Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alte U-Bahn-Waggons als künstliche Riffe

22.08.2006
Schutzwälle sollen Fische und Meerestiere anlocken

Vor der US-Ostküste - zwischen New Jersey und Georgia - werden zurzeit tausende ausgediente U-Bahn-Waggons im Meer versenkt. Diese sollen für Meeresbewohner neue Lebensräume schaffen, berichtet das Wissenschaftsmagazin National Geographic. Neben den ausrangierten Zugsgarnituren kommen auch noch Betonklötze, Armeeschiffe, Boote und sogar Panzer auf den Meeresgrund.

"Vor der Küste der so genannten Mid-Atlantic Region gibt es sehr wenige Felsen", so Jeff Tinsman, Koordinator des Projekts zur Schaffung künstlicher Riffe am Delaware Department of Natural Resources. Der Meeresgrund hier ist sandig, mit vereinzelten Schlammklecksen. Die künstlichen Riffe wären ein willkommener neuer Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Gerade harte Materialien, egal ob von Menschenhand geschaffen, oder natürlicher Herkunft, sind für Austern und Muscheln ein idealer Brutplatz. Diese wiederum sind Nahrungsquelle für zahlreiche Fischarten wie dem Schwarzen Sägebarsch (Centropristis striata), der auch in der kommerziellen Fischerei eine Rolle spielt.

"Untersuchungen haben gezeigt, dass künstliche Riffe - gemessen an der Biomasse - hundert Mal reicher sind, als der natürliche Lebensraum", so Tinsman. Dies sei vor allem für Fische sehr attraktiv. Die staatlichen Agenturen sehen die künstlichen Riffe als eine Methode, dem drohenden Verlust der Biodiversität in den Ozeanen entgegenzuwirken. Taucher haben berichtet, dass sie in den künstlichen Rifflandschaften eine große Zahl von jungen Fischen ausgemacht hatten. Unterstützung erhalten die Projekte auch von Forschern. "Die künstlichen Riffe sind wunderbar und nicht umsonst werden sie auch von lokalen Fischereibehörden unterstützt", so die Meeresbiologin Jennifer Samson von der Umweltgruppe Clean Ocean Action.

Als in New York 2001 mehr als 1.000 U-Bahn-Waggons ausrangiert wurden, kam die Idee die Metallhüllen als Riffe im Meer zu versenken. Ehe dies geschah wurden die Wagen von Schmierstoffen gereinigt, die Fahrgestelle, Fenster, Türen und die Sitze wurden entfernt. Übrig blieben nur noch die 9.000 Kilogramm schweren Boxen, die mit ihren Öffnungen für eine optimale Wasserzirkulation sorgen. Kritisch nahmen einige Umweltgruppen allerdings die Tatsache auf, dass sich in den Waggons auch Teile aus Asbest befinden, die den Fischen schaden könnten. Tinsman meint dazu, dass diese Gefahr sehr gering sei, da Asbest nur in Form von Epoxy-Matrix vorliege und damit nicht gefährlich sei.

"Die Amerikaner sind Weltmeister dieser Technik", meint Michael Stachowitsch, Meeresökologe an der Universität Wien im pressetext-Interview. Es sei allerdings nicht ganz unproblematisch, da es nicht völlig geklärt sei, ob die Fische, die sich in diesen Riffen aufhalten, sich von anderen Gebieten hier sammeln, oder ob es tatsächlich zu einer Vergrößerung der Population komme. "Unklar ist auch, ob sich diese Materialien, die sonst unter hohen Kosten verschrottet werden müssten, als Riffbausteine eignen." Metall sei nicht das bevorzugte Substrat für eine Rifflandschaft, so Stachowitsch. Es gehe nämlich nicht nur um die Fische, sondern auch um die Ansiedlung zahlreicher wirbelloser Tiere und Pflanzen. "Da Metall rostet, bietet es langfristig keine Umweltverbesserung." Einen Vorteil räumt der Experte aber ein: "wenn es neue Riffe am Meeresgrund gibt, ist diese Unterwasserlandschaft wenigstens vor der Zerstörung der Grundschleppnetze sicher."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nationalgeographic.com
http://www.univie.ac.at/marine-biology

Weitere Berichte zu: Meeresgrund Riff Rifflandschaft U-Bahn-Waggons

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dynamische Katalysatoren für saubere Stadtluft
16.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Klimawandelbedingtes Aussterben von Arten kann kaum verhindert werden
10.10.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise