Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Waldreport mit Lichtblick: Wälder wachsen langsam nach

14.11.2006
Regenwälder bleiben allerdings weiterhin bedroht

Die Situation der weltweiten Wälder ist nicht mehr so düster wie noch vor wenigen Jahren. In 22 der 50 waldreichsten Nationen der Welt hat der Waldbestand in den vergangenen 15 Jahren zugenommen. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam in der jüngsten Ausgabe des US-Wissenschaftsmagazins Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS. Allerdings zeigen die jüngsten Daten auch deutlich, dass die Regenwälder Amazoniens und Indonesiens immer noch extrem gefährdet sind. Dort wird weiterhin unaufhaltsam gerodet.

Was die Untersuchung so besonders macht, ist die neue Ausrichtung der Bestandaufnahme. "Wurden früher nur die Waldflächen in die Berechnungen mit einbezogen, sind es heute auch andere Komponenten wie die verfügbare Biomasse und die CO2-Speicherkapazität eines Waldes", so Studienautor Pekka Kauppi von der Universität Helsinki, im pressetext-Interview. Das von den Forschern ausgearbeitete Berechnungskonzept ergebe ein deutlich umfassenderes Bild, da sowohl Flächenänderungen als das Volumen des Baumbestandes miteinbezogen wurden. Die Untersuchung erfolgte nach dem Konzept der Waldstatistiken der UNO und macht auch deutlich, dass die Waldbiomasse und die Menge des aus der Luft entnommenen Kohlendioxids deutlich zugenommen haben.

Die Forscher haben bei der Auswertung auch eine Korrelation zwischen dem Wirtschaftswachstum und dem Waldbestand festgestellt. "In reicheren Ländern kann man einen Wechsel von der Rodung zum Walderhalt deutlich erkennen", führt Kauppi aus. In Staaten mit einem Bruttosozialprodukt von mehr als 4.600 Dollar pro Person pro Jahr werde der Wald als Ressource nachhaltiger genutzt. "Es gibt kein Land der Welt, das aus einer reinen Intention heraus den Wald zerstört. Menschen machen dies aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus", so der Forscher. Wenn die ländliche Bevölkerung arm sei, bleibe ihnen nichts anderes übrig als neues Ackerland für die Subsistenzwirtschaft zu erschließen. "Das war auch in Europa vor 200 oder 300 Jahren nicht anders", meint der Wissenschaftler. Es sei daher dringend notwendig für die ärmsten Länder eine Alternative zu schaffen. Das zentrale Hindernis bei der Erreichung des Wendepunktes liege im raschen Anstieg der armen Bevölkerung.

... mehr zu:
»Regenwald »Urwald »Waldbestand »Waldreport

"Umfassender kommerzieller Holzeinschlag bedeutet aber nicht immer einen Waldschwund", meint der Forscher. Das zeige sich am Beispiel Chinas deutlich. Trotz des starken Waldeinschlags nahm der Waldbestand zu. "Die Qualität der Wälder per se konnte in dieser Untersuchung allerdings nicht ausgewertet werden", so Kauppi. Das bedeute, dass vom Standpunkt der Biodiversität der Kahlschlag eines Urwaldes und das nachherige Wiederaufforsten rasch wachsender Bäume in dieser Untersuchung nicht berücksichtigt werden konnte. Das gelte etwa für die Rodungen der Redwood-Wälder an der Westküste der USA und Kanadas oder auch anderer Urwälder. Als positiv beurteilt der Forscher allerdings das Ergebnis, dass heute bereits ein Drittel des industriellen Holzbedarfs aus angebauten Wäldern bezogen wurde. Bis 2050 werde die Zahl sogar auf drei Viertel ansteigen.

Die wirklichen Problemfelder sieht der Forscher allerdings in den tropischen Regionen Afrikas, im asiatisch-pazifischen Raum sowie in Südamerika. "Die auf unserer Karte eingetragenen roten Regionen sind besorgniserregend, denn kein Forscher wagt weitere Prognosen darüber abzugeben. Und die Zukunft dieser Wälder ist mehr als unklar", meint Kauppi abschließend im pressetext-Interview.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org
http://www.helsinki.fi/university/index.html

Weitere Berichte zu: Regenwald Urwald Waldbestand Waldreport

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise