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Artenvielfalt an Ufer und Küste

12.06.2006
GEO-Tag der Artenvielfalt bilanziert rund 1.000 Tier- und Pflanzenarten an der Küste, an den Ufern und im Wasser zwischen Bremerhaven und Cuxhaven, auf Helgoland und auf Sylt.

Über 230 Begleitaktionen in ganz Deutschland / Gemeinsame Aktion von GEO und dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.

Über 80 Experten erforschten gestern die Küste, die Ufer und das Wasser in Gebieten zwischen Cuxhaven und Bremerhaven, auf Helgoland und auf Sylt und dokumentierten dabei rund 1.000 Arten.
Bremerhaven
Insgesamt wurden hier ca. 500 Arten bestimmt. Von den in dieser Umgebung bekannten Vogelarten konnten gestern nahezu 100 Prozent erfasst werden. Besonders hervorzuheben sind dabei die Lachseeschwalben, die nur im norddeutschen Raum vorkommen und am Sonnabend wieder nachgewiesen werden konnten. Außergewöhnlich war die Sichtung einer Weißflügelseeschwalbe - ein Exot in diesem Gebiet, der aus Osteuropa eingeflogen ist. Im Bereich der Höheren Pflanzen ist der seltene Knollenfuchsschwanz bemerkenswert. Dieses Gras ist deutschlandweit nur an der Wurster Küste zu finden. Viele der Nachweise von Meerestieren und -pflanzen gelangen von zwei Forschungsschiffen aus der Uthörn des Alfred-Wegener-Instituts sowie der Nixe II, einem Fischkutter des Nationalparkhauses an der Wattenmeerküste bei Dorum. Gesichtet wurde unter anderem der Schweinswal, was für diese Region ungewöhnlich ist. Eine weitere Besonderheit unter den Funden ist die mit den Seepferdchen verwandte Große Schlangennadel, eine Spezies, die auf der Liste der bedrohten Arten (Rote Liste) steht.

Helgoland
Die außergewöhnlichsten Funde wurden auf Helgoland gemacht, wo insgesamt rund 350 Arten registriert wurden. Die Hochseeinsel gilt als einzigartiger Lebensraum mit einer hohen Artenvielfalt. Experten der Biologischen Anstalt Helgoland fanden eine überraschend hohe Anzahl von Streifenbarben, eine Fischart, die im mediterranen Raum zu Hause ist und vermutlich aufgrund des Klimawandels und der dadurch bedingten Wassererwärmung ihren Weg bis in die Nordsee gefunden hat. Eine von vier neu entdeckten Arten war die Ottermuschel Lutraria lutraria, die bisher nur als Fossil vor Helgoland nachgewiesen wurde.

Sylt
Auf Sylt wurden gestern insgesamt 262 Arten gezählt - darunter als Besonderheit der Seehase, ein Fisch, der durch Überfischung fast aus den Netzen verschwunden ist. Die Europäische Auster wurde wie erwartet nicht nachgewiesen, sie gilt in der deutschen Nordsee mittlerweile als ausgestorben. Ihren Platz eingenommen hat die aus Muschelzuchten bei Sylt ins Wattenmeer entkommene Pazifische Auster, die nun mehr und mehr auch die Miesmuschel verdrängt. Experten der zum Alfred-Wegener-Institut gehörigen Wattenmeerstation Sylt haben gestern nur noch eine einzige intakte Miesmuschelbank gefunden. Projekte in ganz Deutschland und Nachbarländern Insgesamt gab es in diesem Jahr über 250 GEO-Tage der Artenvielfalt, an denen tausende von Menschen beteiligt waren.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und in den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Dr Andreas Wohltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de/

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