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Mehr als Käfer fangen und Gräser zählen

21.11.2006
Ökologen der Universität Jena bereiten Einrichtung von "Biodiversitätsexploratorien" vor

Die natürliche Artenvielfalt schrumpft. Das beobachten Biologen weltweit bereits seit Jahren und haben als Hauptverursacher dieses Rückgangs den Menschen ausgemacht. "Durch die unterschiedlichsten Formen der Landnutzung nimmt die Biodiversität ab", weiß Prof. Dr. Wolfgang Weisser. "Dabei handelt es sich jedoch nicht nur um einen Verlust an Arten und Genen", so der Professor für Terrestrische Ökologie von der Friedrich-Schiller-Universität Jena weiter.

Vielmehr sei die Biodiversität auch für zahlreiche bio- und geochemische Prozesse wichtig, die in einem Ökosystem ablaufen. So etwa für die Reinigung des Grundwassers im Boden oder die Stoffkreisläufe beim Auf- und Abbau von organischem Material. "Bisher ist jedoch nicht klar, welche Konsequenzen eine abnehmende Vielfalt an Lebensgemeinschaften auf diese Ökosystemprozesse hat und wie dies durch die Bewirtschaftungsintensität beeinflusst wird", so Prof. Weisser. Die meisten der bisherigen Forschungsaktivitäten zu diesen Themen haben sich auf einzelne Organismen beschränkt und fanden zudem in engen räumlichen und zeitlichen Grenzen statt.

Um diese Lücke in der ökologischen Forschung in Deutschland zu schließen, wollen Prof. Weisser und einige Forscherkollegen nun eine gemeinsame Forschungsplattform schaffen. In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Großprojekt werden dazu deutschlandweit drei so genannte "Biodiversitätsexploratorien" eingerichtet: Gebiete von etwa 100 Quadratkilometern Größe, in denen langfristig das Zusammenspiel von Landnutzung durch den Menschen und Ökosystemprozessen erfasst wird. An dem Projekt beteiligen sich Ökologen aus fünf Forschungseinrichtungen: Neben Wissenschaftlern des Instituts für Ökologie der Universität Jena sind das auch Kollegen des Jenaer Max-Planck-Instituts für Biogeochemie sowie der Universitäten Potsdam, Würzburg und Ulm. Von den insgesamt acht Millionen Euro, mit denen die DFG das Projekt fördert, fließen 2,3 Millionen an die Jenaer Universität. "Das ermöglicht uns insgesamt zehn neue Stellen für die kommenden drei Jahre zu finanzieren", freut sich Prof. Weisser.

Die Exploratorien werden im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg), im Biosphärengebiet Schwäbische Alb (Baden-Württemberg) und in und um den Nationalpark Hainich (Thüringen) eingerichtet und erstrecken sich sowohl über Gras- als auch Waldflächen. "In der ersten Phase, die jetzt startet, wollen wir an etwa 1 000 Punkten in jedem Exploratorium eine Generalinventur des Bodens, der Landnutzung und der Vegetation vornehmen", so Prof. Weisser, der gemeinsam mit dem Deutschen Umweltpreisträger Prof. Dr. Ernst-Detlef Schulze vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie die Arbeiten im Hainich koordiniert.

Nach dieser Vorbereitungsphase sollen ab Sommer des kommenden Jahres aus den 1 000 Punkten pro Exploratorium rund 100 Flächen für die intensivere Erforschung ausgewählt werden. "In diesen wollen wir dann nicht nur beobachten, sondern auch experimentieren", erklärt Ökologe Weisser. So wird beispielsweise der Anteil an Totholz in den Wäldern erhöht, um zu ermitteln, welche Auswirkungen das auf die Stoffkreisläufe hat. Die Eploratorien dienen dabei als Plattform für weitere Projekte, um die sich Forscher aus ganz Deutschland ab 2007 bei der DFG bewerben können.

"Nach drei Jahren wollen wir für die drei Modellgebiete dann fundiertes Kartenmaterial vorlegen, das die vorhandenen Pflanzen-, Tier- und Pilzarten in Abhängigkeit von der Landnutzungsintensität dokumentiert", so Weisser. Anhand der in den Exploratorien gewonnenen Erkenntnisse könnten die Forscher künftig dann erstmals vernünftige Vorhersagen treffen, wie etwa bestimmte Prozesse, die in einem Ökosystem ablaufen, durch die Landnutzung beeinflusst werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Weisser
Institut für Ökologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 159, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949400/410
E-Mail: wolfgang.weisser[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

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