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Chemie-Zellstoff: Neues, dezentrales Verfahren unter Nutzung heimischer Hölzer

11.12.2001


Zwei große Verarbeiter von Chemie-Zellstoffen, ein namhaftes Forschungsinstitut und ein verfahrenstechnisches Unternehmen entwickeln ein gemeinsames Verfahren zur integrierten Celluloseproduktion. Am Ende des Projekts, das vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) finanziell unterstützt wird, sollen eine Pilotanlage und das Konzept für eine Produktionsanlage mit einer Kapazität ab 20.000 Jahrestonnen stehen.

Ob als Filter Tow zur Herstellung von Zigarettenfiltern, als Faser für die Textilindustrie, für Lacke, Bau- und Klebstoffe, als Kunststoff, Folie und Film oder in der Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharma-Industrie: Produkte auf der Basis von Chemiezellstoff kommen in den verschiedensten Segmenten zum Einsatz. Etwa 200.000 Tonnen werden allein in Deutschland jährlich verarbeitet, wobei die Industrie bislang ausschließlich auf Importe angewiesen ist.


Jetzt geht es darum, gänzlich neue Konzepte in die Tat umzusetzen: Relativ kleine Module für die Celluloseproduktion sollen den etablierten Verarbeitungsstufen voran gestellt werden. Die Vorteile: Neben den wirtschaftlichen Aspekten, von denen auch die heimische Forstwirtschaft als Rohstofflieferant profitieren soll, lassen sich die technischen Synergien der Verfahrenskette vom Holz bis zum Endprodukt nutzen.
Das umweltverträgliche Verfahren wird ohne die sonst üblichen Schwefelverbindungen auskommen und soll zudem zu reaktiveren Zellstoffen führen. Während herkömmliche Chemie-Zellstoffe in trockenem Zustand gehandelt und anschließend aufwendig aufgeschlossen werden müssen, dürfte der neue Rohstoff mit geringerem Aktivierungsaufwand in die begehrten Derivate zu überführen sein.
Kernstück des Prozesses ist der Holzaufschluss, also die Auftrennung von Holz in seine Hauptbestandteile Cellulose, Lignin und Hemicellulose. Der Aufschluss erfolgt nach einem neuen Verfahren mittels eines Aminoalkohols. Schwerpunkte des Projekts sind verfahrenstechnische Lösungen, Untersuchungen zur Reinigung und Bleiche des Chemiezellstoffs und seine Weiterverarbeitung. Dabei sollen nicht nur der Zellstoff, sondern auch die anderen Komponenten als wertvolle Chemierohstoffe genutzt werden. Ein zusätzlicher Vorteil des Verfahrens ist, dass das Lignin in schwefelfreier Form anfällt.


Am Projekt, das von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) getragen wird, sind die Hersteller von Cellulose-Derivaten Wolff-Cellulosics (Walsrode) und Rhodia Acetow (Freiburg), die Bundesforschungsanstalt BFH (Hamburg) und die Firma VTA (Deggendorf) beteiligt. Die Ergebnisse stehen im Herbst 2004 zur Verfügung.

Dr. Torsten Gabriel | idw
Weitere Informationen:
http://www.fnr.de

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