Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rothirsch, Igel, Spatz & Co - so werden sie mit dem warmen Winter fertig

15.01.2007
Ein Überblick der Deutschen Wildtier Stiftung

Eindeutige Gewinner und Verlierer bei den Wildtieren wird es aufgrund des warmen Winters nicht geben. Aber alle Arten, die jetzt aufgrund der milden Temperaturen ungewöhnliche Entwicklungsvorsprünge haben, sind bei einem verspäteten Wintereinbruch stark gefährdet. Diese Einschätzung vertritt die Deutsche Wildtier Stiftung aufgrund langjähriger Beobachtungen.

"Der normale Rhythmus vieler Tierarten ist kräftig durcheinander gekommen; davon profitieren kurzfristig einige Wildtierarten; andere sind dabei eher die Verlierer", erklärt Dr. Dieter Martin von der Forschungsstation Klepelshagen der Deutschen Wildtier Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern. "Entscheidend ist, wie sich das Klima in den nächsten Jahren entwickelt. Wenn sich die Temperaturen und die Zeitabfolge der Winter dauerhaft ändern, hat das weitreichende Auswirkungen auf die Tierwelt und das natürliche Gleichgewicht in den Lebensräumen".

Winterschläfer

... mehr zu:
»Igel »Rothirsch »Spatz »Winterschlaf

"Verlierer" sind alle Wildtiere, die eigentlich Winterschlaf halten. Denn der Winterschlaf wird durch die Absenkung der Außentemperaturen eingeleitet. Vor dem Winterschlaf fressen sich diese Tiere ihre Fettreserven an, um den Winter ohne Nahrungsaufnahme überstehen können. Weil sich der Beginn des Winterschlafs verschiebt, sind Igel und Fledermäuse derzeit noch aktiv. Diese Tiere müssen jetzt schon teilweise auf die Energiereserven zurückgreifen, weil sie weniger Nahrung, z.B. Würmer, finden. Sie haben deshalb im Winter weniger Reserven. Auswirkungen können sich im Frühjahr zeigen.

Üblicherweise paaren sich die Winterschläfer, nachdem sie aus ihrem Winterschlaf erwacht sind. Wenn dieser natürliche Rhythmus durcheinander kommt, kann es leicht passieren, dass die Paarung entweder nicht oder viel zu früh stattfindet. Dies würde zu erheblichen Problemen für den Nachwuchs führen, wenn es doch noch einen Kälteeinbruch gibt: die Jungen könnten erfrieren oder verhungern, weil nicht genügend Nahrung zur Verfügung steht.

Schalenwild

"Gewinner" ist auch das Schalenwild wie z.B. Reh oder Rothirsch, das zur Zeit ausreichend Futter findet und es nicht unter dem Schnee herauskratzen muss.

Singvögel

Überhaupt ist ein möglicher Kälteeinbruch für viele Tiere die größte Gefahr. Einige Singvögel wie Meisen, Drosseln und Spatzen sind bereits wieder in Brutstimmung und suchen nach Nistmöglichkeiten. Ihre Gelege erfrieren aber, wenn doch noch ein kalter Winter kommt.

Greifvögel

Aber es gibt nicht nur "Verlierer" bei den Wildtieren. Einige Arten profitieren auch kurzfristig vom ausbleibenden Winter. So sind einige Greifvögel im Moment die "Gewinner" der milden Temperaturen. Oft haben z.B. Mäusebussarde oder Schleiereulen in kalten Wintern erhebliche Probleme bei der Futtersuche, viele Tiere müssen verhungern. Im Moment finden sie ein reichhaltiges Nahrungsangebot bei den Mäusen.

Zugvögel

Ein Teil der Zugvögel hat den Weg in den Süden aufgrund der Wärme ausfallen lassen. Viele Kraniche und Gänse sind in Deutschland geblieben. Sie sind im Frühjahr eher als die weit gereiste Konkurrenz an den Brutplätzen und haben so echte Standortvorteile.

Schmetterlinge

Ganz unterschiedliche Auswirkungen haben die zu hohen Temperaturen auch auf die Schmetterlinge. Die Totenkopffalter kommen im Sommer aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland und legen hier ihre Eier ab. Die Kokons erfrieren normalerweise im Winter. Wenn dies dieses Mal nicht passiert, können diese wunderschönen Tiere auch hier in Deutschland ihren Lebensraum dauerhaft erschließen. Andere Schmetterlingsarten dagegen werden noch seltener zu sehen sein, weil wegen der ungewöhnlichen Temperaturen die Nahrungsketten unterbrochen sind und die nötigen Lebensbedingungen für die Entwicklung der Eier fehlen.

Insekten

"Gewinner" werden auf jeden Fall die Insekten sein. Denn aufgrund der milden Temperaturen können sich die Gelege gut entwickeln. Das wird insektenfressende Tiere wie die Vögel sehr freuen, weil sie damit ein gutes Nahrungsangebot im Sommer haben werden.

Weitere Informationen: Birgit Radow, Tel. 040 / 73 33 92 29.

Die gemeinnützige Deutsche Wildtier Stiftung mit Sitz in Hamburg wurde 1992 von Haymo G. Rethwisch gegründet. Ihr Ziel ist es, einheimische Wildtiere in ihren natürlichen Lebensräumen zu fördern und erlebbar zu machen. Schirmherr der Deutschen Wildtier Stiftung, die zu den bedeutendsten Stiftungen für Natur- und Wildtierschutz in Europa zählt, ist Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog.

Pressekontakt
Deutsche Wildtier Stiftung: Birgit Radow, Geschäftsführerin, Billbrookdeich 210, 22113 Hamburg, Telefon: 040 / 73 33 93 31, Fax: 040 / 7 33 02 78, B.Radow@DeWiSt.de, http://www.DeutscheWildtierStiftung.de

Sven Holst | idw
Weitere Informationen:
http://www.DeutscheWildtierStiftung.de

Weitere Berichte zu: Igel Rothirsch Spatz Winterschlaf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften