Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rettet die großen Fische

23.10.2006
Ältere Fische im Netz bringen ganze Populationen um

Dass es mit der globalen Fischerei schlecht aussieht, bezweifeln selbst hartnäckige Wirtschafter nicht mehr, denn die Fangflotten der Industrienationen plündern mit Hightech-Equipment zunehmend die Gewässer von Entwicklungsstaaten. Nun haben Forscher allerdings herausgefunden, dass bei befischten Spezies vor allem ältere und größere Tiere besonders unter Schutz gestellt werden müssen, da sie für das Überleben der gesamten Art wesentliche Verantwortung tragen, berichtet ein Forscherteam des Scripps Institution of Oceanography in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature.

Bisher haben die Experten nicht nur die Überfischung, sondern auch die Temperaturverschiebungen in den Ozeanen oder die Kombination aus beiden für den Rückgang zahlreicher Arten verantwortlich gemacht. Vertreter der Fischereiindustrie sehen einen Artenrückgang meist nur in der Klimaveränderung. Nun haben die Forscher um George Sugihara und Chih-hao Hsieh Daten von Fischlarven während der vergangenen 50 Jahre untersucht - und dabei nicht nur die 13 befischten Arten wie etwa die Dover-Scholle oder die Pazifische Sardine, sondern auch jene, die für die Fischerei keine Bedeutung haben. Das Datenmaterial stammte von den California Cooperative Oceanic Fisheries Investigations (CalCOFI) http://www.calcofi.org , die 1949 nach dem Kollaps der Sardinenfischerei vor der Küste Kaliforniens ins Leben gerufen wurdne. Darin sind Fischbestände von Baja California bis British Columbia gesammelt.

Das Ergebnis war erstaunlich: Die Häufigkeit der Larven bei den befischten Tieren war von Jahr zu Jahr stark schwankend, während sie bei den nicht-Befischten eher gleich bleibend war. In schwächeren Jahren sind Fischpopulationen wesentlich empfindlicher gegen einen totalen Kollaps, vor allem dann, wenn noch der zweite Faktor Nahrungsknappheit, hinzukommt, schließen die Forscher. "Die Fischerei spielt dabei eine wesentlich größere Rolle, als wir das bisher angenommen haben", so Sugihara. Das selektive Fangen älterer und größerer Fische, die zumeist auch bessere Reproduzenten für eine Spezies sind und zumeist auch Umweltveränderungen besser hinnehmen können, sei ein wesentlicher Grund für das Verschwinden von Arten. Ein weiteres Indiz sprach ebenfalls für die Theorie: Die Größe der gefangenen Tiere ging in den vergangenen 30 Jahren massiv zurück. Die Größe bei den Dover Schollen ging von durchschnittlich 40 Zentimeter 1970 auf 37 Zentimeter 2004 zurück. Auf Menschengröße umgelegt entspräche dies 15 Zentimeter.

... mehr zu:
»California »Fischerei

"Die Forschungsergebnisse sind sicherlich richtig", meint die Meeresbiologien Antje Helms von Greenpeace-Österreich http://www.greenpeace.at im pressetext-Gespräch. Die Muttertiere, die so genannten "Big Mamas", spielen eine extrem wichtige Rolle für den Aufbau bzw. den Wiederaufbau von Populationen. "Ein vier Mal so großer Fisch hat 64 Mal so viele Eier. Und diese haben wesentlich bessere Überlebenschancen", erklärt die Expertin. Das sei auch ein Grund dafür, warum die Umweltorganisation sich massiv für eine Minimalgröße bei Fischen einsetze, da sonst Fische gefangen werden, die sich noch nie fortgepflanzt haben. Offensichtlich klaffen die Interessen der Ökologen und jener der Industrie doch zu weit auseinander.

Wie schlimm es um die weltweite Jagd auf die großen Fischschwärme tatsächlich steht, meldet der Cook Islands Herold http://www.ciherald.co.ck : Eine Flotte von 14 spanischen Fischkuttern wurde beim Entladen von 200 Tonnen Schwertfisch in der tahitianischen Hauptstadt Papeete beobachtet. Tapi Taio von der Cook Islands Tuna Fishing Association fürchtet, dass diese Fische in den exklusiven Hoheitsgewässern der Cook Inseln gefangen wurden. Das Patrouillenboot ist derzeit in Australien auf Dock und damit nicht einsatzbereit. Erst in der Vorwoche wurde ein illegaler Fischkutter auf den Cook Inseln ertappt und eine Strafe von mehreren 100.000 Dollar verhängt.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://sio.ucsd.edu
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: California Fischerei

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie