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Klimaerwärmung fordert erste Todesopfer

13.11.2006
Weniger als ein Grad Erwärmung rottet ganze Tierarten aus

Weniger als ein Grad Temperaturunterschied entscheidet darüber, ob eine gesamte Echsen-Population das kommende Jahrzehnt überleben wird oder nicht. Für die Brückenechsen in Neuseeland entscheidet nämlich die Temperatur darüber, ob aus den Eiern Männchen oder Weibchen schlüpfen. Eine totale Verschiebung der Geschlechter bedeutet das sichere Ende der Tierart, berichtet das Wissenschaftsmagazin National Geographic.

Brückenechsen (Sphenodon punctatus) sind lebende Fossilien, die seit 200 Mio. Jahren unverändert auf unserem Planeten leben. Die 50 bis 60 Zentimeter langen Echsen gibt es heute nur noch auf den kleinen Eilanden zwischen der Nord- und der Südinsel Neuseelands in der so genannten Cook Straße. Hier leben die Echsen, die bis zu 100 Jahre alt werden können, ohne von Ratten oder anderen Eindringlingen bedroht zu werden. Wie Nicky Nelson von der Victoria University in Wellington anhand von Untersuchungen bestätigt, liegt die ideale Temperatur für die Nachkommen der Echsen bei 21,7 Grad. "Bei 22 Grad schlüpften 100 Prozent männliche Nachkommen, bei 21 Grad schlüpften aus 80 Eiern nur drei Männchen", so der Forscher. Wenn sich die klimatische Feinabstimmung im Lebensraum der Tuatara, wie die Maori die Echsen nennen, nur geringfügig ändere, bedeute dies das sichere Ende der Tierart. Erschwerend kommt hinzu, dass die Echsen extrem langsame Reproduktionsraten haben. "Ein Weibchen paart sich durchschnittlich alle vier Jahre und die Eier brauchen zwischen elf und 16 Monate, ehe der Nachwuchs schlüpft."

"Dass veränderte Temperaturen die Geschlechterverhältnisse verändern, ist auch von anderen Reptilien bekannt", so Klaus Henle vom Umweltforschungszentrum Leipzig/Halle im pressetext-Gespräch. Wie die Forscher heute wissen, haben die Brückenechsen in den vergangenen 200 Mio. Jahren schon einige heftige Klimaveränderungen überlebt - und auch jene Meteoriteneinschläge, die das Ende der Saurier besiegelt hatten. "Nur waren sie damals einfach sehr weit verbreitet und konnten diese Katastrophen überleben", meint der Experte. "Heute hingegen sind die Echsen als letzte Überlebende einer seit etwa 60 Mio. Jahren vollständig ausgestorbenen Ordnung von Tieren auf die neuseeländischen Inselchen beschränkt", berichtet Henle. "Die letzten Verwandten der Brückenechsen sind mit den großen Sauriern ausgestorben", erklärt der Wissenschaftler. Auf den beiden großen Inseln Neuseelands wurden die letzten verbliebenen Brückenechsen durch zahlreiche vom Menschen eingeschleppte Tierarten wie Ratten, Wiesel oder Katzen vollständig vernichtet.

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Seit einiger Zeit werden die Tuataras in künstlichen Inkubatoren gezüchtet. Die Forscher wie Nelson sorgen dafür, dass die Nachkommenschaft gleichmäßig ist. Ein anderer Teil des Nachzuchtprogramms wird vom San Diego Zoo durchgeführt. Die dort nach gezüchteten Tiere werden in Gefangenschaft aufgezogen und dann in der Nähe von Dunedin in einem durch Zäune abgeschlossenem Gebiet wieder freigelassen.

Der Name Brückenechse stammt von den Schläfenbrücken im Schädel der Tiere, die bei allen anderen Reptilien zurückgebildet sind. "Eine weitere Besonderheit der Tuatara ist das subdermale Scheitelauge", so Henle. Dieses Auge, das allerdings nicht mit einem herkömmlichen Auge vergleichbar ist - obwohl es Hell-und Dunkelunterschiede wahrnehmen kann - unter der Haut verborgen. Henle erklärt, dass dieses Scheitelauge zur Steuerung hormonaler Zyklen dient. "Es gibt auch andere Tierarten, die über ein solches Sinnesorgan verfügen, allerdings kaum in jener Präzision wie jenes der Brückenechse."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nationalgeographic.com
http://www.ufz.de

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