Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

SOPRAN: neues Verbundprojekt des BMBF hat den Ozeanwandel im Blick

24.11.2006
Unter Federführung des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel starten Wissenschaftler aus 11 Einrichtungen in Deutschland ein ehrgeiziges Forschungsvorhaben mit der Bezeichnung "SOPRAN" (Surface Ocean Processes in the ANthropocene).

Ziel der Forscher ist ein umfassendes Verständnis von wichtigen Vorgängen im Oberflächenozean während des Anthropozäns, das Zeitalter beginnend mit der Industrialisierung.

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) geförderten Projekts werden Meeres- und Atmosphärenforscher gezielte Untersuchungen über die Wechselwirkungen zwischen der Biologie im Ozean und der Chemie der Atmosphäre vor dem Hintergrund des globalen Klimawandels vornehmen. Zu diesem Zweck hat das BMBF neun Wissenschaftler am IFM-GEOMAR eine Fördersumme von 2,7 Millionen Euro für die Dauer von 3 Jahren zugesprochen. Starttermin für SOPRAN ist der 01. Februar 2007.

Seit dem Beginn der Industrialisierung hat sich die Zusammensetzung der Atmosphäre durch verstärkte Emissionen von Treibhausgasen und zunehmende Luftverschmutzung bedeutend verändert. Auch Einträge von so genannten Aerosolen, mikroskopisch kleine Partikel in der Luft wie zum Beispiel Staub, spielen eine wichtige Rolle im Klimageschehen. Durch einen erhöhten Eintrag von Staubpartikeln steigen die Einträge von Nährstoffen wie Eisen im Oberflächenozean und wirken sich spürbar auf die Produktivität der Meere aus. "Der tropische Atlantik ist für uns besonders interessant, weil wir hier durch die Nähe zum afrikanischen Kontinent die direkten Auswirkungen des Staubeintrags auf den Ozean beobachten können", erzählt Prof. Douglas Wallace, Koordinator von SOPRAN und Meereschemiker am IFM-GEOMAR. "Mit den ersten Daten aus Zeitserien von den kapverdischen Inseln werden wir erkennen können, ob gewisse Vorhersagen von Klimamodellen aufgrund von Umweltveränderungen tatsächlich im Ozean zu messen sind."

Die Forschungen im Rahmen von SOPRAN haben nicht nur die Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre und Ozean aufgrund von Aerosolpartikeln im Blick, sondern auch wichtige Prozesse in Zusammenhang mit Spurengasen. Eine Vielzahl von klimarelevanten Gasen wie CO2 und N2O werden vom Ozean aufgenommen oder abgegeben. Aufgrund des globalen Klimawandels beobachten Forscher eine deutlich vermehrte Aufnahme von CO2 im Meerwasser zum Beispiel. Diese Entwicklung führt zu einer zunehmenden Versauerung des Ozeans mit alarmierenden Folgen für die Organismen im Meer. Kalkbildner wie Korallen, aber auch manche mikroskopisch kleinen Planktonarten, die am Anfang der Nahrungskette stehen, haben immer mehr Schwierigkeiten, ihre Skelette zu bilden.

In SOPRAN werden Meeres- und Atmosphärenchemiker, Biologen, Ozeanographen und Modellierer ihre Fachkräfte bündeln, um ein tieferes Verständnis der komplexen Prozesse zu erlangen. Die geplanten Forschungen orientieren sich an vier übergeordneten Themen: (1) der Einfluss des atmosphärischem Staubeintrags auf den Ozean, (2) die Auswirkungen der Ozeanversauerung auf Meeresökosysteme und mögliche Rückkopplungen auf das Klima, (3) die Produktion und Emission klimarelevanter und luftchemisch-reaktiver Gase im tropischen Ozean und (4) die Austauschprozesse an der Grenzschicht Ozean-Atmosphäre. Am IFM-GEOMAR werden derzeit experimentelle Großgeräte, so genannte Mesokosmen, mit hohem technischem Aufwand entwickelt, um voraussichtliche Veränderungen in der Zukunft direkt im Meer zu simulieren. Im Rahmen von SOPRAN werden auch Daten von neuen Langzeitmessstationen dazu genutzt, um Simulationen von Schlüsselprozessen im Oberflächenozean zu verifizieren.

Im Mittelpunkt von SOPRAN stehen Feldstudien in der Ostsee, im tropischen Atlantik vor der Küste Nordwestafrikas sowie auf den Kapverdischen Inseln. Auf der Insel São Vicente wird auf einer neu errichteten Station eine Datenreihe von luftchemischen und ozeanischen Messungen erhoben. In einer innovativen Kooperation von SOPRAN Partnerinstituten mit kapverdischen Behörden und anderen europäischen Einrichtungen wurde die Station São Vicente vor kurzem aus der Taufe gehoben. Wissenschaftler wollen die vielfältigen Feldstudien durch Laborexperimente, unter anderem in dem Wind- und Wellentunnel "Aeolotron" in Heidelberg, ergänzen. Aufbauend auf die vorhandene Infrastruktur und fachliche Kompetenz in Deutschland soll das Projekt dazu beitragen, wissenschaftliche Grundlagen für eine gesellschaftspolitische Bewertung des Wandels im Ozean und seiner Konsequenzen für das Klima zu erarbeiten.

Kontakt:

Prof. Douglas Wallace, SOPRAN Koordinator, Tel. 0431-600 4200, dwallace@ifm-geomar.de

Mona Botros, Dipl-Journ., Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0431-600 2807, mbotros@ifm-geomar.de

Mona Botros | idw
Weitere Informationen:
http://sopran.pangaea.de
http://www.solas-int.org
http://www.ifm-geomar.de

Weitere Berichte zu: BMBF IFM-GEOMAR Oberflächenozean Ozean SOPRAN

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Die Zerschneidung der Tropenwälder steigert den Ausstoß von Treibhausgasen um weiteres Drittel
30.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE