Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochwasserrisiko verringern

17.11.2006
Forschungsprojekt zur Hochwasservorhersage und zum Hochwassermanagement an der Universität Potsdam mit 1,6 Millionen Euro gefördert

An der Universität Potsdam ist ein neues Projekt angesiedelt, das sich mit Forschungen zur Verringerung des Hochwasserrisikos beschäftigt. Das Projekt "Operationelle Abfluss- und Hochwasservorhersage in Quellgebieten" (OPAQUE) wird bis zum Herbst 2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,6 Millionen Euro gefördert.

Die Leitung der Forschungen liegt in den Händen der Professoren Axel Bronstert, Professur für Hydrologie und Klimatologie, und Erwin Zehe, Juniorprofessur für Wasser- und Stoffhaushalt komplexer Landschaften, im Institut für Geoökologie. Außer der Universität Potsdam sind unter anderem die Universität Stuttgart, das GeoForschungsZentrum Potsdam und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt.

Extreme Hochwasser bergen extreme Risiken und bedingen große materielle Schäden und oft auch Opfer in der Bevölkerung. Immer wieder stellen sich dann Fragen wie: Wird die Kölner Altstadt überflutet? Halten die Oderdeiche? Was wird mit dem Dresdner Hauptbahnhof? Der Hochwasservorhersage kommt deshalb eine zentrale Rolle bei der Minderung des Hochwasserrisikos zu. Genaue und rechtzeitige Vorhersagen und Warnungen ermöglichen gezielte Rettungseinsätze und Evakuierungen, das Entfernen beweglicher Güter und den teilweisen Schutz von überschwemmungsgefährdeten Objekten.

In den gebirgigen Oberläufen, Quellgebieten, der Flüsse ist die Hochwasserwarnung noch immer nicht befriedigend. Hier entstehen daher auch die größten Sachschäden, und es besteht unmittelbare Gefahr für Leib und Leben. Aufgrund der steilen Topographie und der dort vorhandenen Böden reagieren solche Gebiete nicht nur extrem schnell innerhalb von ein bis zwei Stunden, sondern auch teilweise mit verheerender Gewalt auf extreme Niederschläge. Beispiele dafür sind das Hochwasser an der Weißeritz und den Zuflüssen der Moldau in den Jahren 2002 und 2006 und die extremen Hochwasser im Alpenraum beispielsweise im Sommer 2005.

Extreme Hochwasserreaktionen in Quellgebieten können bereits durch lokale Gewitter verursacht werden. Für eine gute Hochwasservorhersage benötigt man daher Niederschlagsvorhersagen mit hoher Genauigkeit hinsichtlich des Orts, der Zugrichtung und der zeitlichen Entwicklung des Niederschlagsgebiets. Dies ist aufgrund der Topographie und der Dynamik von Gewitterniederschlägen sehr schwierig. Hinzu kommt die sehr ungleichmäßige und sprunghafte Abflussentstehung in Quellgebieten. Außerdem ist der Bau von wirksamen Hochwasserrückhaltebecken in den meist sehr engen Tälern von Quellgebieten entweder nicht mit dem Landschaftsschutz vereinbar oder zu teuer. Somit stellen sich die Fragen, wann, wo, und mit welcher Zuverlässigkeit gewarnt werden kann und welche Gegenmaßnahmen getroffen werden sollen.

Diese Problematik wird durch das Forschungsprojekt OPAQUE wissenschaftlich untersucht. Die Wissenschaftler nutzen dabei neue Technologien und arbeiten mit den operationellen Diensten der Länder Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen sowie mit führenden hydrologischen Forschungseinrichtungen in Deutschland eng zusammen. Zielgebiete sind unter anderem die obere Donau (Schwarzwald), die obere Iller (Allgäuer Alpen) und die Weißeritz im Erzgebirge.

Die Basis für eine verbesserte Hochwasservorhersage bildet vor allem das Niederschlagsradar. Es ermöglicht die hochaufgelöste Beobachtung von Niederschlagsfeldern und eröffnet neue Perspektiven für die Entwicklung der Niederschlagsvorhersage in Quellgebieten. Dies wird flankiert durch die Nutzung neuartiger Technologien zur Beobachtung von Bodenfeuchte und Schneebedeckung sowie die Weiterentwicklung der operationellen Hochwasservorhersagemodelle für die Anwendung in Quellgebieten. Zusätzlich werden Verfahren entwickelt, die eine Frühwarnung vor hochwasserträchtigen Wetterlagen und eine statistische Vorhersage der zu erwartenden Niederschläge für einen Zeitraum von bis zu zehn Tagen liefern sollen. Die entwickelten Werkzeuge zur operationellen Frühwarnung und Hochwasservorhersage bilden die Basis für Hochwassermanagement in den Gemeinden aber auch für die Steuerung der Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken. Da zur Beurteilung eines Hochwasserrisikos zusätzlich zur Eintrittswahrscheinlichkeit auch eine Einschätzung der damit verbundenen Schäden notwendig ist, werden dazu weiterführende Untersuchungen durchgeführt.

Hinweis an die Redaktionen:
Als Ansprechpartner steht Ihnen Prof. Dr. Axel Bronstert aus dem Institut für Geoökologie der Universität Potsdam telefonisch unter 0331/977-2548, E-Mail: axelbron@uni-potsdam.de zur Verfügung.
Weitere Informationen zu OPAQUE sind auf der Homepage des Projekts unter
http://www.uni-potsdam.de/u/Geooekologie/forschung/hydrologie/projekt_opaque.html zu finden.

Andrea Benthien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

nachricht "Brauchen wir das?" Auf dem Weg zu einer umweltgerechten Bedarfsprüfung von Infrastrukturprojekten
09.08.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie