Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bonner Wissenschaftler erforschen "Witwenland"

26.01.2007
Mit der nachhaltigen und umweltgerechten Nutzung von Feuchtgebieten beschäftigt sich ein neues Forschungsvorhaben, das von der Volkswagenstiftung mit fast 400.000 Euro unterstützt wird. Das Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn koordiniert das Projekt gemeinsam mit Forschern aus Berlin, Kenia und Tansania.

Feuchtgebiete nehmen in Afrika südlich der Sahara rund 228 Millionen Hektar ein. Beinahe ungenutzt und wenig erforscht sind die kleinen Feuchtgebiete in Ostafrika, die alleine in Tansania und Kenia etwa 12 Millionen Hektar umfassen.

Trotzdem übernehmen die saisonal unter Wasser stehenden Gebiete wichtige Funktionen als Speicher für Wasser und Kohlenstoff. Außerdem beherbergen sie viele Arten, die sonst nirgendwo vorkommen. Häufig erachten einheimische Stämme die Flächen als minderwertig und geben sie beispielsweise an Witwen ab, die das Land für den landwirtschaftlichen Eigenbedarf nutzen.

Durch das große Bevölkerungswachstum in Afrika kommt es heute jedoch zu einer immer intensiveren Bewirtschaftung der Feuchtgebiete, um die wachsenden städtischen Märkte mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Gerade die Zentren der Gebiete eignen sich für den Anbau von Reis, während an den trockeneren Randgebieten Gemüse wächst. Aber auch die internationale Schnittblumenindustrie hat die Vorteile der Feuchtgebiete entdeckt und nutzt sie zum großflächigen Anbau. "Die demographischen und ökonomischen Entwicklungen verstärken zunehmend den Druck auf diese Gebiete", erklärt Professor Dr. Mathias Becker vom Bonner Institut für Nutzpflanzenwirtschaft und Ressourcenschutz, der das Projekt koordiniert. "Dadurch kommt es zu Konflikten, diese Tendenz mit den ökologischen und sozialen Funktionen in Einklang zu bringen."

Ziel des Projektes ist es, Konzepte zu entwickeln, die die Vielfalt des Gebietes als Ökosystem und die veränderten Rahmenbedingungen der Nutzung berücksichtigen. "Bislang gibt es noch keine konkreten Handlungsoptionen, wie sich die notwendige Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion mit den Vorgaben der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes vereinbaren lässt", erläutert Becker. Zu Beginn wollen die Forscher vor Ort die Größe der einzelnen Feuchtgebiete messen, ihren Artenreichtum erfassen, Wasser- und Nährstoffflüsse messen und das landwirtschaftliche Nutzungspotenzial der Fläche bestimmen. Anhand dieser Daten wählen die Wissenschaftler die repräsentativsten Feuchtgebiete aus und erstellen ein umfangreiches Modell zur sinnvollen und umweltgerechten Nutzung.

"Wir möchten mit unserer Arbeit vor allem Entscheidungshilfen liefern und verdeutlichen, wie wertvoll diese Flächen sind", sagt Becker. "Die Förderung durch die Volkswagenstiftung zeigt uns, dass wir im richtigen Trend liegen. Denn obwohl die Feuchtgebiete bislang als Stiefkinder der Agrarforschung betrachtet wurden, beschäftigen wir uns mit dem Thema schon seit langer Zeit."

Kontakt:
Professor Dr. Mathias Becker
Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz
Universität Bonn
Telefon: 0228/ 73-4001
E-mail: mathias.becker@uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Feuchtgebiet Kenia Ressourcenschutz Volkswagenstiftung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten