Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Helmholtz-Zentren unterzeichnen Vertrag mit UN - neue Forschungsinitiative "Risikolebensraum Megacity"

29.11.2006
Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft haben am Mittwoch einen Kooperationsvertrag mit der UN-Organisation ECLAC/CEPAL zur Forschung in lateinamerikanischen Stadtregionen abgeschlossen.

Die ECLAC/CEPAL ist die Kommission der Vereinten Nationen für die Ökonomische Entwicklung Lateinamerikas und der Karibik. Die neue Forschungsinitiative "Risikolebensraum Megacity" will bis 2013 Strategien für eine nachhaltige Entwicklung in Megastädten und Ballungsräumen entwickeln. An ihr sind neben fünf Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft (Forschungszentrum Karlsruhe, GeoForschungsZentrum Potsdam, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig) und zwei Universitäten aus Chile (Universidad de Chile, Pontificia Universidad Católica) nun auch die UN-Kommission für Lateinamerika (ECLAC/CEPAL) beteiligt.

An der Forschungsinitiative werden etwa 40 Wissenschaftler mit einem Etat von rund 2 Millionen Euro pro Jahr arbeiten. Die Verstädterung ist in Lateinamerika weit voran geschritten. Der Anteil der städtischen Bevölkerung übersteigt den Europas und liegt weitaus höher als in Asien oder Afrika. Der anhaltende Trend birgt neue Risiken und Chancen.

Die Zahlen sind dramatisch: Schätzungen der UN zufolge werden sich 90 Prozent des künftigen Bevölkerungswachstums in Städten konzentrieren. Bereits in zehn Jahren wird es über 60 Städte mit mehr als fünf Millionen Einwohnern geben - überwiegend in Entwicklungsländern. Nicht nur die Städte nehmen immer größere Dimensionen an, auch die ökologischen Auswirkungen dieser Urbanisierung sind gigantisch. Städte bedecken zwar nur zwei Prozent der Erdoberfläche, aber dort werden 75 Prozent der Ressourcen verbraucht. Drängende Umweltprobleme wie Abfallberge und Wasserverschmutzung sind die Folge dieser Entwicklung.

Deshalb untersuchen jetzt fünf Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft und Partnerorganisationen in Lateinamerika diese Prozesse näher. Im Fokus der vom Leipziger UFZ koordinierten Forschungsinitiative steht der "Risikolebensraum Megacity". Denn die Bewohner dieser Riesenstädte sind oft neben Naturgefahren wie Hangrutschen, Erdbeben oder Fluten auch den Gefahren durch das enorme soziale Gefälle und durch technische Risiken wie beispielsweise mangelnder Trinkwasserversorgung ausgesetzt. Probleme, die sich auch auf Mitteleuropa auswirken werden. Megastädte tragen durch die Luftverschmutzung zum globalen Klimawandel bei. Unzureichende hygienische Bedingungen sorgen dafür, dass das Risiko des Ausbrechens von Epidemien extrem ansteigt. Die Ängste vor einer Verbreitung der Vogelgrippe durch Flugpassagiere lassen erahnen, welche Gefahren in einer globalisierten Welt auch Bewohnern anderer Regionen durch diese Risikogebiete drohen. Dazu kommt noch, dass der Immigrationsdruck auf Länder in Europa wächst - Beispiel illegale Einwanderer aus Afrika an der Südgrenze der EU im Mittelmeerraum.

Der Schwerpunkt der Forschungsinitiative liegt auf den Metroplen Lateinamerikas. 76 Prozent der Bevölkerung dort leben bereits in Städten. In Europa sind es 75,5. In Südostasien und Afrika dagegen nur jeweils 35 Prozent. In Lateinamerika sind also jetzt schon Prozesse sichtbar, die den Städten anderer Kontinente noch bevorstehen. Zum Beispiel spielt die Landflucht in die Städte bereits nur noch eine untergeordnete Rolle. Inzwischen ziehen die Einwohner größtenteils innerhalb der Stadt um, was zu einer sozialen Differenzierung führt Hinzu kommt eine wachsende internationale Migration. Bei einer Megacity geht es nicht nur um die Größe und Einwohnerzahl, sondern auch um deren Bedeutung für das Land. Aufgrund der Konzentration von Funktionen hängt von ihr auch die Entwicklung des jeweiligen Landes ab. In Lima oder Buenos Aires konzentriert sich etwa die Hälfte der Wirtschaftskraft des ganzen Landes.

Plattform der Initiative und erste Fallstudie ist die Metropolregion Santiago de Chile. Die Stadt leidet an typischen Problemen einer Megacity und zeigt gleichzeitig potenzielle Lössungen auf. Zusammen mit zwei Universitäten und der UN-Organisation ECLAC/CEPAL wollen die Helmholtzforscher in den nächsten Jahren nach Wegen für eine nachhaltige Entwicklung Santiagos und weiteren Megastädten in Lateinamerika suchen: Was sind die Hauptprobleme? Welche Risiken stehen einer nachhaltigen Entwicklung entgegen? Wie könnte die Stadt eine Generation später aussehen? Dabei wollen die Forscher vor allem die Stärken der Helmholtz-Gemeinschaft einbringen: das Zusammenarbeiten von Natur- und Sozialwissenschaftlern. Auch wenn die Megacity-Forschung noch ganz am Anfang steht, eines ist jetzt schon klar: Einzelne Teilaspekte zu untersuchen reicht allein nicht aus. Nur eine integrierte Gesamtbetrachtung kann helfen, diese drängenden Probleme der Menschheit zu lösen.

Weitere Informationen unter
http://www.risk-habitat-megacity.org/
http://www.risk-habitat-megacity.org/downloads/flyer_german.pdf
http://www.ufz.de/index.php?de=6143
http://www.ingentaconnect.com/content/oekom/gaia/2006/00000015/
00000002/art00019;jsessionid=m4qdvdjo1p3o.alice
Ansprechpartner für die Medien:
Helmholtz-Gemeinschaft:
Thomas Gazlig
Tel: 030 -206 329-57
presse@helmholtz.de
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Doris Böhme / Tilo Arnhold
Tel: 0341 -235-2278
presse@ufz.de
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ wurde 1991 gegründet und beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle/S. und Magdeburg rund 800 Mitarbeiter. Es erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften, insbesondere dicht besiedelten städtischen und industriellen Ballungsräumen sowie naturnahen Landschaften. Die Wissenschaftler des UFZ entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.

Doris Böhme | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=10659

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Den Trends der Umweltbranche auf der Spur
17.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Etablierung eines Zuchtprogramms zum Schutz der letzten Saolas
17.10.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik