteren Atmosphäre, wie auch das zunehmende Abschmelzen von Polareis, allein durch eine natürliche Klimavariabilität erklärt werden können.

Kieler Meereswissenschaftler weisen auf zukünftige ozeanische Prozesse und ihre Auswirkungen auf den vom Menschen eingeleiteten Klimawandel hin. "Die Ozeane sind das Gedächtnis unseres Klimas. Sie verzögern jede Änderung um Jahrzehnte", so Willebrand weiter. "Selbst wenn heute Maßnahmen zur Reduzierung der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung getroffen werden, greifen diese erst in 30 bis 40 Jahren." Dennoch können wir den weiteren Verlauf der Umweltänderungen noch maßgeblich beeinflussen. Abhängig von unserem Verhalten heute wird die globale Mitteltemperatur in den nächsten 100 Jahren zwischen ein und sechs Grad ansteigen. Auch das Ausmaß des Meeresspiegelanstiegs kann eingeschränkt werden, engagiertes Handeln vorausgesetzt.

Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen Willebrand, IFM-GEOMAR, Tel.: 0431 600-4000, jwillebrand@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock, (Öffentlichkeitsarbeit) Tel.: 0431 600-2802, avillwock@ifm-geomar.de

Mona Botros, Dipl.-Journ., (Öffentlichkeitsarbeit) Tel.: 0431 600-2807, mbotros@ifm-geomar.de

Hintergrundinformation:
Seit 1988 wird vom Klimarat der Vereinten Nationen, dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), einem gemeinsamen Programm der World Meteorological Organisation (WMO) und dem United Nations Environment Programme (UNEP), regelmäßig der aktuelle Kenntnisstand des Weltklimas und seine mögliche weitere Entwicklung zusammen getragen.

Das IPCC hat die Aufgabe, in regelmäßigen Abständen (etwa 5 Jahre) den Zustand des Klimasystems und seine Auswirkungen auf die menschlichen Gesellschaftssysteme festzustellen und Möglichkeiten der politischen Gegensteuerung zu benennen. Das IPCC betreibt keine eigene Forschung, sondern bedient sich der veröffentlichten wissenschaftlichen Literatur. Seine Berichte werden im Wesentlichen durch Wissenschaftler erstellt, die im Welt-Klimaforschungsprogramm (WCRP) tätig sind. Die ersten drei Berichte wurden 1990, 1995 und 2001 veröffentlicht.

Mona Botros | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipcc.ch
http://www.ifm-geomar.de/fileadmin/ifm-geomar/fuer_alle/institut/PR/ar4_detail.pdf
http://www.wcrp.wmo.int

Weitere Berichte zu: IPCC Meeresspiegel Meeresspiegelanstieg Ozean

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE