Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bioenergiedorf in Baden-Württemberg startet - Modellprojekt liefert beispielhaften Beitrag zum Klimaschutz

20.11.2006
Deutsche Umwelthilfe fordert Übertragung der Idee auf ländliche Räume in ganz Deutschland - Bund und Länder sollen maßgeschneidert Förderprogramme bereitstellen

Erstmals wird sich mit Mauenheim bei Immendingen ein Dorf in Baden-Württemberg vollständig aus heimischen erneuerbaren Energien versorgen. Im Beisein von Landwirtschaftsminister Peter Haug wird das Bioenergiedorf am heutigen Samstag feierlich eingeweiht. Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) begleitet das Bioenergiedorf Mauenheim seit der Projektidee.

"Der Termin passt gut zum gestrigen Abschluss der Weltklimakonferenz in Nairobi. Denn was immer beim komplexen Verhandlungsmarathon auf UN-Ebene am Ende an Vorgaben zum Klimaschutz entschieden wird, umgesetzt werden muss es vor Ort - überall auf dem Globus", sagte Stefan Bundscherer, Leiter Klimaschutz und Energie, der Deutschen Umwelthilfe. "Mauenheim zeigt beispielhaft, wohin die Reise gehen muss, wenn wir auf diesem Planeten eine angenehme Zukunft haben wollen. Unser Ziel ist die Übertragung dieser Projektidee auf ländliche Räume in ganz Deutschland".

Das Bioenergiedorf Mauenheim besteht aus einem Nahwärmenetz, einer Biogasanlage mit einer installierten Leistung von 250 KW, einem Holzhackschnitzelheizkessel mit 900 KW und einem Nahwärmenetz mit einer Länge von acht Kilometern. Von den 100 Haushalten in Mauenheim haben sich 67 für einen Anschluss an das Nahwärmenetz entschieden. Diese breite Akzeptanz in der Bevölkerung und die Nutzung des Nahwärmenetzes von mehr als zwei Dritteln der Bevölkerung war ausschlaggebend für den Erfolg des Projekt. Mit mehr als zwei Millionen Kilowattstunden Strom und einem Heizöläquivalent von 180.000 Litern aus der Abwärme der Biogasanlage sowie dem Holzhackschnitzelheizwerk, das der Spitzenlast-Wärmeversorgung für die kalte Jahreszeit dient, kann sich das Bioenergiedorf Mauenheim theoretisch zu 100 Prozent mit Wärme selbst versorgen und produziert schon heute das Vierfache seines eigenen Strombedarfs. Mauenheim wird also zum Stromexporteur.

Die beteiligten Unternehmen KCH Biogas und Solarcomplex sowie Clean Energy haben insgesamt 2,3 Millionen Euro investiert. Das Fremdkapital wurde von örtlichen Volksbanken und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bereitgestellt. Das Stuttgarter Ministerium für ländlichen Raum förderte die errichtung des Nahwärmenetzes.

Die DUH sieht in dem Projekt, das nach dem erfolgreichen Modelldorf Jühnde in Niedersachsen das zweite seiner Art in Deutschland ist, ein Modell für den ländliche Gegenden insgesamt. "Bioenergiedörfer stärken den ländlichen Raum und fördern neue Allianzen zwischen Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz", sagte Bundscherer. Auf Basis landwirtschaftlicher und forstwirtschaftlicher regionaler Produkte könne es gelingen, Land- und Forstwirte zu Energiewirten zu machen und den Abfluss von bis zu 200.000 Euro pro Ort an Erdöl exportierende Länder zu beenden. Davon profitiert die regionale Wirtschaft, die die Wertschöpfung vor Ort behält, ebenso wie die gesamte Volkswirtschaft durch eine entsprechende Minderung der nationalen Ölrechnung. Zudem leisten Bioenergiedörfer mit der gemeinsamen Erzeugung von Strom und Wärm in so genannter Kraft-Wärme-Kopplung einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Bundscherer forderte die Bundesregierung und die Landesregierungen auf, vergleichbare Projekte wie in Mauenheim und Jühnde in größerem Rahmen zu unterstützen. Dazu seien maßgeschneiderte Förderprogramme auf beiden Ebenen notwendig. Voraussetzung dafür, dass Bioenergiedörfer in den Genuss derartiger Programme kommen, müsse allerdings die Einhaltung ökologischer Mindeststandards sein. Dazu gehören nach Überzeugung der DUH zum Beispiel der Verzicht auf gentechnisch veränderte Pflanzen, sowie auf Mais-Monokulturen und eine möglichst hohe Energieeffizienz der installierten Systeme.

Stefan Bundscherer | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.duh.de

Weitere Berichte zu: Bioenergiedorf Bioenergiedörfer DUH Klimaschutz Nahwärmenetz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics