Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Top-Ten der Umweltsünden: Russland an erster Stelle

20.10.2006
Schwermetalle führen Häufigkeit der Giftstatistik an

Die US-amerikanische Umweltorganisation Blacksmith Institute hat die am heftigsten von Umweltkatastrophen betroffenen Plätze der Erde gelistet. Unter den Top-Ten befinden sich gleich drei Spots in Russland.

Immer noch unter den Spitzenreitern ist auch das ukrainische Tschernobyl. Mindestens zehn Mio. Menschen sind weltweit von den Umweltgefahren dieser Spitzenreiter betroffen. Insgesamt hatte das Institut 25 Regionen ausfindig gemacht und daraus die Top-Ten "gekürt".

Meist sind es Altlasten aus der ehemaligen Sowjetunion, die den drei Städten Norilsk, Rudnaya Pristan und Dscherschinsk zu solchem Ruhm verholfen haben. In Dscherschinsk, in Zeiten des Kalten Krieges der Ort, an dem chemische Waffen und toxische Substanzen hergestellt wurden, beträgt die Lebenserwartung von Männern 42, von Frauen 47 Jahre. Zwischen 1930 und 1998 wurden hier fast 300.000 Tonnen hochgiftige chemische Abfälle unzureichend entsorgt. In Norilsk einer Industriestadt, die als Arbeitslager in Sibirien gegründet wurde, herrscht seit November 2001 Besuchsverbot für Ausländer.

... mehr zu:
»Abfall »Blei »Schwermetall

Hier ist die Luft erfüllt von Strontium-90, Caesium-137, Schwefeldioxid, Schwermetallen und allerlei anderen Substanzen, die der menschlichen Gesundheit nicht zuträglich sind. Schwermetallreich ist auch das Städteduo Rudnaya Pristan/Dalnegorsk im Osten Russlands. Hier sind es Schwermetalle wie etwa Quecksilber, die den Menschen das Leben schwer machen: Bei Blutuntersuchungen an Kindern wurden die US-Grenzwerte von Blei acht bis 20-fach überschritten.

Schwermetalle gehören zu den schlimmsten Umweltbelastungen im Top-Ten-Ranking: Auch in der Region Bajos de Haina in der Dominikanischen Republik, die zu der am dichtest besiedelten Region des karibischen Staates zählt: Hier war es eine Autobatterie-Recyclingfabrik, die dazu geführt hat, dass die Grenzwerte im Blut um das zehnfache überschritten wurden.

Das Unternehmen hat in der Zwischenzeit seine Pforten an dem Standort geschlossen, verseucht indes eine andere Region, wie die Experten vom Blacksmith Institute erwähnen. Blei und Cadmium haben auch Kabwe, die zweitgrößte Stadt Sambias, verseucht. Auch hier bot sich den Forschern ein Bild des Schreckens, als sie die Blutwerte von Kindern untersuchten.

Chinas am stärksten beeinträchtigte Stadt heißt Linfen. Im Zentrum der Provinz Shanxi ist die Kohle-, Teer- und Stahlindustrie zu Hause. Die Luftqualität in dieser Stadt ist im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend, wie BBC bereits im Vorjahr berichtete. Nach Angaben der Weltbank befinden sich übrigens 16 der 20 schmutzigsten Städte in China.

Südamerikas verseuchteste Stadt heißt La Oroya und liegt in den peruanischen Anden. Neben den Schwermetallen Blei, Kupfer und Zink wurden hier die Schwefeldioxid-Werte gemessen, die zehn Mal höher waren als die zulässigen WHO-Grenzwerte. Indiens Ranipet ist die am stärksten verschmutzte Stadt Südasiens. Hier wirken vor allem die chromverarbeitenden Industrien, die in den vergangenen Jahren etwa 1,5 Mio. Tonnen Abfall deponiert haben.

"Ein wesentlicher Teil der Bedrohung dieser zehn schlimmsten Plätze liegt darin, dass sich zum einen verschiedene Giftstoffe akkumulieren und dass die Menschen seit Jahren mit diesen Giften leben bzw. diesen dauernd ausgesetzt sind", so der Institutsdirektor Richard Fuller. Es gibt zahlreiche Plätze auf der Erde, an denen die Lebenserwartung ähnlich hoch ist wie im Mittelalter, Erkrankungen bei der Geburt die Regel sind, 90 Prozent aller Kinder an Asthma leiden und mentale Störungen endemisch zu sein scheinen", so der Bericht, der übrigens auch weitere Hot-Spots der Umweltverschmutzung listet.

Darunter sind auch "bekannte" Regionen oder Plätze wie etwa das rumänische Baia Mare. Hier kam es am 30. Januar 2000 zu einem der schlimmsten Chemieunfälle, die es in Europa je gab (pressetext berichtete http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=000322033 ). Bis heute sind die Folgen dieser Katastrophe spürbar. Mehr als zwei Jahre später war es am Somes-Fluss erneut zu einer Umweltkatastrophe gekommen.

"Angesichts des schlechten Zustandes vieler Industrieanlagen sind Unfälle wie in Rumänien keine Überraschung. Es ist unumgänglich, dass die Unternehmen die von ihnen ausgelösten Umweltbelastungen schnell und effizient reduzieren", so Herwig Schuster, Chemiker von Greenpeace-Österreich, im Gespräch mit pressetext. Die rumänischen Katastrophen scheinen sich allerdings in verschiedenen anderen Orten zu wiederholen: etwa in Omai/Guayana oder am Mount Diwalwal/Philippinen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.blacksmithinstitute.org

Weitere Berichte zu: Abfall Blei Schwermetall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie