Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ozeane ersticken im Dreck

13.11.2006
Schwimmende Abfall-Deponie in der Größe Zentraleuropas untersucht

Früher oder später endet fast der ganze Abfall, der in die Weltmeere gekippt wird, im Nordost-Pazifik - zwischen der Westküste der USA und Hawaii. Das ist den Forschern seit Jahren bekannt, denn das riesige Hochdruckgebiet erzeugt hier einen gewaltigen Meeressstrudel, der sich im Uhrzeigersinn dreht. Die Umweltorganisation Greenpeace hat mit dem Forschungsschiff "Esperanza" diese "wilde Deponie", die inzwischen die Größe Zentraleuropas erreicht hat, auf seine Bestandteile hin untersucht.

"Obwohl Plastikmüll weltweit in den Ozeanen zu finden ist, gibt es Meeresbereiche, in denen das Problem besonders schlimm ist. Die Region im Pazifik gehört dazu", so die Meeresbiologin Antje Helms im pressetext-Interview. "Wird der im Meer treibende Müll von der Strömung des Strudels erfasst, bleibt er bis zu 16 Jahre in diesem Gebiet. Die Folge ist ein gigantischer, nahezu geschlossener Müllteppich, der mittlerweile die Größe Zentraleuropas erreicht hat." Ob Schiffsabfälle, Fischernetze, Leinen, Verpackungsmaterial: Müll, der von dieser Strömung erfasst wird, bleibt in diesem Gebiet. Der Müllstrudel vor Hawaii weist weltweit die höchste Konzentration an schwimmenden Plastikteilen auf.

"Nach Untersuchungen der UN-Umweltorganisation UNEP treiben bis zu 18.000 Plastikteile in jedem Quadratkilometer der Weltmeere", berichtet Helms. Bedenkt man, dass diese Kunststoffe erst seit rund 40 Jahren in großen Mengen hergestellt werden, sei das bedenklich. "Am schlimmsten sind die kleinsten Teile, da diese von Tieren aufgenommen werden", erklärt Helms. Greenpeace hat in Untersuchungen festgestellt, dass weltweit mehr als 260 Tierarten nachweislich dem Müll im Meer zum Opfer fallen. Zu den Opfern zählen neben Fischen auch Schildkröten, Seevögel, Robben und Seelöwen. "Wir wollen mit der Aktion darauf aufmerksam machen, dass selbst in entlegenen Regionen der Welt das Müllproblem evident ist", meint Helms. 80 Prozent des Mülls in den Weltmeeren stammt vom Festland, nur 20 Prozent stammt von Schiffen.

... mehr zu:
»Ozean »Quadratkilometer »Weltmeer

"Zu den besonderen Problemstoffen auf hoher See gehören auch so genannte Geisternetze, die entweder von Fangflotten verloren oder wegen Beschädigungen weggeworfen wurden", erklärt Helms. "Diese Netze sind immer noch tödliche Fallen für zahllose Tiere, die sich darin verfangen." Es dauere sehr lange bis diese Netze prall gefüllt mit gefangenen Tieren zu Boden sinken. "Das Müllproblem ist aber nicht nur auf den Pazifik beschränkt", meint die Biologin. In allen Weltmeeren treiben Kunststoff und anderer Müll: Allein im Ärmelkanal sind es zwischen zehn und 100 Teile pro Quadratkilometer, in den Gewässern Indonesiens sind es stellenweise sogar knapp 4.000. Auch am Meeresgrund liegen nach Greenpeace-Untersuchungen durchschnittlich 100.000 Müllteile je Quadratkilometer. Nur ein Teil des Mülls wird dann an die Küsten der Kontinente oder Inseln angespült. In manchen Regionen Indonesiens wurden bis zu 690.000 Teile pro Quadratkilometer gezählt.

"Die neuen Ergebnisse machen deutlich, wie wir mit unseren Abfällen umgehen", meint Helms. Ganz zu schweigen von den chemischen Substanzen, die in die Weltmeere gekippt werden und sich im Fettgewebe von Meerestieren anreichern. "Anhand der Untersuchungen wird einfach deutlich, dass Abfall, der ins Meer geworfen wird, sich nicht einfach auflöst", meint Helms. Anhand des Schicksals von großen Seevögeln wie etwa Albatrossen wird deutlich, dass die Verschmutzung des Meeres mit dem Rückgang der Tiere eindeutig in Zusammenhang steht. Erst diese Woche hat Bird Life International auf das Verschwinden der Raubvögel hingewiesen. "Jedes Jahr verenden allein über eine Mio. Seevögel und 100.000 Meeressäuger qualvoll durch den Müll, der in unseren Meeren treibt. Die Tiere ersticken in Sechserpackträgern, strangulieren sich mit treibenden Netzresten oder verhungern, weil ihre Mägen mit Plastik verstopft sind", so Helms abschließend.

Video-Stream über den Plastikmüll vor Hawaii http://oceans.greenpeace.org/en/ocean-defenders-tv

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.greenpeace.at
http://oceans.greenpeace.org/en/ocean-defenders-tv

Weitere Berichte zu: Ozean Quadratkilometer Weltmeer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops