Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Risikomanagement bei Tiefsee-Rohstoffnutzung

17.10.2006
IUB koordiniert internationale Forschungskooperation

Im Oktober startete der Forschungsverbund International Research Consortium on Continental Margins (IRCCM) unter Leitung der International University Bremen (IUB) ein neues Forschungsprojekt zur Risikominimierung bei der Nutzung von Tiefseeressourcen. Mit Hilfe von ferngelenkten Robotern und optischen Messsystemen werden Korallenriffe in der Nähe von Öl-Förderstätten untersucht.

Ziel des mit 1,2 Mio. Euro von der Firma Statoil finanzierten Projektes ist die Entwicklung neuer Methoden zur Überwachung und Modellierung von Meeresökosystemen unter dem Einfluss industrieller Förderaktivitäten.

Die Untersuchungen werden am Tisler-Kaltwasserkorallenriff im Skagerrak durchgeführt, das 2003 von der norwegischen Regierung unter Naturschutz gestellt wurde. Insbesondere sollen physische und chemische Beeinträchtigungen durch künstlich entstandene Sedimentwolken untersucht werden, die durch Meeresströmungen in das Riff gelangen. Das Riff liegt in unmittelbarer Nähe zu der biologischen Station Tjärnö Marine Biological Laboratory (TMBL, http://www.tmbl.gu.se) der Universitäten Göteborg und Stockholm und kann regelmäßig zu Forschungszwecken besucht werden.

... mehr zu:
»IRCCM »IUB »Korallenriff »Marine »Riff

Die Station verfügt über einen ferngelenkten Roboter (ROV) und zwei kleinere Forschungsschiffe. Das ROV wird mit Zusatzinstrumenten ausgerüstet, die eine detaillierte Videoüberwachung eines Korallenriffs ermöglichen. Die Auswertung der Videodaten erfolgt am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Zusätzlich soll mit Hilfe des von der IUB entwickelten Internet-steuerbaren Tiefseeobservatoriums neu entwickelte Beobachtungsoptik vor Ort zum Einsatz kommen, um jederzeit Informationen über des Zustand des Korallenriffes zu erhalten. Mit Laborexperimenten soll der Einfluss von Partikeln auf das Korallenriff untersucht werde. Dabei wird sich das Bremer Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie mit der Bedeutung spezieller Bakteriengemeinschaften beschäftigen, die möglicherweise einen negativen Einfluss auf Korallenriffe ausüben. In Zusammenarbeit mit dem Netherlands Institute of Ecology (NIOO, http://www.nioo.knaw.nl) soll ein Modell entwickelt werden, mit dem Vorhersagen über den Einfluss von Sedimentverdriftung auf die Entwicklung von marinen Ökosystemen gemacht werden können.

Das Tisler-Kaltwasserkorallenriff von etwa zwei Kilometern Länge liegt in einer Tiefe von 74 bis 155 Metern Wassertiefe entlang der norwegisch-schwedischen Grenze. Sein Alter wird auf ca. 1000 Jahre geschätzt und es gilt in Europa bisher als das einzige seiner Art in diesen Wassertiefen. Von der gelben Kaltwasserkorallenart Lophelia gebildet ist das Riff in seiner Artenvielfalt tropischen Korallenriffen vergleichbar und ist ein wichtiger Laichgrund für Fische. Derzeit ist das Riff vor allem durch Fischereiaktivitäten gefährdet.

*Hintergrund*

Die Förderung von Öl und Erdgas aus dem Meeresboden ist aufgrund des hohen ingenieurtechnischen und Logistikaufwandes wesentlich teurer als die Förderung auf dem Festland. Da sich die Begrenztheit der Festlandreserven jedoch zunehmend abzeichnet, nimmt die Suche nach neuen Off-shore-Vorkommen zur langfristigen Sicherung der europäischen Energieversorgung stetig zu. Konflikte mit anderweitiger Ressourcennutzung aus dem Meer, beispielsweise der Fischerei, und dem Umweltschutz für die marinen Ökosysteme sind daher vorgezeichnet.

Die Erforschung und das Monitoring der betroffenen Ökosysteme gehört daher zu neuen wichtigen Aufgaben der Öl- und Erdgasindustrie. Ein wesentliches Ziel der Arbeit des IRCCM und speziell des Oceanlab der IUB ist daher das Management von biologischen und geologischen Ressourcen in den Ozeanen. Das neue Forschungsprojekt ermöglicht über eine intensive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie sowohl die Entwicklung neuer Technologien als auch Meeresgeo- und ökologische Grundlagenforschung. Projektkoordinator ist Laurenz Thomsen, IUB Professor for Marine Geosciences und Gastprofessor für biologische Ozeanographie an der University of Washington, Seattle.

*International Research Consortium on Continental Margins (IRCCM, http://www.irccm.de)*

Die Aktivitäten des IRCCM verknüpfen wissenschaftliche und wirtschaftliche Ziele bei der Erforschung der Kontinentalränder. Diese sind die Meeresregionen, in denen die Landmasse der Kontinente von flachen Wassertiefen in die Bereiche der Tiefsee übergehen. Sie sind Brennpunkte verschiedenster geologischer, biologischer und chemischer Prozesse. Sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht, etwa bei der Erschließung von Energiequellen, als auch in bezug auf Umweltfragen und Klimaforschung kommt ihnen eine große Bedeutung zu. Die IUB koordiniert die Aktivitäten des Konsortiums und stellt Industriekontakte zu den Forschungsinstitutionen her. Das Konsortium besteht aus acht wissenschaftlichen Einrichtungen und drei industriellen Partnern:

*Wissenschaftliche Partner:*
International University Bremen, http://www.iu-bremen.de
Universität Bremen, http://www.uni-bremen.de
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie Bremen, http://www.mpi-bremen.de
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, http://www.awi-bremerhaven.de
IfM-GEOMAR Institut Kiel, http://www.ifm-geomar.de
Rice University (Texas), http://www.rice.edu
University of Washington (Seattle), http://www.washington.edu
University of New Hampshire, http://www.unh.edu
*Industriellen Partner:*
Integrated Exploration Systems (IES), http://www.iesgmbh.eu
Ölkonzern StatOil, http://www.statoil.com
*Weitere assoziierte Partner sind:*
Meeresforschungsinstitut Ifremer (Brest), http://www.ifremer.fr
National Oceanography Centre (Southampton), http://www.noc.soton.ac.uk
Technische Universität Hamburg-Harburg, http://www.tu-harburg.de

Dr. Kristin Beck | idw
Weitere Informationen:
http://www.iu-bremen.de/

Weitere Berichte zu: IRCCM IUB Korallenriff Marine Riff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie verändert der Verlust von Arten die Ökosysteme?
18.05.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie