Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lachse brauchen Luft zum Leben

07.01.2002


Springende Lachse an einem Wehr in der Sieg Foto: Olaf Niepagenkemper


Wissenschaftler der Universität Münster messen den Sauerstoffgehalt des Wassers an Laichplätzen

... mehr zu:
»Eier »Lachs »Larve »Sauerstoffgehalt »Sediment

Lange Zeit galt der Lachs in deutschen Flüssen als ausgestorben. Gründe dafür waren die Verschmutzung und Verbauung der Gewässer. Durch die erfolgreiche Arbeit des Wanderfischprogramms Nordrhein-Westfalen sind der Lachs und die Meerforelle durch den Rhein in das Siegsystem und in andere Flüsse zurückgekehrt. Mit der Anlage von Fischwanderhilfen, wie zum Beispiel Fischtreppen, sind eine große Anzahl von Wehren und anderen Hindernissen soweit passierbar, dass die Fische ihre Laichgebiete in den Wintermonaten wieder erreichen können. Inwieweit sich der Sauerstoffgehalt des Wassers dort auf das anschließende Laichen auswirkt, untersuchen Wasserkundler vom Institut für Evolution und Ökologie der Tiere der Universität Münster.

Bei der Entwicklung der Eier und Larven ist der Sauerstoffgehalt im Sediment, in das die Lachse ihre Eier eingraben, von besonderer Bedeutung. Während dieser Phase von November bis April brauchen sie im Sediment eine ausreichende Sauerstoffversorgung von mehr als fünf Milligramm pro Liter. Um den Sauerstoffgehalt im Kiesbett von Fließgewässern, in die Lachse ihre Eier legen, bestimmen zu können, haben die Wasserkundler Olaf Niepagenkemper und Prof. Dr. Elisabeth Meyer und der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. eine neuartige Messtechnik entwickelt.


Mit der Sauerstoffmessung mit so genannten Optoden ist es erstmals möglich, den Sauerstoff direkt im Sediment in bis zu dreißig Zentimeter Tiefe zu messen. Diese optischen Sensoren sind besonders gut geeignet für Messungen im Interstitial, dem Lückensystem des Gewässergrundes, da sie keine Anströmung benötigen. Die sonst verwendeten Clark-Elektroden arbeiten mit Fließgleichgewicht und brauchen eine Anströmung zur Kompensierung des eigenen Sauerstoffverbrauchs. Außerdem wird mit der Optode der Sauerstoffgehalt direkt im Sediment gemessen und nicht wie üblich an der Wasseroberfläche, wodurch die Messung genauer wird. Sogar bei niedrigen Konzentrationen kann der Sauerstoffgehalt bis auf ein zehntel Prozent genau angegeben werden.

Das ist deshalb wichtig, weil bei einem zu geringen Sauerstoffgehalt die Larven absterben. Die weiblichen Lachse graben mit ihrem Körper bis zu dreißig Zentimeter tiefe Laichgruben. Dadurch wird das Sediment von Feinteilen, die sich im Gewässerbett abgelagert haben, gereinigt. Die gelegten Eier werden vom Männchen befruchtet und dann mit Kies zugedeckt. Mit reichlich Sauerstoff versorgt liegen die Eier geschützt im Sediment. Die Entwicklungszeit der Larven, die erst wenn der Dottersack verspeist ist, aus dem Sediment in die fließende Welle aufschwimmen, dauert mehrere Monate. Partikel von ungeklärten Einleitungen oder eingeschwemmte Feinteile aus nahe am Gewässer liegenden landwirtschaftlichen Flächen in Flüsse oder Bäche, die nach starken Regenfällen große Mengen an Schwemmstoffen zuführen, können das Lückensystem des Sedimentes verstopfen, so dass dadurch die Larven absterben.

Das Projekt der Universität Münster wird im kommenden November bei einer großen Wissenschaftsausstellung im Düsseldorfer Landtag von der Arbeitsstelle Forschungstransfer (AFO) einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.


Brigitte Nussbaum | idw
Weitere Informationen:
http://zooserv1.uni-muenster.de/limnology/news/optode0/main.html

Weitere Berichte zu: Eier Lachs Larve Sauerstoffgehalt Sediment

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie