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Pulsierende Lebensadern - Neues Netzwerk für Flüsse in der Stadt

01.11.2006
Einbetonierte, begradigte Flüsse in Städten bieten mit ihrem tristen Anblick wenig - weder für Mensch, noch für Natur. Seit Jahren bemühen sich deshalb viele Kommunen, Fließgewässer aus ihren starren Verläufen zu befreien, sie zu revitalisieren.

"Ein Austausch über Schwierigkeiten und Erfolge fand bislang oft nur unkoordiniert statt", betonte DBU-Experte Dr. Volker Wachendörfer. Ein neues Netzwerk will diese Informationslücke für alle Beteiligten schließen. Bei der Tagung "Lebendige Gewässer im städtischen Raum" im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Kooperation mit der Stadt Osnabrück am 30. und 31. Oktober bereiteten rund 100 Umwelt-Vertreter aus ganz Deutschland die Gründung eines Zusammenschlusses vor. "Synergien schaffen, Leitfäden entwickeln und Beispiele aufzeigen - so ein Netzwerk hat Potenzial", betonte DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde und stellte eine Projektförderung in Aussicht.

Schließlich bräuchten Menschen Natur gerade auch in der Stadt, so Brickwedde. Damit sei neben Naturschutzaspekten auch ein Stück Lebensqualität verbunden. "Wir müssen ein neues Bewusstsein für unser Naturerbe wecken", erläuterte der Generalsekretär. Vor allem für Kinder und Jugendliche seien Flüsse in Städten kaum erlebbar, "weil überbaut, überformt und aufgestaut". Glücklicherweise sei landauf, landab die Einsicht gewachsen, dass an diesem Zustand etwas geändert werden muss. Etwa in Ballungszentren sei eine Kooperation mit Schulen wichtig. "Dabei sollten nicht nur Gymnasiasten, sondern auch verstärkt Kinder und Jugendliche anderer Schulformen eingebunden werden", so Brickwedde.

"Die positive Resonanz auf die Tagung zeigt, wie groß das Bedürfnis der Aktiven ist, sich zu vernetzen. Es gibt einen gemeinsamen Geist, deutschlandweit städtische Gewässer zu beleben", resümierte Detlef Gerdts, Fachbereichsleiter Umwelt der Stadt Osnabrück. Das neue Netzwerk soll nach Meinung der Tagungsteilnehmer vor allem Praktikern helfen, indem es Querverbindungen zu den Fachverbänden, kommunalen Spitzenverbänden, Stiftungen und anderen Kooperationspartnern erstelle. "Wir wollen eine Lobby schaffen, um die ökologische Bedeutung der städtischen Flüsse in der Bevölkerung zu verankern", betonte Gerdts. Das Netzwerk soll gute Praxisbeispiele dokumentieren, Fehlschläge kommunizieren, also Wissen verfügbar machen. "Es könnte weitergehend Leitfäden für Neueinsteiger entwickeln, dabei helfen Finanzierungsquellen zu finden und Vorschläge machen, um Verwaltungsvorgänge zu vereinfachen", so Gerdts. Auf ganz praktische Fragen, wie etwa Flüsse für den Menschen zugänglich gemacht werden können ohne eine Gefahr für Kinder darzustellen - darauf will das Netzwerk Antworten zusammentragen. Außerdem soll es Visionen für Gewässer in Städten formulieren und Methoden für mehr Partizipation in Planungsprozessen bereitstellen.

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Wie groß die Anteilnahme der Bevölkerung bei Revitalisierungsprojekten sein kann, zeigt etwa ein DBU-Projekt in Leipzig. Das Vorhaben zur Öffnung des Pleißemühlgrabens hat zum Ziel, die Bürger mit einer "gläsernen Baustelle" eng einzubinden in die Planung und Umsetzung der Freilegung eines überdachten Flussabschnittes. "Über 200 Schüler aus unterschiedlichen Schulen und zahlreiche Studenten der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur waren in Kursen und Arbeitsgruppen, Führungen und Wettbewerben aktiv und kreativ daran beteiligt", lobte Brickwedde. Projekte wie diese könnten helfen, Natur für Jugendliche wieder verstärkt erlebbar zu machen.

Die Stadt Osnabrück hatte schon im Frühjahr 2005 unter dem Motto "Entdecken - nicht verstecken" zu einem Erfahrungsaustausch eingeladen. Eigene Erfahrungen mit der Revitalisierung eines urbanen Flusses sammelte die Kommune unter anderem im Rahmen des DBU-Projektes "Lebendige Hase". An diese Diskussion und an das oft geäußerte Bedürfnis, koordiniert und vernetzt an die Arbeit am Fluss zu gehen, knüpfte jetzt die Tagung "Lebendige Gewässer im städtischen Raum" im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der DBU an.

Franz-Georg Elpers | idw
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

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